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Heftige Kritik an Neubaugebiet auf einer Streuobstwiese

Bühler Bürgerinitiative gegen Neubaugebiet gegründet: Das Ende der „letzten innerstädtischen Oase“?

Im Hinterfeldweg im Bühler Stadtteil Kappelwindeck hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Neubaugebiet gegründet. Die Anwohner wehren sich nicht nur gegen die drohenden Erschließungsbeiträge für den Straßenausbau. Gleichzeitig warnen sie vor der Vernichtung „letzten innerstädtischen Oase“.

Umstritten: Im Bereich des Hinterfeldwegs plant die Stadt ein Neubaugebiet. Das ist an der linken Seite der Straße auf der Streuobstwiese geplant. Die Eigentümer der Bestandsgebäude auf der anderen Straßenseite sind nicht begeistert. Foto: Ulrich Coenen

Im Hinterfeldweg im Kappelwindeck formiert sich Widerstand. Jetzt haben 14 Familien eine Interessengemeinschaft gegründet. Weil an der anderen Seite der Straße ein Neubaugebiet entstehen soll, müssen die Anwohner der vor rund einem halben Jahrhundert entstandenen Einfamilienhäuser für den Ausbau des asphaltierten Wirtschaftswegs bezahlen. Gleichzeitig fürchten sie, dass Teile ihrer Vorgärten der Straße zum Opfer fallen.

„Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Hinterfeldweg Kappelwindeck (IGHK) vermögen das Bemühen der Stadtverwaltung, Bauland auszuweisen und Baulücken zu schließen, nachzuvollziehen, legen aber sehr wohl Wert auf die Feststellung und die Maßgabe, dass dies bürgerfreundlich, natur- und landschaftsschonend zu erfolgen hat“, schreibt die IGHK an die Redaktion. Die Stadtverwaltung habe bisher kein Gespräch mit den Anwohnern gesucht. Nicht nachvollziehbar ist für die Anwohner, dass die Erschließungskosten auf alle Grundstückseigentümer umgelegt werden sollen, und zwar unabhängig davon, ob für Bestandsgebäude bereits Anschlussgebühren für Brauch- und Abwasser oder Strom in Rechnung gezahlt wurden.

Die Interessengemeinschaft kritisiert aber nicht nur den drohenden Griff in ihre Tasche, auch der Landschafts- und Umweltschutz ist ein Thema. „Fakt ist, dass eine weitere Versiegelung des Landschaftsschutzgebiets massive und irreparable Beeinträchtigungen für die Wohnbevölkerung, die Landwirtschaft, Flora und Fauna zur Folge hätte“, heißt es im Brief. Das 2,3 Hektar große Neubaugebiet „Hinterfeldweg“ ist auf einer Streuobstwiese geplant. Die Stadt hat inzwischen rund 90 Prozent der Grundstücke aufgekauft. Der Gemeinderat hat die Aufstellung des Bebauungsplans im Juli beschlossen.

Bühler sprachen damals wie heute vom Millionärsbuckel
Interessengemeinschaft Hinterfeldweg Kappelwindeck

Das sieht man im Hinterfeldweg mit großer Skepsis. „Eine weitere bauliche Verdichtung der Wiesen und wertvollen Streuobstgürtel läuft der von der Stadt so vehement propagierten Offenhaltung der Landschaft in eklatanter Weise zuwider“, heißt es. Dieses ökologisch und klimatologisch so bedeutende Fenster ist zudem aufgrund der vom Klotzberg wehenden Fallwinde für die Be- und Durchlüftung von weiten Teilen Kappelwindecks, aber auch der südlichen Kernstadt und des Gewebegebiets von elementarer gesundheitspolitischer Bedeutung.“ Das Gelände Hinterfeldweg sei eine der „letzten innerstädtischen grünen Oasen“.

Im vergangenen Jahr hat die Stadt Bühl den Klimanotstand ausgerufen. Das passt nach Ansicht der Interessengemeinschaft nicht zum geplanten Neubaugebiet. Sie verweisen unter anderem auf den Kimopass, den die Stadt erarbeitet hat, und den neuen Klimaschutzmanager, der gerade seinen Dienst angetreten hat. Die IHGK geht von mehr als 30 neuen Wohneinheiten aus, die im Neubaugebiet Hinterfeldweg entstehen sollen. Dies bedeutet zusätzlich zwei bis drei Pkw-Stellplätze pro Wohneinheit, verbunden mit Verkehrsbelastung.

Anwohner warnen vor Spekulanten

Die Vermutung im Neubaugebiet könnten junge Familien und Einheimische ein neues Zuhause finden, bezeichnet die Interessengemeinschaft als absurd und realitätsfremd. „Man muss kein Prophet sein, bei einer Bebauung werden in erster Linie professionelle Projektentwickler, Investoren und Spekulanten zugreifen“, befürchten die Anwohner in ihrem Schreiben. Der Bebauungsplan Hinterfeldweg wäre eine Dublette des kernstädtischen exklusiven, weil vergleichsweise exorbitant teuren Wohnviertels Honau. „Bühler sprachen damals wie heute vom Millionärsbuckel.“

Schnurr weist Vorwürfe zurück

Oberbürgermeister Hubert Schnurr weist die Vorwürfe zurück. „Die Auswirkungen auf das Klima und sämtliche ökologischen Aspekte werden wir im Zusammenhang mit dem Bebauungsplanverfahren berücksichtigen“, sagt er. „Die Vorwürfe kommen also viel zu früh.“ Schnurr wies darauf hin, dass die Eigentümer der Grundstücke im Neubaugebiet, Interesse hätten, „dort oben etwas zu entwickeln“. „Da stoßen also auch unterschiedliche Interessen aufeinander“, meint er.

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