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Droht nach der Pandemie das Ende der Dorfgemeinschaft?

Corona-Krise: Ortsvorsteher von Bühl-Weitenung fordert mehr Unterstützung für Vereine

Droht den Dorfvereinen nach der Corona-Pandemie das Aus? Daniel Fritz, Ortsvorsteher im Bühler Stadtteil Weitenung, nennt die großen Probleme und fordert Unterstützung durch die Kommune.

Ein Zentrum des Vereinslebens: Die Stadt Bühl investiert mehr als 200.000 Euro in die Rheintalhalle in Weitenung und will das Foyer ab Januar komplett umgestalten. Dort soll ein neuer Raum für Vereine entstehen. Foto: Ulrich Coenen

Das Dorfleben in den Bühler Stadtteilen wird maßgeblich durch das vielfältige Angebot der Vereine geprägt. Die Corona-Pandemie legt deren Aktivitäten weitestgehend lahm. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Ulrich Coenen macht sich der Weitenunger Ortsvorsteher Daniel Fritz (CDU) durchaus Sorgen über die Zukunft.

Daniel Fritz ist Ortsvorsteher in Weitenung. Foto: Ulrich Coenen

Wie ist die Situation ihrer Vereine unter Corona-Bedingungen?
Daniel Fritz

Ich bin nah dran, weil ich in einigen Weitenunger Vereinen aktiv bin oder war. Es geht ihnen noch gut, weil sie finanziell noch gut, aber nicht üppig ausgestattet sind. Aber wie lange noch? In diesem Jahr gibt es keine Veranstaltungen, für nächstes Jahr sind bereits einige abgesagt. Irgendwann schwinden die Reserven. Das beunruhigt mich.

Ist das nur eine finanzielle Frage?
Fritz

Nein! Noch mehr beunruhigt mich, dass es wegen der Pandemie keine Veranstaltungen und keine regelmäßigen Treffen geben kann. Die Frage ist, wie es nach Corona weitergeht. Sind dann vielleicht einige bei den Vereinen bequem geworden und springen eventuell ab? Oder bleiben die Besucher aus? Ich hoffe, dass es in den Vereinen auch nach der Pandemie noch genügend Leute gibt, die bereit sind, sich zu engagieren und dass auch wieder genügend Besucher zu Veranstaltungen kommen.

Wie meinen Sie das konkret?
Fritz

Stellen Sie sich vor, es gäbe zwei Jahre keine Feste und Veranstaltungen. Die Gefahr, dass sich die Besucher und die Organisatoren an diese Situation gewöhnen, besteht durchaus. Plötzlich könnte es dann heißen: Es geht doch auch ohne. Weitenung steht für ein gutes und intaktes Vereinsleben mit vielen Veranstaltungen. Ich bin nach wie vor optimistisch, dass das nach der Pandemie auch so weitergeht. Eine gewisse Sorge um das Dorfleben bleibt aber.

Was heißt das?
Fritz

Letztendlich hängt viel davon ab, wie schnell wir wieder zu einem normalen Vereinsleben zurückkehren können. Ich hoffe sehr, dass schon nächsten Sommer wieder Veranstaltungen unter „Normalbedingungen“ stattfinden können. Allerdings ist auch klar, dass im Jahr 2021 nicht alle geplanten Veranstaltungen stattfinden werden. Das Risiko, viel Geld und Zeit zu investieren, und dann kurzfristig vielleicht doch absagen zu müssen, ist manchen Vereinen dann vielleicht doch zu groß.

Muss die Stadt sich stärker engagieren?
Fritz

Ja, in dieser Situation müssen wir uns schon Gedanken machen, wie die Stadt helfen kann. Ich hoffe, dass es dazu bald eine Initiative gibt. Das ist ein gesamtstädtisches Problem, das wir entschlossen angehen müssen. Wir dürfen die Vereine nicht im Regen stehen lassen und müssen die Vereine moralisch und finanziell unterstützen. Man muss aber einräumen, dass die Stadt ihre Vereine finanziell überdurchschnittlich unterstützt. Für die Zeit nach Corona geht es deshalb auch um Ideen.

Was tut die Stadt bereits jetzt für die Weitenunger Vereine?
Fritz

Die Rheintalhalle wird multifunktionaler. Der Umbau des Foyers für Vereinszwecke soll im Januar beginnen. Dort entsteht ein kleiner Saal, weil die große Halle selbst nur für größere Veranstaltungen geeignet ist. Der neue Raum, in dem je nach Bestuhlung 50 bis 70 Personen Platz finden, kann ins Freie zu einem überdachten Außenbereich geöffnet werden. Die Pläne stehen. Die Kosten liegen bei knapp über 200.000 Euro. Dafür erhalten wir eine Förderung aus dem Leader-Programm. Der neue Raum ist optimal für die Vereine und deren kleinere Veranstaltungen, weil er direkt an die Küche grenzt.

Wie facettenreich sind die Dorfvereine?
Fritz

Die Bandbreite ist sehr groß. Wir haben als größten Verein den Sportverein mit über 700 Mitgliedern mit der Hauptsportart Fußball. Angegliedert sind eine sehr erfolgreiche Tischtennisabteilung und weitere Frauen- und Männergymnastikgruppen. Mit dem Musikverein, dem Gesangverein und dem Kirchenchor sind wir im musischen Bereich bestens aufgestellt. Weitenung ist eine Fastnachtshochburg. Deshalb gibt es auch mehrere Fastnachtsvereine und -gruppierungen. Außerdem gibt es einen erfolgreichen Schachclub und einen Angelsportverein. Der Förderverein Heimatmuseum kümmert sich um die Bewahrung der Dorfgeschichte. Der Obst- und Gartenbauverein ist ein wichtiger Partner bei Ortsverschönerungsmaßnahmen. Der Kulturkreis Weitenung hat schon viele, vor allem auch soziale Projekte auf den Weg gebracht. Last but not least haben wir eine sehr engagierte Feuerwehrabteilung.

Gibt es weitere Aktivitäten im Dorf?
Fritz

Das vielfältige Angebot wird ergänzt durch einige interessante Veranstaltungen und Vorträge im Bürger- und Kommunikationszentrum (BuK) unter der Federführung eines eigens aus einem Bürgerrat hervorgegangenen Teams, das auch jedes Jahr die große Open Air Kino Veranstaltung bei der Rheintalhalle durchführt. Auch eine sehr aktive Seniorengemeinschaft bietet regelmäßige Treffs an. Nicht zu vergessen sind die Veranstaltungen unserer Grundschule mit ihrem Förderverein und der beiden Kindergärten. Das Weitenunger Vereinsleben zeichnet sich durch einen starken Zusammenhalt aller Vereine und Gruppierungen aus. Deshalb bin ich auch trotz manch berechtigter Sorge zuversichtlich, dass die Vereine nach der Corona-Pandemie wieder volle Fahrt aufnehmen und umso stärker aus der Krise hervorgehen.

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