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Naturdenkmal am Eingang zum Hänferdorf

Der alten Linde in Bühl wird ein weiterer Ast genommen

Die Gutachter fordern eine weitere Entfernung des großen Astes wegen des zu hohen Risikos für Passanten.

Linde am Eingang Hänferdorf
Zurückgestutzt wurden die mächtigen Äste der alten Linde vor rund zwei Monaten. Jetzt soll der rechte Stamm folgen. Foto: Bernhard Margull

Erneut wird die ortsbildprägende alte Linde am Eingang des Hänferdorfes gestutzt: Am kommenden Montag rücken die Männer vom Schwarzwald-Baumdienst Junge aus Baden-Baden an und werfen noch einmal die Kettensäge an, denn nun wird auch der letzte noch verbliebene große Ast abgesägt. Damit bleibt nur noch der Stamm der einst stattlichen, rund 150 Jahre alten Linde an dieser Wegkreuzung stehen.

„Natürlich tut mir das weh, wenn ich mitansehen muss, wie der altehrwürdige Baum so zurückgestutzt wird. Aber die Sicherheit geht auf jeden Fall vor. Es wäre doch fatal, wenn da etwas passieren würde“, stellt Rüdiger Schmitt fest. Er habe sich selbst überzeugt: „Wenn man in den Stamm greift, kann man das weiche Holz mit den Fingernägeln rauskratzen“, weiß der Hänferdorf-Bewohner und Betreiber des Schüttekellers.

Vor dem ersten Beschnitt des alten Baumes gab es kritische Äußerungen zu der angekündigten Aktion: Einige Hänferdorf-Bewohner zeigten sich angesichts der satten grünen Blätter in der Baumkrone sehr skeptisch gegenüber den ersten Diagnosen, die teils bezweifelt wurden. Darauf hatte die Stadtverwaltung reagiert und umgehend das Urteil weiterer Gutachter eingeholt.

Wir können an dieser Stelle überhaupt kein Risiko eingehen.
Barbara Thévenot
Leiterin Stadtentwicklung

Und warum entschied dich die Stadtverwaltung nach dem bereits erfolgten kräftigen Rückschnitt im September für diese weitere Aktion? „Die Baumpfleger haben es bei diesem ersten umfassenden Rückschnitt gut gemeint und haben diesen kräftigen Ast stehen lassen, der weit nach rechts zeigt“, erläutert Barbara Thévenot als Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung, in deren Bereich auch die Pflege der Naturdenkmale fällt.

Bei der üblichen Schlussbetrachtung der zurückliegenden Maßnahmen haben nach ihrer Auskunft die beiden verpflichteten Gutachter auf die Beseitigung des verbliebenen Astes bestanden. „Die Linde steht wegen des erheblichen Risikos an dieser stark frequentierten Stelle unter erhöhter Beobachtung. Und wir sind in der Verwaltung überein gekommen, dass wir jegliches Risiko nicht eingehen können“, führt Barbara Thévenot weiter aus.

Der Stamm ist so gut wie hohl

Nicht zuletzt habe der Gutachter Frank Rinn aus Heidelberg bei der differenzierten Schalluntersuchung vor gut zwei Monaten den völlig hohlen Stamm des alten Baumes dokumentiert. Demnach beträgt der Durchmesser des verbliebenen Holzes hinter der Rinde maximal zehn Zentimeter. „Und das ist für das enorme Gewicht des verbliebenen großen Astes einfach zu wenig“, stellt Barbara Thévenot fest.

Linde im Hänferdorf
Noch mit voller Krone: Abgesperrt wurde der Bereich um den Baum Anfang September vor dem ersten Eingriff. Foto: Bernhard Margull

Die Stadtverwaltung hat es sich mit dem Rückschnitt des Naturdenkmals nicht einfach gemacht und nach der ersten negativen Diagnose durch den städtischen Baumkontrolleur Claus Knechtel die Meinung der zwei weiteren Baumexperten hinzugezogen.

Anlass gaben auch die vielen kritischen Fragen und Emotionen der Hänferdorf-Bewohner. Diese sahen den altehrwürdigen Baum am Eingang des Quartiers, der schon zwei Weltkriege überstanden hat, als ein Opfer der Kettensäge. Aber das Urteil der Experten fiel eindeutig aus: „Ohne die Sicherungsmaßnahmen in den späten 70er-Jahren hätte es die Linde schon viel früher gekostet“, war das finale Urteil des Heidelberger Baumgutachters Frank Rinn.

Wir erleben hier offensichtlich ein Sterben auf Raten
Rüdiger Schmitt
Hänferdorf-Anwohner

„Wir erleben mit dem Baum hier offensichtlich ein Sterben auf Raten. Ich kann nur auf einen langfristigen Erhalt hoffen, wie wir es auch bei der altehrwürdigen Linde in Kappel vor der Kirche erleben“, hofft Rüdiger Schmitt, schließlich habe dies auch die Linde in Kappel über die Jahre hinweg geschafft.

Im Gespräch mit dem Baumpfleger habe dieser ihn auf das schwache Blattgrün im oberen Bereich der Hänferdorf-Linde aufmerksam gemacht. „Warten wir mal bis zum Frühjahr, wenn der Baum hoffentlich wieder weiter unten ausschlägt und sich weitere Triebe bilden“, gibt sich Schmitt zuversichtlich.

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