Skip to main content

Glaube ist nicht allzu groß

Bühler Fußballfans haben gemischte Gefühle vor dem Start der EM unter Corona-Bedingungen

Der eine trauert den Karten für das erste Spiel der deutschen Elf nach, der andere fiebert mit seinen Kindern der Fußball-Europameisterschaft entgegen: Was in Bühl und Umgebung dieses Turnier an Erwartungen und Hoffung auslöst.

Der vierte Titel soll es sein: Dass die Nachfolger von Oliver Bierhoff und Matthias Sammer den Pokal in die Höhe stemmen werden, daran haben die Fans in Bühl und Umgebung doch einige Zweifel. Foto: Oliver Multhaup/dpa

Und jetzt alle frei nach den Sportfreunden Stiller: „’72, ‘80, ‘96, 2021....“ Er funktioniert nicht so richtig, der umgetextete Refrain des Fußball-WM-Schlagers von 2006. Die Silbenzahl passt nicht mehr zur Melodie, vor allem aber der Glaube vieler Fans an den vierten Europameister-Titel der deutschen Elf ist nicht allzu groß. Schon die Vorfreude auf das Turnier ist nicht immer ungetrübt.

Günter Dußmann hat einen triftigen Grund, warum er dem ersten Spiel der Löw-Truppe mit gemischten Gefühlen entgegensieht. Der Bühler Feuerwehrkommandant, der Jugendtrainer bei der SG Sasbach ist, hätte Karten für das Spiel gegen Frankreich gehabt – hätte es denn planmäßig im Juni 2020 stattfinden können. Vor drei Wochen sei die Nachricht gekommen, dass er wegen der nun deutlich geringeren Platzkapazitäten aus der Kartenverlosung gefallen sei.

Spiele der U21 machen bei Bühlern Lust auf mehr

Auch der Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer (CDU), einst beim SV Altschweier aktiv, spürt eine gedämpftere Vorfreude als sonst: „Ein Turnier, das sich mehr oder weniger in den heimischen Wohnzimmern abspielt und mit eingeschränkter Fanzahl in den Stadien, empfinde ich nicht als Hit.“

Harro Hornung, der 1973 mit dem SC Baden-Baden als Meister der I. Amateurliga an die Tür zum bezahlten Fußball anklopfte, sieht seine Vorfreude vor allem durch die „tollen Spiele der U 21“ geschürt.

Bei Christian Greilach ist sie sogar riesig. Der Lichtenauer Bürgermeister (CDU), der in verschiedenen Bürgermeistermannschaften aktiv ist, verdankt das seinen Kindern: „Die EM ist das erste große Turnier, auf das sie sich mit Sammelkarten sowie dem Einholen von Spieler- und Mannschaftsinfos über alle möglichen Kanäle vorbereiten.“

Deutsche müssen wieder als Team funktioneren

Der deutschen Elf wird einiges zugetraut – mit Vorbehalten: „Mit Deutschland muss man immer rechnen, aber da schwebt mehr Hoffnung als Realitätssinn mit“, sagt Jürgen Pfetzer. „Ich vermache unserem Team in der schwersten Vorrundengruppe auf dem Papier nicht viel, aber vielleicht kommen sie als Underdog gerade deswegen sehr weit?“ Der Kader versammle gute Einzelspieler, aber als Team hätten sie zuletzt nicht funktioniert: „Wenn Jogi Löw das hinkriegt in der Vorbereitung, ist mit uns zu rechnen.“

Ich fürchte, im Viertelfinale ist Schluss.
Harro Hornung

Harro Hornung sieht in der Vorrundengruppe eine schwere Hürde, die man vielleicht als Zweiter noch überstehen könne: „Aber ich fürchte, im Viertelfinale ist Schluss.“ Der Kader habe ohne Frage Qualität, ein eingespieltes Team sei es aber nicht: „ Die Rückkehrer Hummels und Müller ergänzen das Team gut, allerdings wird ihr Beitrag zum großen Erfolg nicht ausreichen.“

Für Christian Greilach müssen es vom Turnierstart an 100 Prozent der Leistung sein. Sollte die Vorrunde überstanden werden, sei als Turniermannschaft alles möglich, auch wenn die „Leistungen in der letzten Zeit nicht nicht sehr überzeugend waren“. Der Kader sei gut.: „Einige junge, die frischen Wind, aber auch erfahrene Spieler, die Turniererfahrung mitbringen, bilden eine Mischung, die ich für richtig und wichtig halte.“

Bühler Fans haben unterschiedliche Favoriten

Günter Dußmann wäre mit dem Erreichen des Halbfinales zufrieden, schön fände er es, „wenn Frankreich und Deutschland das Finale erreichten.“ Der Kader sei richtig besetzt, „ich wüsste nicht, wen ich sonst nominiert hätte.“ Mit einer Leidenschaft, wie sie die U 21 gezeigt habe, sei vieles möglich – aber nur dann. Und wer ist der große Favorit?

„Von den Namen her müssten unsere französischen Nachbarn wieder ganz vorne landen“, meint Harro Hornung. Auch Günter Dußmann legt sich auf die Franzosen fest, während Jürgen Pfetzer den Kreis um Italien und Belgien erweitert.

Sicherlich werden Frankreich und Spanien eine große Rolle spielen.
Christian Greilach (CDU), Bürgermeister Lichtenau

Christian Greilach hat keinen expliziten Favoriten: „Sicherlich werden Frankreich und Spanien eine große Rolle spielen. Aber auch Belgien, die Niederlande und England muss man auf dem Zettel haben.“ Die deutsche Mannschaft hat er längst noch nicht abgeschrieben: „Wenn unsere Jungs die richtige Dynamik entfalten, traue ich auch ihnen den Titel zu.“ Und sollte es so kommen, darf gesungen werden: „’72, 80, 96, 2021….“

nach oben Zurück zum Seitenanfang