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Tour mit Schwarzwald-Guide

Als rund um den Schartenberg in Bühlertal Hexen tanzten

Beim Hexentanz am Schartenberg in Bühlertal lernten die Teilnehmer Wissenswertes über Hexen in der Region. Angebliche Hexen wurden in Baden früher grausam gefoltert und hingerichtet.

Vor großer Kulisse: Schwarzwald-Guide Simone Braun präsentierte sich in Hexen-Montur beim spannenden Hexentanz rund um den Schartenberg in Bühlertal. Foto: Jörg Seiler

Fußball hat auch bisweilen etwas mit Hexerei zu tun. Wissen wir seit Wembley 1966. Aber um Fußball im Allgemeinen und die gerade laufende Europameisterschaft im Besonderen ging es an diesem tropisch-warmen Samstagabend am Schartenberg in Bühlertal erst einmal nicht.

Erst einmal! Denn natürlich regierte König Fußball bei der spannenden Veranstaltung des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord mit dem vielversprechenden Titel „Hexentanz am Schartenberg“ dem Fortschreiten von Wanderung und EM-Spiel immer mehr mit.

Und dass der Reporter Hahn im Korb ist, wie Schwarzwald-Guide Simone Braun lachend im Vorfeld am Telefon verkündete, traf denn auch nicht so ganz zu.

Nein, nicht alle Männer saßen vor der Glotze, löschten sich den physischen Durst mit kühler Gerstenkaltschale, während die holde Weiblichkeit beim „Hexentanz rund um den Schartenberg“ ihren heimatgeschichtlichen Wissensdurst stillte.

Hubert Oberle (als Begleiter seiner Ehefrau) und Simone Brauns Schwarzwald-Guide-Kollege Karl Keller ließen den Männeranteil in der 15-köpfigen Gruppe deutlich steigen.

Und ein bisschen Fußball sollte es gleich mal zum Auftakt sein – auch wenn eine Teilnehmerin kategorisch erklärte, sie interessiere sich überhaupt nicht für diese Sportart.

Herr Oberle aus Neusatz, seines Zeichens Mitglied des ehrwürdigen Bühler Stadtrats, äußerte beim noch zaghaften Fußball-Geplauder am Beginn der spannenden, lehrreichen und bisweilen schweißtreibenden Tour einen zu diesem Zeitpunkt in seiner Tragweite noch nicht abzuschätzenden Satz: „Ronaldo darf gern ein Tor machen, wenn die deutsche Mannschaft drei schießt.“

War damit der Bann des portugiesischen Star-Ensembles um seinen Hexenmeister, den Weltfußballer Cristiano Ronaldo, schon gebrochen? Die Gegner der Noch-Jogi-Jungs in der Münchener Allianz Arena gar verhext? Wer weiß.

Am Schartenberg sollen jedenfalls die Hexen getanzt haben, berichtet die Expertin, die sich mit Unterstützung des Stadtgeschichtlichen Instituts in Bühl intensiv in die mythische Materie, in die graue Vorzeit, auch in eine Ära des Schreckens eingearbeitet hat.

Und während die 15-köpfige, bestens gelaunte Gruppe der Hitze trotzte, sich an dem ein oder anderen leicht kühlenden Lüftchen labend, immer tiefer in den Wald und das Thema Hexen eindrang, hexten in München erst mal die Portugiesen.

Superstar Ronaldo traf in Minute 15 zum 1:0. Sollte da etwa? Hexerei? Herr Oberle? So wie später in den Märchen und den Ansichten der Kirche vor allem im 17. Jahrhundert war es am Anfang übrigens nicht mit den Hexen.

Wieso Hexen Hexen heißen

Denn bei diesen irgendwann so Bescholtenen handelt(e) es sich um weise, heilkundige Frauen. Die waren wichtig in den Dorfgemeinschaften, saßen oft in Hecken oder im Gebüsch und sammelten dort geeignete Pflanzen, um daraus Arznei herzustellen.

Und weil die Frauen (Zussa) in der Hecke (Haga) saßen, entstand daraus im Althochdeutschen das Wort Hagazussa, später verballhornt als Hexe. So erläuterte Simone Braun das Wort etymologisch.

Immer weiter ging es zur Gipfelhütte des Schartenbergs. Zwischenstation am Hexenbrunnen, gelegen an einem verwunschenen Pfad.

Bis zu 400 angebliche Hexen in Baden umgebracht

Während die unterhaltsame Schwarzwaldführerin erläuterte, wie die Hexenjagd entstand, die -prozesse und die dazu erschienene Gebrauchsanleitung „Hexenhammer“ aus der Feder des Dominikanermönchs und selbst ernannten Inquisitors Heinrich Kramer und seines Mitautors Jakob Sprenger von 1486, schien der Hexenbann in die portugiesischen Kickerbeine zu fahren.

Eigentor Ruben Dias (35.) und vier Minuten später Eigentor Raphael Guerreiro. Deutschland nun vorn, und Karl Keller lüftete das Geheimnis seiner Vitalität. Hexenbrunnen-Wasser. Jeden Tag ein Glas davon, seit 1683, sagt er lachend.

Am Hexenbrunnen: Still und versteckt liegt dieser magische Ort im Wald am Schartenberg. Simone Braun konnte auch dort viel Wissenswertes vermitteln. Foto: Jörg Seiler

Die Zahl der Opfer der Hexenprozesse in der Markgrafschaft Baden, die Geständnisse, die mit grausamer Folter (wie es geht haben die Herren Dominikanermönche aufgeschrieben und dank der Druckkunst des Johannes Gutenberg in üppiger Zahl verbreiten können) erpresst wurden, machen indes traurig.

In Baden waren es, so berief sich Simone Braun auf Quellen, 350 bis 400 Frauen (und auch Männer), die umgebracht wurden; verstärkt, wenn die Herrscher Pfeifen waren.

Frau in Bühlertal der Hexerei bezichtigt und hingerichtet

Ein Schicksal spielt in Bühlertal. Die Frau hieß Susanna Mayer. Sie wurde der Hexerei bezichtigt, soll auch auf dem Schartenberg zugange gewesen sein.

Ihr Geständnis wurde im Schießhaus in Bühl (das abgerissene Gasthaus Schützen) durch Folter erpresst. Susanna Mayer wurde 1628 mit zehn weiteren Menschen im Bühler Hägenich hingerichtet.

Finale auf dem Schartenberg, bei diesiger Sicht. Trotzdem Rhein-Blick. Innehalten. Die Deutschen haben gewonnen. 4:2. Portugal verkürzte zwar noch, aber Kai Havertz (51.) und Robin Gosens (60.) sorgten für den Sieg. Hexen sind gut, das wissen wir spätestens jetzt.

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