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KVV kündigt den Einsatz von „Verstärkerbussen“ an, um die Situation zu entzerren

Bühler Eltern bemängeln zu volle Schulbusse

In den Schulbussen der Region ist es viel zu eng. Sowohl vor den Bussen als auch darin kann der Mindestabstand nicht eingehalten werden.

An ihren Schulen sind die Schüler (hier an der Haltestelle des Windeck-Gymnasiums) strengen Regeln unterworfen; vor und im Bus sind Mindestabstände aber oft nicht einzuhalten. Foto: Katrin König-Derki

So akribisch die Corona-Auflagen an den Schulen auch umgesetzt werden, in einigen Linienbussen herrscht zu Stoßzeiten nach wie vor totale Enge. Mit dem Unterschied, dass nun Masken getragen werden. So schildert es auch Antje Sommer aus Bühlertal, Mutter eines Schülers der Heimschule Lender, die Ende September eine Rundmail an Verkehrsbetriebe und Presse verschickte. „Letzte Woche waren oft schon beim Seniorenzentrum Bühlertal alle Sitz- und die meisten Stehplätze gefüllt“, schreibt sie.

„Wie sollen Kinder da Abstand halten?“ In Pandemiezeiten könne dies nicht zielführend sein. „Im Gespräch mit anderen Eltern erfuhr ich, dass einige aus diesem Grund die Kinder mit dem Pkw zur Schule bringen.“ Nicht nur die Selbstständigkeit der Kinder, auch die Verkehrssituation an den Schulen leide unter dieser Tatsache. Aus ihrer Sicht ist es „unabdingbar“, größere Busse zur räumlichen Entzerrung zum Einsatz zu bringen, gegebenenfalls zeitversetzt auch zusätzliche.

Nicolas Lutterbach von der Presseabteilung des Karlsruher Verkehrsverbunds ist die Problematik längst bekannt; sie sei landes-, ja bundesweit Thema, sagt er. Der KVV habe frühzeitig Schreiben an die Schulen im Verbundsgebiet gesandt, um zu eruieren, ob eine Staffelung von Unterrichtsbeginn und -ende möglich sei.

„Dann hätten wir die vorhandenen Busse mehrfach fahren lassen können.“ Es habe kaum Rückmeldungen gegeben. „Nur zwei Schulen aus Durmersheim und Ettlingen haben den Unterricht gestaffelt.“ Viele Einrichtungen, räumt er ein, seien gewissen Zwängen unterworfen. „Ein Beispiel sind die Ganztagesschulen, wo im Anschluss an den Unterricht die Betreuung beginnt. Das wäre schwierig umzusetzen, wenn die Schüler zu unterschiedlichen Zeiten in den Unterricht gingen.“

Wir können nicht einfach sagen: Wir setzen gleichzeitig weitere Busse ein, um die Situation zu Stoßzeiten zu entzerren.
Nicolas Lutterbach, Pressesprecher KVV

Die Verkehrsunternehmen im KVV wiederum verfügten nur über begrenzte Kapazitäten, sowohl die Fahrzeuge als auch das Personal betreffend. „Wir können nicht einfach sagen: Wir setzen gleichzeitig weitere Busse ein, um die Situation zu Stoßzeiten zu entzerren“, so Lutterbach. Das Land Baden-Württemberg habe Landkreisen und Kommunen bis Jahresende indes zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um den ÖPNV in Pandemiezeiten durch „Verstärkerbusse“ (zum Beispiel angemietete Reisebusse) auszubauen.

Einen Tag nach dem Gespräch des ABB mit Lutterbach erreicht eine Pressemeldung die Redaktion, in der der KVV tatsächlich ankündigt, mit den Landkreisen Karlsruhe und Rastatt ab sofort zusätzliche Fahrzeuge für die Beförderung von Schülern zur Verfügung zu stellen. So sollen die Platzkapazitäten erhöht und stark beanspruchte Schulbusfahrten entlastet werden, unter anderem auf der Linie 264 Bühlertal-Sasbach. „Das Land fördert die Kosten für diese zusätzlichen Verkehre mit 80 Prozent“, heißt es in der Mitteilung. „Die Landkreise übernehmen den restlichen Kostenanteil.“

Staffelung des Unterrichts, um den Busverkehr zu entzerren

Die Leiterin der Bachschlossschule, Constanze Velimvassakis, ist übrigens überrascht über die Darstellung des KVV bezüglich der Schulstaffelungen: „Wir wollten den Unterricht bewusst staffeln, damit der Busverkehr entzerrt wird, und hatten diesbezüglich über mehrere Monate hinweg Gespräche mit Vertretern der Stadt und des KVV.

Letzterer hat uns ganz klar signalisiert, dass die von uns vorgeschlagenen zeitversetzten Unterrichtszeiten bustechnisch nicht zu bedienen seien.“ Das sei sehr bedauerlich, zumal sich die Haltestellen (wie ansonsten nur am Windeck-Gymnasium) auf dem Schulgelände befänden und beaufsichtigt werden müssten. „Das ist für alle Seiten unentspannt. Dass Schüler nicht auf Abstand bleiben, wenn die Busse einfahren, ist auch verständlich.“

Georg Hauser, Konrektor am Windeck, sagt, dass versetzte Unterrichtszeiten, wie sie primär vom Kultusministerium des Landes erwünscht seien, am Windeck aufgrund komplexer Stunden- und Betreuungspläne ohnehin kaum abbildbar wären. Allen Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten zum Trotz bleibt nun wohl nur eins: Zu hoffen, dass die Schüler ab sofort ein bisschen mehr Platz im Bus haben. Auch morgens um 7 Uhr.

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