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Unverbindlicher „Tag der offenen Tür”

Bühler Tafel will auch Rentner und Niedrigverdiener ansprechen

Der Tafelladen möchte mit einer neuen Aktion Kunden gewinnen, die einkaufsberechtigt wären, aber sich bislang nicht trauen, in den Laden zu gehen.

Im Tafelladen in der Bühlertalstraße 6 herrscht wieder Regelbetrieb. Natürlich gilt Maskenpflicht, zudem stehen jetzt mehrere Einkaufswagen zur Verfügung. Foto: Katrin König-Derki

Von Katrin König

Sandra Hüsges und Renate Anselm vom Vorstand der „Bühler Tafel“ sind überzeugt: Obschon der Tafelladen in der Bühlertalstraße gut frequentiert ist, gibt es in der Region deutlich mehr Menschen, die hier einkaufen dürften, es aber nicht tun - sei es, da sie die Abläufe nicht kennen, sei es aus Stolz oder weil ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie einkaufsberechtigt wären.

Nicht nur im Zuge von Corona, sagt die erste Vorsitzende Hüsges, lebten Bürger am Rande des Existenzminimums: „Manche beziehen zwar kein Geld vom Jobcenter, haben aber ein geringes Einkommen oder eine niedrige Rente. Wenn sie das Geld, das ihnen über Miete, Nebenkosten und sonstige Fixkosten hinaus noch bleibt, nur für Lebensmittel ausgeben, sind sie von der sozialen Teilhabe ausgeschlossen, gehen nicht ins Kino, nicht ins Freibad, vielleicht nicht einmal ins Café.“

Sehr schade, befindet Anselm. „Es ist schließlich keine Schande, im Tafelladen einzukaufen. Es ist eine Schande, dass Menschen mit so wenig Geld auskommen müssen.“ Die Preise im Laden seien günstig - sie betragen rund 20 Prozent des üblichen Marktpreises -, zugleich retteten die Kunden die Produkte vor der Vernichtung, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

Immer wieder spezielle Angebote wie etwa Thunfisch

„Es geht nicht um Almosen vom Staat“, betont sie. „Sicher haben wir nicht alle erdenklichen Produkte vorrätig und können uns nicht mit großen Supermarktketten vergleichen. Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Brot, Milchprodukte, Obst und Gemüse stehen aber immer zur Verfügung.“ Hüsges weist auf unzählige Thunfischdosen: Solche speziellen Angebote ergäben sich oft, erzählt sie, auch Kosmetika oder Hygieneprodukte betreffend. Und: „Unsere Produkte sind absolut in Ordnung. Alle anderen sortieren wir vorab aus.“

An einem „Tag der offenen Tür“ am kommenden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr möchte das Vorstandsteam nun potenziellen Kunden ermöglichen, sich unverbindlich und „ohne jeden amtlichen Bescheid“ im Laden umzuschauen, sich informieren und beraten zu lassen und zu entscheiden, ob die Beantragung eines Ausweises nicht doch für sie infrage komme.

„Unsere Sätze“, betont Anselm, „sind anders als beim Jobcenter, wir sind sehr großzügig“. Exemplarisch rechnet sie vor, dass die Tafel den Grundbedarf bei 520 Euro ansetze, „plus Kaltmiete und Nebenkosten landet man da schnell bei 900 Euro“. Diese Summe werde gegen Gehalt respektive Rente aufgerechnet.

Lieber bei der Tafel einkaufen als im hohen Alter putzen zu gehen

Vielfach sei es gar keine Frage, dass jemand - trotz anfänglicher Skepsis - einen Ausweis für den Laden erhalte. „Und wenn eine Seniorin putzen geht, um ihre Rente aufzubessern - solche Fälle kenne ich -, denke ich schon, dass der Einkauf bei uns für sie die bessere, lebenswertere Alternative wäre.“

Hüsges ruft BNN-Leser auf, Menschen, die ihres Wissens nach mit wenig Geld auskommen müssen, auf den „Tag der offenen Tür“ hinzuweisen oder sie sogar dorthin zu begleiten. Beratung und Anmeldung erfolgten ansonsten im Büro in der Fridolin-Stiegler-Straße 11, mittwochs von 14 bis 16 Uhr im zweiwöchigen Rhythmus (am 26. August ist das nächste Mal geöffnet).

Ladenleiterin Renate Schneider, erzählt Hüsges abschließend, habe noch eine weitere Idee, um für die Tafel zu werben: „Sie hat Kontakt mit umliegenden Kommunen aufgenommen, damit wir dort regelmäßig Beratungsgespräche anbieten. Der Vorschlag wurde positiv aufgenommen, ich denke, dass wir nach den Ferien in die Umsetzung gehen.“ Stillstand kennt das Team der Bühler Tafel wohl nicht - auch nicht im Hochsommer.

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