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Chemikalie im Gewässer

Fischsterben: Bei Arbeiten am Schwimmbad Bühlertal gelangt Ammoniak in Bühlot

Ammoniak in der Bühlot verursachte ein größeres Fischsterben. Die Chemikalie war offenbar bei Arbeiten einer Fachfirma am Bühlertäler Schwimmbad in das Gewässer gelangt. Teilweise ereilte der Tod auch stattliche Forellen, nun ermittelt die Polizei.

Eimerweise tote Fische: Rund 200 Kilogramm der Wasserbewohner verendeten dieser Tage in der Bühlot wegen eines Chemikalieneintrags. Foto: Feuerwehr Bühl

„Das trifft mich brutal“: Für Gotthard Brennsteiner brach dieser Tage eine Welt zusammen. Der Fischpächter und Angler aus Leidenschaft hegte 16 Jahre lang mit Hingabe Forellen und andere Fische in der Bühlot in Bühlertal. Nun wurde seine engagierte Arbeit mit einem Schlag vernichtet.

Weil beim Arbeiten an einem Ammoniak-Tank im Bühlertäler Schwimmbad Ammoniak in die angrenzende Bühlot kam, verendeten rund 200 Kilogramm Fische. „Als ich die Fische gesehen habe und mir die Kiemen angeschaut habe, wusste ich gleich, die sind alle qualvoll erstickt.“ Es sind die traurigen Überreste eines Lebenswerks.

„Ich wohne direkt am Bach, das ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt Brennsteiner, der in Rastatt einen großen Angelfachmarkt betreibt. Über Jahre hinweg setzte er immer mehr Fische ein, als rausgeholt wurden. So schuf er eine einzigartige Fauna mit stattlichen Altfischen und Jungtieren.

Fischsterben wird in sozialen Netzwerken heiß diskutiert

In den sozialen Netzwerken ist das Fischsterben ein heiß diskutiertes Thema. Ein Mitglied der Facebook-Gruppe Bühl-Bühlertal-Umgebung hat Bilder eingestellt und fragt: „Wieso ist der Bach voll mit toten Fischen?“ Ein Diskussionsteilnehmer, der wohl nicht mit Klarnamen auftritt, spekuliert: „Jemand hat sie wieder vergiftet.“ Der Unfall mit dem vor Tagen in den Bach gefallenen Bagger wird angerissen. Ein weiteres Mitglied rät, nicht wild zu spekulieren und sich richtig zu informieren.

Bürgermeister Hans-Peter Braun berichtet dieser Zeitungsredaktion, dass die Gemeinde Bühlertal eine Fachfirma beauftragt hatte, um im Schwimmbad Ammoniak aus einem Tank zu entsorgen. „Es geht mir nicht um Schuldzuweisen“, sagt der Rathauschef. Fakt sei aber, vom Bühlot-Bad abwärts bis etwa in Höhe des Hotel-Restaurants Adler im Untertal seien die Fische verendet beziehungsweise tote Wasserbewohner gesichtet worden.

Vor Ort war die Feuerwehr Bühlertal mit 15 Personen und drei Fahrzeugen, dazu die Polizei und das Umweltamt des Landkreises Rastatt. „Die Fachbehörden haben einige Fische mitgenommen, die nun untersucht werden“, so Braun weiter. Beim Polizeipräsidium Offenburg bestätigt ein Sprecher den Unfall. Es war wohl eine unglückliche Einschätzung eines Mitarbeiters: Der habe Schläuche mit Wasser gespült.

Tod in der Bühlot: Die Fische erstickten jämmerlich. Foto: Feuerwehr Bühl

Ermittler der Polizei geht nicht von Vorsatz aus

Das Wasser samt dem darin enthaltenen Ammoniak, laut Polizei „eine geringe Menge“, sei dann über einen Ablauf unmittelbar in die Bühlot gelangt. Der Firmenmitarbeiter sei davon ausgegangen, dass das Gemisch über den Gully in den Schmutzwasserkanal gelangen würde.

Das habe der Verursacher glaubhaft versichert, insofern gingen die Ermittler vom Fachbereich Gewerbe/Umwelt der Polizei nicht von Vorsatz aus. Die toten Fische riefen auch die Freiwillige Feuerwehr Bühl auf den Plan, berichtet Kommandant Günter Dußmann. Von der Bühler Wehr waren fünf Personen mit zwei Fahrzeugen im Einsatz, um die erstickten Wasserbewohner einzusammeln.

„Da waren teilweise stattliche Forellen mit 30 bis 40 Zentimeter Länge dabei“, berichtet der Feuerwehrchef. Fischpächter Brennsteiner ist immer noch sichtlich geschockt. „Ich bin ja auch nicht mehr der Allerjüngste“, sagt er angesichts der Zeit, die der Aufbau einer neuen, facettenreichen Fischpopulation benötigt.

Zudem werde der Neuanfang auch deshalb schwierig, weil die Kleinlebewesen, die den Fischen als Nahrung dienen, ebenfalls verendet sind. Brennsteiner hofft nun, dass vielleicht ein paar größere Fische aus Oberlauf der Bühlot zuwandern. Und er plant schon eine Aktion: Ein Neubesatz mit tatkräftiger Unterstützung von Politprominenz im kommenden Jahr.

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