Skip to main content

Schwarzwald Mitte/Nord

Naturpark dient als Motor und Katalysator

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist nach dem Zuwachs von 42.000 Hektar Fläche wieder die Nummer eins der deutschen Einrichtungen dieser Art. Und ab Februar gibt es Neues im Naturpark.

Der Engelsberg in Bühlertal gehört zum Naturpark. Foto: Joachim Gerstner

Eine Portion Stolz darf sein: „Nach der Erweiterung unserer Gebietskulisse sind wir wieder der größte Naturpark in Deutschland“, sagt Karl-Heinz Dunker. In der jüngeren Zeit durfte sich die Südfraktion (Südschwarzwald/394.000 Hektar) mit diesem Titel schmücken. Doch nun hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord wieder die Nase vorn.

Um stolze 46.000 Hektar wächst das Einzugsgebiet des Naturparks mit Verwaltungssitz in Bühlertal auf 420.000 Hektar, also 4.200 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Die beliebte Mittelmeer-Insel Mallorca hat rund 3.600 Quadratkilometer.

Die Stadt Renchen ist dabei neuer Vertreter der badischen Fraktion im Naturpark-Club, ebenso die Karlsruher Stadtteile Durlach, Hohenwettersbach, Stupferich, und Wolfartsweier sowie die Enzkreis-Gemeinde Niefern-Öschelbronn (alle mit ihren Gemarkungsflächen). Dazu kommen Wiederholungstäter wie Muggensturm, Baden-Baden, Sinzheim, Ottersweier, Sasbach und Achern.

Ottersweier ist Gründungsmitglied des Naturparks.

Die Gemeinde Ottersweier, bislang nur mit Hochwald auf der Hundseck vertreten, sieht viele Vorteile, wenn sie weitere Flächen einbringt. „Wir waren Gründungsmitglied“, berichtet Bürgermeister Jürgen Pfetzer (CDU), der auch Vorstandsmitglied im Naturpark ist.

Damals habe der Schwerpunkt auf dem Tourismus gelegen. Ottersweier habe die jüngste Gebietserweiterung mit veranlasst, „weil wir schon vor fünf Jahren den Antrag gestellt haben, mit unserer Vorbergzone bis zur Bahnlinie aufgenommen zu werden“, so Pfetzer und begründet das mit den Chancen, die sich dadurch für die Gemeinde eröffnen.

Allein die Vermarktungsmöglichkeiten für die viehhaltenden Betriebe (Marke „Echt Schwarzwald“), Gastronomie („Naturparkwirte“) und Hofläden sieht er als großes Plus. Für die Saftkelterei Seifermann, die beim Projekt Streuobstbörse des Landkreises Rastatt mitwirke, eröffneten sich ebenfalls neue Horizonte.

Sinzheim gehört ebenfalls zu den Wiederholungstätern. „Es war ein sehr langer Weg, bis wir Gehör gefunden haben“, konstatiert Bürgermeister Erik Ernst (CDU). Die Stabsgemeinde verspricht sich mehrere Vorteile: Professionelles Marketing, durch das sich Sinzheim ebenso präsentieren könne wie die örtlichen Landwirte, eine bessere Vernetzung und nicht zuletzt der Zugang zu neuen Fördertöpfen, so der Rathauschef.

Naturpark? Da kommt dem einen oder anderen gleich der Nationalpark in den Sinn. Klingt erst einmal ähnlich, und einige Nationalparkflächen liegen innerhalb der Gebietskulisse des Naturparks, zudem „arbeiten wir projektbezogen zusammen“, sagt Karl-Heinz Dunker.

Doch es gibt Unterschiede. „Der Nationalpark ist staatlich, der Naturpark ist ein kommunal getragener Verein“, erläutert der Geschäftsführer. Und während der Nationalpark sich das Thema Wildnis auf die Fahnen geschrieben hat, geht es beim Naturpark vor allem um den Schutz der Kulturlandschaften. Da ist das Spektrum in der Region breit.

Sinzheim mit „attraktiver Weinberglandschaft“

Im Fall von Sinzheim lohne es sich, eine „landschaftlich attraktive Weinberglandschaft der Vorbergzone in Sinzheim mit ihrer speziellen Tier- und Pflanzenwelt“ mit in den Naturpark aufzunehmen, in Ottersweier gebe es „wichtige Biotopverbundstrukturen“, ebenso hat Baden-Baden laut der fachlichen Beurteilung diese Strukturen, teilweise mit geschützten Biotopen wie Feldhecken oder Nasswiesen.

Den Ortenau-Kommunen Sasbach, Achern und Renchen attestieren die Experten „zahlreiche Offenland- und Waldbiotope wie Feldhecken, Hohlwege, Nasswiesen, naturnahe Bachabschnitte, Felsbildungen, Trockenmauern und naturnahe Wälder sowie eingestreute magere Flachland-Mähwiesen. Hinzu kommen die großräumigen Obstgärten, die teilweise als Streuobstwiesen ausgebildet sind“.

Der Naturpark hat sich viele Aufgaben auf die Fahnen geschrieben, sieht sich als Motor wie Katalysator. Es geht natürlich um Marketing (Naturparkmärkte als Schaufenster), um Tourismus, um Vernetzung, um Natur- und Landschaftsschutz, vor allem um den Erhalt alter Kulturlandschaften. Und es geht um die Zukunft. Bildung ist dabei ein ganz wichtiges Thema.

Da wollen die Macher vor allem die Generation von morgen, sprich die Kinder mitnehmen – zum Beispiel über ein Kindergarten-Netzwerk. Der Klimaschutz werde zudem eine ganz große Rolle spielen. Schon im Februar beginnt der Naturpark seine Klimakampagne. Regelmäßige Klimaschutztipps für den Alltag bilden einen festen Bestandteil. Für Dunker ist klar: „Der Landwirtschaft kommt eine Schlüsselrolle zu.“ Auch da setzt der Naturpark an.

Dunker freut sich über Gebietszuwachs und lenkt in diesem Zusammenhang den Blick nach Karlsruhe. Die Mitgliedschaft der Fächerstadt sei wichtig, „so können wir dort mit unseren Angeboten und Veranstaltungen präsent sein und erhöhen unsere Reichweite deutlich“. Aktuell erstreckt sich das Hoheitsgebiet das Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord von Karlsruhe bis Ettenheim und vom Oberrheingraben bis an den Neckar. „Von Bühlertal nach Rottweil ist es schon ein Stück“, meint der Geschäftsführer humorvoll über die Entfernungen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang