Skip to main content

Günter Spallek

Der legendäre Gastgeber der Bühlerhöhe ist gestorben

Die Bühlerhöhe war sein Leben, er selbst im Hotelgewerbe eine Legende. Jetzt ist Günter Spallek im Alter von 85 Jahren gestorben. Spallek arbeitete fast ein halbes Jahrhundert (insgesamt waren es 46 Jahre) im Schlosshotel, das ebenfalls eine Legende ist.

Das Schlosshotel Bühlerhöhe war ein halbes Jahrhundert lang die berufliche Heimat von Empfangsdirektor Günter Spallek. Jetzt ist der Wahl-Sinzheimer gestorben. Foto: Ulrich Coenen

Spallek gehört zur Bühlerhöhe wie der Architekt Wilhelm Kreis oder die Bauherrin Hertha Isenbarth und war der mit großem Abstand dienstälteste Mitarbeiter. Wenn es nach Spallek gegangen wäre, hätte er die 50 Jahre voll gemacht.

Dass das Schlosshotel an der Schwarzwaldhochstraße 2010 geschlossen wurde, war für den Wahl-Sinzheimer ein Alptraum. „Ich gehe mit großer Wehmut“, sagte er damals im Gespräch mit dieser Redaktion.

Der perfekte Gastgeber weit über die Rente hinaus

Als Vollzeitkraft ging Spallek mit 65 ganz normal in den Ruhestand. Sein damaliger Chef Horst Jüntgen überredete ihn aber zu bleiben. Während andere Rentner sich ihren Hobbys widmen, blieb Spallek seinem Arbeitgeber als Teilzeitkraft erhalten und organisierte das Kulturprogramm. Dabei war er immer der Inbegriff des perfekten Gastgebers, der sich aber nicht nur um die Hotelgäste bemühte. Spallek hat ganze Generationen von Hoteliers ausgebildet.

Günter Spallek Foto: None

Dass Günter Spallek sein berufliches Leben einmal an der Schwarzwaldhochstraße beenden würde, wurde ihm nicht an der Wiege gesungen. Die stand im oberschlesischen Oppeln, wo er am 6. Juli 1934 als Sohn eines Reichsbahnbeamten das Licht der Welt erblickte. 1945 floh die Familie in Richtung Westen.

Lehr- und Wanderjahre in halb Europa

Spalleks Lehr- und Wanderjahre als Hotelier führten ihn durch halb Europa. 1953 begann er im Parkhotel in Badenweiler seine Ausbildung zum Hotelkaufmann. Mit dem Zeugnis in der Tasche ging es 1956 richtig los. „Mein Ziel war die klassische Hotellaufbahn“, sagte er. Und die geht natürlich über die Schweiz. Weil dort hauptsächlich Wintersport angesagt ist, fand Spallek Zeit, im Sommer im Savoy in London zu arbeiten. Gleichzeitig absolvierte er einen Sprachkurs an der Universität Cambridge.

1957 wechselte er ins Hotel Louvois nach Paris. Zurück in der Heimat trat Spallek in die Dienste des Hotels „Schwarzer Bock“ in Wiesbaden, wo er seine Frau Ursula kennenlernte. Doch trotz des jungen Glücks zog es ihn bereits 1960 nach Madrid ins Hotel Paris. Dann ging der Hotelkaufmann endgültig zurück nach Deutschland. 1964 wurde geheiratet und 1966 kam Tochter Petra zur Welt.

Bereits 1963 kam Günter Spallek auf die Bühlerhöhe, wo er zunächst Empfangschef, dann Empfangsdirektor und seit Beginn der 1980er-Jahre Vizedirekor des Hotels war. Doch Bühlerhöhe erlebte seit Ende der 70er-Jahre schwere Zeiten. 1986 übernahm Max Grundig das insolvente Hotel.

Warum Grundig Spallek nicht entlassen hat

Die erste Amtshandlung des Industriekapitäns aus der Wirtschaftswunderzeit war die Kündigung sämtlicher Mitarbeiter. Schließlich wurde das sanierungsreife Hotel für eineinhalb Jahre zu einer der größten Baustellen in Mittelbaden. „Nur mich hat er sofort wieder eingestellt“, sagte Spallek im Interview mit dieser Redaktion 2010 nicht ohne Stolz.

Am 25. Juni 1988 kehrte Günter Spallek, der am neuen Konzept mitgewirkt hatte, als Empfangsdirektor an seine alte Wirkungsstätte zurück. Die erstrahlte nun in neuem Glanz. Doch Schönheit alleine reicht nicht, um ein Hotel zu führen. Vor allem mussten die Gäste zurückgewonnen werden und das bei saftig gestiegenen Preisen. Das war die Aufgabe von Spallek, denn der kannte das Publikum des Hauses wie kein anderer.

Immer ein Gentleman

Viele Jahre lang war Spallek für das Kulturprogramm des Schlosshotels verantwortlich. Die Konzerte in der Rotunde sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Die Geschicke der Bühlerhöhe hat er auch im vergangenen Jahrzehnt aufmerksam verfolgt. Dass weder die ukrainischen noch die jetzigen kasachischen Investoren der Bühlerhöhe zu neuem Glanz verholfen haben, hat ihm nicht gefallen. Jetzt ist „Mister Bühlerhöhe“, der immer ein Gentleman war, gestorben.

nach oben Zurück zum Seitenanfang