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Auch der Vorgarten ist geschmückt

Dieter Gräf dekoriert sein Fahrrad je nach Anlass neu – aktuell mit zwei Christbäumen

Es ist ein trister und regnerischer Sonntagnachmittag, doch bei Dieter Gräf leuchten die Farben mit seiner fröhlichen Miene um die Wette. Sein heiteres Gemüt ist schon im Vorgarten des Hauses im Kirchweg zu erahnen, in dem er mit einem weiteren Mitglied der Lebenshilfe wohnt: Er hat dort ein Sammelsurium aus Nikoläusen, Sternen und Schneemännern vereint.

Nicht zu übersehen: Als Radfahrer erlangte Dieter Gräf regionale Berühmtheit. Bühlertäler kennen ihn auch aufgrund der farbenfrohen Dekorationen seines Vorgartens. Foto: Katrin König-Derki

Aber mehr noch als sein je nach Anlass unterschiedlich dekorierter Vorgarten hat Dieter Gräf, wie man ihn weithin kennt, ein anderes Hobby geradezu berühmt gemacht: Sein Fahrrad, mit dem er oft unterwegs ist, zählt schon fast zur Kategorie „Kunstwerk“. Seine Fantasie kennt mit Blick auf dessen Dekoration keine Grenzen. Derzeit hat er zwei Christbäume samt Beleuchtung vor den Lenker und auf den Sattel montiert.

Und nicht nur das: Auch seine Turnschuhe und sein Weihnachtspulli blinken beim Fahren. Man sah Gräf und Rad aber auch schon im Fan-Outfit des SV Oberachern oder knallbunt verkleidet, denn der Fasching gehört zu Gräfs liebsten Zeiten im Jahr, auch wenn er „irgendwie alle toll“ findet, wie er sagt. Für das ABB-Gespräch hat er Cappuccino gemacht, auf und neben dem Tisch stehen Adventskerzen, in der Ecke ein kleiner Christbaum. Die Wände der Küche sind gespickt mit Fotos, Grußkarten und Plakaten.

Gräf kam mit vier Jahren ins Kinderheim „Haus Mecki“. Dort wohnte er nicht nur, er machte sich auch gerne nützlich und wurde später vom Heim beschäftigt. Obwohl er die Mooslandschule Ottersweier besuchte, lernte er aufgrund seiner Behinderung nie Lesen und Schreiben. Er hat nun einen Versuch unternommen, das nachzuholen.

Ich transportierte alles mit meinem Rad.
Dieter Gräf

Andere Dinge wie handwerkliche Fertigkeiten hat er sich hingegen selbst beigebracht. „Auch das Mundharmonikaspiel.“ Das erwähnt er nicht zufällig: Für den Dreh des digitalen Nikolausmarktes, den die regionale Lebenshilfe jüngst online gestellt hat, fuhr er mit Rad und Mundharmonika in den Saal ein. Doch zurück zu Gräfs Vita: Als das Haus Mecki 2013 schloss, bewältigte er den Umzug in die neue Wohnung fast ganz alleine. „Ich transportierte alles mit meinem Rad.“ Seither ist er Mitarbeiter der Werkstätten der Lebenshilfe in Sinzheim und dort „sehr glücklich“.

Gräf ruht nie – er ist quasi überall

Dem knapp 40-Jährigen fällt stets etwas Neues ein, was er bauen könnte. „Das kommt alles einfach so aus meinem Kopf“, sagt er. Überhaupt mag Gräf es, aktiv zu sein: Ob er ehrenamtlich beim Heckenfest in Bühlertal, bei der Fastnacht in Bühl und Umgebung oder bei anderen Veranstaltungen der Lebenshilfe und örtlicher Vereine mithilft, Freunde oder seine frühere Lehrerin besucht, die ganze Wohnung umräumt und neu schmückt – Gräf ist ein Mensch, der nie ruht und überall und nirgends anzutreffen ist. Nun ja, eher überall.

Begeistert erzählt er auch von Lebenshilfe-Ausflügen. Im diesjährigen Katalog, den er eifrig hervorkramt, hat er etwa Disko, Europabad und Weihnachtszirkus markiert. „Das fällt aber wegen Corona aus.“ An die Ostsee werde er im Sommer hoffentlich fahren können. „Dort war ich noch nie. In Portugal und Spanien schon, beim Fußballcamp. Ich war der Torwart: Der Ball kommt vor meine Füße gerollt, und zack!“ Er lacht laut auf und läuft kurz in sein Schlafzimmer, um auch noch einen ABB-Artikel über den Goldpokal zu holen, den sein Team seinerzeit gewann.

Und dann wirft er sich in sein Rad-Outfit. Ein Pressefoto muss sein.

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