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Sechs Millionen Euro teurer Neubau

Bühler Gemeinderat macht bei Mensa eine Rolle rückwärts

Seit fünf Jahren diskutiert der Bühler Gemeinderat über die Notwendigkeit einer Schülermensa. Mehrfach wurden die Pläne überarbeitet. Eine Bürgerinitiative wollte das Projekt verhindern. Jetzt hat das Kommunalparlament endlich eine Entscheidung gefällt.

Lange umstritten: Die neue Mensa für Realschule und Aloys-Schreiber-Schule ist im Garten des Kinder- und Familienzentrums geplant. Foto: Ulrich Coenen

Die Mensa ist ein Dauerbrenner. Der Gemeinderat hat sich jetzt zum wiederholten Mal mit dem Thema beschäftigt, das im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Campus und dem Architektenwettbewerb bereits seit fünf Jahren auf der Tagesordnung steht.

Das Kommunalparlament hat nun bei einer Gegenstimme und sieben Enthaltungen die Rolle rückwärts beschlossen. Die Mensa soll nun doch ohne den Einbau von zusätzlichen Klassenzimmern im Bereich der Dachterrasse gebaut werden.

Gleichzeitig beauftragte der Gemeinderat auf Antrag von Georg Feuerer (CDU) die Verwaltung, zu prüfen, ob die für die Einrichtung des Ganztagsbetriebs in der Realschule nötigen Betreuungsräume in die Mediathek verlagert werden können. Dann könnte die Stadt auf den geplanten Pavillon an der Südseite der Realschule verzichten.

Um die aktuelle Entwicklung zu verstehen, muss man einige Jahre zurückblicken. Der Gemeinderat hat am 6. Juli 2016 den zweistufigen Architektenwettbewerb für das Kultur- und Bildungsquartier Campus beschlossen, das durch Bürgerhaus, Aloys-Schreiber-Schule, Realschule und Mediathek geprägt wird.

Im Mittelpunkt des Wettbewerbs stand neben städtebaulichen Verbesserungen vor allem der Bau einer Schülermensa. Die entscheidende Sitzung des Preisgerichts fand am 31. Mai 2017 statt. Plan 7 Architekten (Stuttgart) siegten im Wettbewerb.

Eingeschossiger Pavillon geplant

Es waren vor allem die hochbaulichen Komponenten des Siegerentwurfs, die überzeugen. Die Stuttgarter Architekten fügen das von der Stadt geforderte Raumprogramm in Form von drei neuen Baukörpern ebenso intelligent wie behutsam ins Stadtbild ein.

Westlich des Kinder- und Familienzentrums soll in dessen Garten ein Neubau für Mensa und Schülercafé entstehen. Ein eingeschossiger Pavillon mit zusätzlichen Räumen für die Realschule wurde südlich des Schulgebäudes geplant. Der dritte Hochbau war ein Multifunktionsgebäude auf dem Schulhof der Aloys-Schreiber-Schule mit Sporthalle im Erdgeschoss und Klassenräumen im Obergeschoss.

Es kommen auch wieder finanziell bessere Zeiten.
Peter Hirn, Gemeinderat

Ein Jahr später war das Wettbewerbsergebnis Makulatur. Ulrike Beckmann-Morgenstern (Plan 7 Architekten), stellte dem Gemeinderat am 16. Mai 2018 das neue Konzept für die Mensa vor. Statt eines eleganten eingeschossigen Pavillons sollte dort nun ein großer dreigeschossiger Kubus entstehen, der neben Mensa und Schülercafé in den Obergeschossen vier Klassenräume und zwei Lernateliers aufnehmen soll.

Öffentlichkeit völlig überrascht

Die Öffentlichkeit wurde völlig überrascht. Der zuständige Fachbereichsleiter im Rathaus, Klaus Dürk, wies darauf hin, dass die Stadt hinter dem 2015 beschlossenen Schulraumprogramm herhinke und dringender Bedarf für weitere Klassenräume bestehe.

Der im Vergleich zum Pavillon deutlich größere Neubau gefiel nicht jedem. Es gründete sich eine Bürgerinitiative, die das Projekt verhindern wollte. Dann explodierten die Kosten von vier auf inzwischen 6,46 Millionen Euro. Im November 2019 wollte der Gemeinderat abspecken und statt drei nur noch zwei Geschosse bauen. Die Dachterrasse und der breite Korridor sollten für Klassenzimmer geopfert werden. Auch dagegen regte sich Widerstand.

Am 12. Februar 2020 fasste der Gemeinderat schließlich den Grundsatzbeschluss für die dreigeschossige Mensa. In der chaotischen Sitzung kristallisierte sich der Wunsch für zwei zusätzliche Klassenzimmer im Bereich der Dachterrasse heraus. Die Klassenräume würden zusätzliche 600.000 Euro kosten, die statischen Voraussetzungen 150.000 Euro.

Schulleiter sehen pädagogisches Konzept gefährdet

Die Schulleiter der Aloys-Schreiber-Schule und der Realschule haben sich klar gegen den Einbau von zusätzlichen Klassenzimmern auf Kosten der Dachterrasse ausgesprochen. Sie sehen dadurch ihr pädagogisches Konzept gefährdet, weil eine Schule heute nicht mehr allein Lern-, sondern auch Lebensraum sei. Oberbürgermeister Hubert Schnurr warnte bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Sitzung davor, den gelungenen Entwurf durch Einbauten zu konterkarieren.

„Die Mensa ist unstrittig notwendig für den Ganztagsbetrieb“, erklärte Georg Feuerer. Johannes Moosheimer (FW) hatte die Kosten für die beiden zusätzlichen Klassenräume auf das Gesamtprojekt umgelegt und fand: „Das ist fast ein Schnäppchen. Dann haben wir noch Reserven.“

Walter Seifermann (GAL) sprach von einem sehr teuren Bau, „den wir uns eigentlich nicht leisten können“. Schulen seien aber eine Pflichtaufgabe der Stadt. Peter Hirn (SPD) berichtete, die Wünsche der Schulleiter seien für die Entscheidung der SPD ausschlaggebend. „Die Mensa hat Priorität“, meinte er. „Es kommen auch wieder finanziell bessere Zeiten.“ Lutz Jäckel (FDP) sah das ähnlich. Das pädagogische Konzept sei wichtig, die Schule sei längst auch Lebensraum in der Freizeit.

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