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Kampf gegen die Pandemie

Der Aufsichtsratschef von Pfizer stammt aus Bühlertal - und gibt Einblick in die Entwicklung des Corona-Impfstoffs

Jürgen Braun aus Bühlertal ist Aufsichtsratschef von Pfizer Deutschland. In dieser Funktion hat er die Entwicklung des Corona-Impfstoffs, den Pfizer gemeinsam mit Biontech herstellt, miterlebt. Braun gibt Einblick in das Geschehen der vergangenen Monate.

Der aus Bühlertal stammende Jürgen Braun, Aufsichtsratsvorsitzender der Pfizer Deutschland GmbH, hat die Entwicklung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer hinter den Kulissen selbst miterlebt. Foto: Gerold Hammes

Diese Spritze ist den bisherigen Erfahrungen zufolge einfach Spitze. Die Hoffnung des überwiegenden Teils der Bundesbürger im Kampf und bei der Immunisierung gegen das Coronavirus und seine Mutanten verknüpft sich unter anderem mit dem Impfstoff der beiden börsennotierten Pharmahersteller Biontech und Pfizer.

Letzterer hatte seinen Deutschland-Sitz viele Jahre in Karlsruhe, bevor die Zentrale 2008 nach Berlin übersiedelte. Die DNA-Spur eines der führenden Managers führt allerdings mitten ins Herz Mittelbadens. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Pfizer Deutschland GmbH heißt Jürgen Braun, geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Bühlertal.

Produkt einer langen Zusammenarbeit

Um falschen Hoffnungen vorzubeugen: Eine Kontaktaufnahme mit dem zuvor als Pfizer-Geschäftsführer tätigen Braun, um eine Impfung vielleicht früher als laut Prioritätenplan zu bekommen, ist zwecklos. Selbst Braun weiß nicht so genau, wann er an der Impf-Reihe ist, „denn das Unternehmen hält sich strikt an die Impfprioritäten der Bundesregierung“.

Nur eines weiß er: Der Biontech/Pfizer-Impfstoff ist hoch wirksam und in Deutschland das am stärksten nachgefragte Serum. Es ist das Produkt einer langen Zusammenarbeit auf verschiedenen Forschungsfeldern mit dem seit 2008 in Mainz ansässigen Biotechnologieunternehmen Biontech.

Jürgen Braun konkretisiert die gemeinsame Schwerpunkt-Technologieplattform: mRNA. Die vier Buchstaben stehen für Boten-Ribonukleinsäure, die Botenstoffe, die die genetischen Informationen für den Aufbau eines Proteins tragen. Und Braun hat ein weiteres, wissenschaftlich historisches Datum gespeichert: den 10. Januar 2020.

Der mRNA-Technologie gehört zweifelsohne die Zukunft.
Jürgen Braun, Aufsichtsratschef Pfizer Deutschland

An jenem Tag wurde das Erbgut des Coronavirus entschlüsselt. Von diesem Zeitpunkt an sei die „Grundlage für die Impfstoff-Entwicklung auf der Grundlage der mRNA-Technologie geschaffen worden“. Damit sei überhaupt erstmals in der Geschichte ein Impfstoff mit diesem Verfahren hergestellt worden.

Viel Tempo statt jahrelange Tests

„Normal“, so der Pfizer Deutschland-Aufsichtsratschef, sei ein „jahrelanger Prozess mit vielen klinischen Studien und hohem Personaleinsatz“. Im vorliegenden Fall - mit global exorbitant steigenden Infektionszahlen sowie dramatischen Todesfällen - sei aber zupackendes Handeln bei kürzesten Fristsetzungen sowie Arbeit rund um die Uhr an der Tagesordnung gewesen. So wie in Marburg, wo Pfizer im dortigen Technologiepark innerhalb weniger Monate eine Produktionsanlage in Betrieb nehmen konnte. Die Biontech-Anlage steht in Mainz.

Die in Amsterdam angesiedelte Europäische Arzneimittel-Agentur EMA (European Medicines Agency) sieht vor der Zulassung drei Verfahrensschritte vor: Auf die Prüfung von Verträglichkeit und Nebenwirkungen folgt eine Wirksamkeitsprüfung bei unterschiedlicher Dosierung. Sind diese beiden Tests bestanden, folgt die letzte Phase: Ein Test mit 43.000 freiwilligen Probanden, die je zur Hälfte den Impfstoff beziehungsweise ein Placebo gespritzt bekommen.

Erst Ende Dezember, erinnert sich Braun, erteilte die EMA für Biontech/Pfizer die Zulassung. Doch schon lange vor diesem Datum hatten andere Länder den Impfstoff geordert. Vor allem weil das Risiko überschaubar gewesen sei. Die ersten Teststufen verliefen laut Braun allesamt erfolgreich, und selbst bei einem Scheitern wäre das Geld bei den vielen versprochenen beziehungsweise ausbezahlten Milliarden-Hilfen noch überschaubar gewesen. Auf der mRNA-Technologie baut aktuell nur noch der Impfstoff von Moderna (USA) auf.

Bestellungen deutlich erhöht

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff hat sich inzwischen millionenfach bewährt. Vor diesem Hintergrund haben die EU und Deutschland ihre Bestellungen deutlich erhöht. Allein für Deutschland sind im zweiten Quartal 40 Millionen und im dritten Quartal 35 Millionen Impfdosen eingeplant, so Braun. „Jetzt ist es ganz wichtig, die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu steigern. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten – denn der beste Impfstoff hilft nicht, wenn er nicht eingesetzt wird“, macht Braun deutlich. Wichtig sei auch, die Impfungen so zu organisieren, dass schnell große Teile der Bevölkerung versorgt werden könnten.

Allein Pfizer bringt momentan mehrere Millionen Impfdosen pro Woche für Europa auf den Markt, berichtet Braun. Weil die Produktion von Null hochgefahren werden musste, sei dies produktionstechnisch wie logistisch eine „hoch komplexe Sache und pharmazeutisch eine der größten Herausforderungen“. Außerdem sei man auf spezialisierte Zulieferfirmen angewiesen, die Teilprozesse übernehmen oder bestimmte Materialien liefern.

„Der mRNA-Technologie gehört zweifelsohne die Zukunft. Das Coronavirus gab hierfür Impulse, um auch andere Viren zu bekämpfen“, ist Braun überzeugt. „Ich erwarte spürbare Fortschritte, vor allem auch in der Krebstherapie, wo der Einsatz dieser Plattform bei vielen unterschiedlichen Tumoren untersucht wird.“

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