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BNN-Redakteur in Aktion

Bühls Hausburg fordert von Bikern viel Arbeit

Sportliche Radler bewältigen die gut 30 Kilometer und 600 Höhenmeter von Route eins der Bühler „Radschnitzeljagd” in drei Stunden. Man kann es aber auch gelassener angehen.

Malerische Burg mit einem großen Turm im Vordergrund. Die Ruine erhebt sich aus einem Rebberg, große Bäume flankieren den Turm.
Beeindruckender Anblick: Die Burgruine Altwindeck. Vom südlichen Turm lässt sich ein herrlicher Ausblick über den Schwarzwald und die ganze Rheinebene genießen. Foto: Jörg Seiler

Der Tankwart hat Humor. „Was, Schnitzel?”, fragt der Mann mit Schalk im Nacken, „wir verkaufen hier Benzin!” Da muss auch der ratlose Mountainbiker grinsen, der den Startpunkt der Route eins der „Radschnitzeljagd” in Bühl sucht.

Deren inspirierender Name: Burgen-Schlösser-Mühlen-Tour. Ein Training für Kopf und Kondition gleichermaßen also. Die Herausforderung beginnt an der Tankstelle Jäger, und zwar am dortigen E-Bike-Verleih. Der ist durch ein großes, grünes Schild gekennzeichnet.

Ungleich kleiner und schlechter sichtbar kommt die Hinweistafel für die erste Etappe daher. Dank des schlagfertigen Zeitgenossen von der Tanke findet sie dann auch der Redakteur der südlichsten Bezirksausgabe der BNN bei seiner Selbst-Erfahrung - direkt an der Bushaltestelle.

Angesichts von Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke an einem Werktag überlege ich mir, ob ich mir nicht ein elektrisches Velo aus dem Verleih gönne oder - mit Blick auf den brandenden Feierabendverkehr an einem der Epizentren der Bühler Infrastruktur - gleich in den Biergarten radle.

Route wird über QR-Code aktiviert - oder man kennt sich halt aus

Aber nur kurz, wirklich nur für den Bruchteil einer Sekunde. Ich brülle innerlich „Yes”, zücke das Mobiltelefon und aktiviere am QR-Code die Streckenberechnung im Radrouten-Planer Baden-Württemberg. Klappt problemlos - sofern das elektronische Kommunikationswunder technisch dafür taugt (Kleiner Tipp: Akku voll laden).

4,67 Kilometer, 269 Höhenmeter sagt der Computer, überwiegend auf der Straße. Wenn man auf dem Radroutenplaner Baden-Württemberg Start- und Zielpunkt händisch eingibt, hat die Strecke weitaus mehr Grünanteil. Und wer sich auskennt, fährt von Bühl aus sowieso über Kappelwindeck, das Senftertal, den Klotzberg und den Unteren Jägerweg.

Blick auf den Schwarzwald über Ackerland hinweg. Auf einem der Berge steht ein moderner Fernsehturm.
Hornisgrinde im Blick: Der höchste Gipfel des Nordschwarzwalds mit seinem markanten Fernsehturm ist auf der Etappe von Neusatz nach Lauf zu sehen. Foto: Jörg Seiler

Also los. Erstes Zwischenziel ist die Altwindeck. Die Erbauer der Burg, die Windecker, sollen ja eine streitlustige Sippe gewesen sein. Um Angreifer früh zu erspähen und schon auf dem Anmarsch mürbe zu machen, errichteten sie ihren Wohnsitz etwa um das Jahr 1200 auf einem Bergsporn.

Nun macht der Weg zur Höhenburg mich mürbe. Nach gut der Hälfte der Strecke rinnt mir der Schweiß unter dem Fahrradhelm hervor. Ich male mir aus, wie die Straßburger während ihrer Fehde mit den Windeckern im Jahr 1370 „mit drei Haufen” (Abteilungen) zur Burg gezogen sind, nur um am berühmten Hennegraben zu scheitern.

Schöner Rundblick vom Burgturm bis ins Elsass

Ich bin auch gescheitert. Ich habe meine Wasserflasche vergessen. Prompt denke darüber nach, die Gastronomie auf der Burg zu besuchen. Daraus wird aber nix, denn den Geldbeutel habe ich ebenfalls nicht eingepackt. Ich könnte jetzt noch schnell den südlichen der beiden Türme besteigen und genussvoll in die Rheinebene bis ins benachbarte Elsass blicken, doch die Zeit drängt. Und derzeit ist der der steinerne Koloss auch geschlossen.

Ich will im Limit bleiben, auch wenn es kein Radrennen ist. Rund drei Stunden geben die Planer für die etwa 31 Kilometer an. Der nächste Abschnitt verspricht Spaß. Im schnellen Sinkflug geht es über gerade Mal 2,5 Kilometer am Neusatzer Felsenrain-Sportplatz vorbei zum Schoss Waldsteg, dem Sitz des Bühler Stadtgeschichtlichen Instituts.

Die Wegbeschreibung auf dem Schild ist idiotensicher. Ich verfahr mich an der ersten Weggabelung. Doch der liebe Gott schuf unter vielen Menschen auch liebenswürdige Spaziergänger. Ein Ehepaar schickt mich freundlich auf die richtige Route. Der Mann meint: „Ich bin von do.” Sah ich so zweifelnd aus?

Noch ein paar Kehren, dann stehe ich vor dem ortsbildprägenden und exzellent sanierten Gebäude. Die Baugeschichte des ehemaligen Herrenhauses reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Und weiter geht’s. Das Schloss Aubach in Lauf darf ich nun ansteuern.

Die Schlösser Mittelbadens! Nicht ganz so imposant wie die der Loire, aber von Bühl deutlich besser mit dem Rad zu erreichen und durchaus mit Charme. Der Wein kann locker mithalten. Es ist eine wunderbare Grundlagen-Ausdauer-Piste mit tollem Schwarzwaldblick. Zügig erreiche die einstige Residenz des 2018 verstorbenen Fernsehmoderators Dieter Thomas Heck. Der lebte dort mit seiner Frau von 1986 bis 2009. So sieht gediegenes Wohnen aus.

In Schloss Aubach wohnte einst TV-Legende Dieter-Thomas Heck

Hinter einer blickdichten Hecke rattert ein Rasenmäher. Wenn ich hier um Wasser bitten würde, ich bekäme vermutlich Perrier. Oder eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Kameras beäugen die Einfahrt. Also schnell Tour-Daten sammeln und weiter zur Neuwindeck. Die wurde ebenfalls von den Windeckern erbaut - von dem Clan, der sich um 1300 abspaltete.

124 Höhenmeter gibt das Navi an, zwei Kilometer darf ich bewältigen, die mir ewig in Erinnerung bleiben werden. Ich entdecke einen Brunnen und lösche meinen brennenden Durst. Keine Ahnung, wo das Wasser herkommt. Es war mir in diesem Moment aber auch egal.

Ein Mann steht an einem Mountainbike.
Am Ziel: Redakteur Jörg Seiler vor der Rohrhirschmühle in Altschweier. Foto: Jörg Seiler

Dann pedaliere ich weiter zur Neuwindeck, der Weg ist ein Traum mit Reben und Wald, führt durch malerische Laufer Zinken und ihren heimeligen Häusern. Man muss sie einfach lieben, diese Landschaft! Auch diese Burgruine kann man besichtigen - es lohnt sich.

Doch erneut drängt der Ehrgeiz. Die Königsetappe zur Rohrhirschmühle in Altschweier steht an. Acht Kilometer, etwa 70 Minuten Fahrzeit. Irgendwie obenrum über Neusatz. Ausgerechnet jetzt spinnt der Radroutenplaner. Gottseidank bin ich „von do” und kenne ohne Navi eine Alternative - Lauf, Aspich, Hub, Rittersbach, Kappelwindeck. Wie schnell man doch von Lauf nach Altschweier kommt.

Ein bisschen fühle ich mir wie ein Held - Tour de France, Giro d’Italia, Radschnitzel - als ich auf der fünften und letzten Etappe ausrolle. Fazit: Jederzeit wieder!

Das bestätigte mir auch ein sympathisches Radler-Paar aus Moos, das ich an der Rohrhirschmühle treffe. Sie sind echte Radschnitzel-Profis und begeistert. Nur die Schilder seien manchmal schlecht zu finden, sagt er. Also zumindest für den Startpunkt der Route eins gibt es da den Mann von der Tankstelle, der helfen kann.

Gute Resonanz

Mit der bisherigen Resonanz auf die Radschnitzeljagd ist die Bühler Stadtverwaltung zufrieden, berichtet von vielen positiven Rückmeldungen. Zehn Gewinnspiel-Teilnehmer hätten im Juli alle vier Routen abgefahren und die Lösungswörter in die Online-Maske eingetragen, so Pressesprecher Matthias Buschert. Da der Aktionszeitraum noch bis 13. September dauert, werden seiner Einschätzung nach sicherlich noch viele Radler hinzukommen, gerade, wenn sie die Radschnitzeljagd als „attraktives Ferienangebot” wahrnehmen. Die Erfahrung aus solchen Aktionen zeigt zudem, dass viele Teilnehmer ihre Lösungswörter erst einreichen, sobald sie die für das Gewinnspiel erforderliche Anzahl an Routen abgefahren haben.

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