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Ortsvorsteher von Bühl-Eisental im Interview

Die Ortsmitte in Bühl-Eisental wird neu

1,8 Millionen Euro kostet die Umgestaltung des Trottenplatzes im Bühler Stadtteil Eisental. Das erscheint manchem Eisentaler ein sehr hoher Betrag. Ortsvorsteher Jürgen Lauten sieht das anders.

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Rückblick: In den 1970ern wurde der Platz in der Ortsmitte neu gestaltet. Die Trotte gab ihm seinen Namen. Foto: Archiv Meier

Die Eisentaler Ortsmitte hat zwei Schwerpunkte: den Trottenplatz mit Schule, DORV-Laden und Schartenberghalle sowie ein paar Meter weiter den Bereich Kirche, Rathaus und Gasthaus Traube. Beide Bereiche sinnvoll miteinander zu verknüpfen, ist für Ortsvorsteher Jürgen Lauten eines der Ziele der im Spätsommer 2019 begonnenen Umgestaltung des Trottenplatzes.

Im Gespräch mit ABB-Autor Wilfried Lienhard spricht Jürgen Lauten über die Hintergründe und verrät auch, warum es keinen neuen Namen für den Platz geben wird.

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Jürgen Lauten Ortsvorsteher Eisental Foto: Wilfried Lienhard

Herr Lauten, zum Auftakt eine Frage mit einem Augenzwinkern: Gibt es schon Überlegungen für eine Neubenennung des Trottenplatzes? Seinen Namensgeber hat er ja schließlich verloren.
Lauten

Nein, es wird keine Neubenennung geben, schon deswegen, weil die Bezeichnung Trottenplatz nirgendwo offiziell festgeschrieben ist und nur im Volksmund so verwendet wird. Die Trotte war das Kennzeichen des Platzes, auch in Verbindung mit dem Affentaler Weinfest. Ich kann mir gut vorstellen, dass das umgangssprachlich weiterhin der Trottenplatz bleibt, auch wenn die Trotte nicht mehr da ist. Der Namensgeber muss ja nicht immer vor Ort sein.

Hätte die Trotte nicht in die Planungen eingebunden werden können?
Lauten

Diese Frage war in der Bürgerbeteiligung immer wieder ein Thema. Je konkreter aber die Pläne für den Platz wurden, desto deutlicher wurde, dass wir die Trotte hier nicht mehr unterbekommen würden. Es gab dann Überlegungen in Richtung Schulgarten oder Schulhof, die aus verschiedenen Gründen schnell wieder verworfen wurden, etwa wegen der Verkehrssicherungspflicht. Einfach so verschwinden lassen wollten wir sie aber auch nicht. Wir hätten uns vorstellen können, Einzelteile etwa als Kunstwerk zu integrieren. Dann aber hat Thomas Höll ein ideales Grundstück zur Verfügung gestellt. Es gibt eine Verbindung zum Kräutergarten und liegt am Riesling-Weg, einem Wanderweg. Das passt thematisch und ist eine gelungene Sache.

Welches Ziel verfolgt die Umgestaltung des Platzes?
Lauten

Wichtig ist es uns, eine gewisse Aufenthaltsqualität zu schaffen und die Ortsmitte neu und klar zu definieren. Die Ortsmitte bilden in Eisental die Bereiche Kirche, Rathaus, Volksbank Gasthaus Traube und 50 Meter weiter Schule, Halle, Feuerwehr, DORV-Zentrum. Das wollen wir miteinander verbinden. Dazu kommt die verkehrstechnische Seite. Wir hatten am Trottenplatz zu viele Straßen. Durch den Winzerkeller der Affentaler Winzergenossenschaft und den damit verbundenen Verkehr brauchte es Straßen und Parkflächen. Wenn man sich alte Bilder anschaut, sieht man: Wir kehren dorthin zurück, wo wir hergekommen sind, was wir bis zur Umgestaltung in den 1970er Jahren hatten, einen großen Platz.

Der Platz wird als Shared Space ausgewiesen, eine Fläche, in der alle Verkehrsteilnehmen gleichberechtigt sind. Ist das Verkehrsaufkommen so hoch, dass es das braucht?
Lauten

Es ist gerade umgekehrt. Das Verkehrsaufkommen ist nicht so hoch, dass wir eine verkehrsberuhigte Zone ausweisen könnten. Deshalb entstand der Gedanke des Shared Space. Wir lösen damit sämtliche Verkehrsbeziehungen auf und legen einen Platz an, über den jeder Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt gehen oder fahren kann. Wenn der Autofahrer von der Straße auf den Platz kommt, schaut er zuerst, wo er noch fahren darf. So bringen wir ihn dazu, langsamer zu fahren.

Wie weit sind die Arbeiten?
Lauten

Die ersten drei von je nach Zählweise vier oder fünf Bauabschnitten sind abgeschlossen. Das war auch das Ziel bis Ende des Jahres 2020. Man hätte vor Weihnachten in der Winzerstraße weitermachen können, aber es hätte keinen Sinn gehabt, die Straße wegen einer Woche aufzureißen und dann in die Weihnachtsferien zu gehen. Jetzt geht es hier weiter, ab dem 13. Januar ist die Winzerstraße voll gesperrt. Man kommt nicht mehr von der Kirche zum DORV-Zentrum. Die Baustelle rückt direkt vor das DORV-Zentrum.

Wird das in dieser Bauphase noch anfahrbar sein?
Lauten

Bedingt, anfahrbar schon und auch fußläufig erreichbar. Parkmöglichkeiten gibt es beispielsweise entlang der Friedensstraße und der Kirchbachstraße, das sind ja keine Hauptverkehrsstraßen. Wir müssen aber schauen, ob wir andere Parkmöglichkeiten schaffen können. Das ist wichtig für den Laden. Wir liegen nicht in einer Gegend, wo jeder mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren kann. Der Großteil der Kunden kommt mit dem Auto.

Was steht bei der Umgestaltung noch aus?
Lauten

Neben der Winzerstraße sind das der Bereich, wo künftig der Maibaum aufgestellt werden soll, und punktuelle Parkmöglichkeiten entlang der Winzerstraße.

Wann rechnen Sie mit dem Abschluss der Arbeiten am Trottenplatz?

Das wird Mitte dieses Jahres sein, ich befürchte August. Es hätte dann ein bisschen länger gedauert als geplant. Wir müssen jetzt schauen, wie es im Winter läuft und ob es in der Winzerstraße Überraschungen gibt. Wenn wir vor dem August fertig sind, freuen wir uns natürlich.

1,8 Millionen Euro sind für die Umgestaltung veranschlagt. Diese Kosten werden gelegentlich kritisiert. Was entgegnen Sie?
Lauten

Das ist ganz einfach. Wenn das Geld nur für die Platzneugestaltung wäre, müsste ich den Kritikern Recht geben. Aber der Großteil der Kosten liegt im Untergrund. Diese Kosten wären sowieso entstanden, weil die Kanalisation marode war. Ich schätze diesen Anteil auf 900.000 bis eine Million Euro. Wenn ich jetzt noch den Zuschuss des Landes über 600.000 Euro, den es für den Platz und nicht die Kanalisation gegeben hat, abziehe, bleiben 300.000 Euro übrig. Das ist dann fast schon ein Schnäppchen.

Wie würden Sie den Abschluss der Neugestaltung gerne feiern, wenn es Corona denn zulassen sollte?
Lauten

Darüber haben wir uns noch keine großen Gedanken gemacht. Aber wenn Sie mich fragen: Wenn es möglich ist, würden wir das sehr ordentlich feiern, und zwar mit den Beteiligten, den Bürgern und Vereinen.

Wäre die Verbindung mit dem Winzerfest eine Option?
Lauten

Naja das käme auf zwei Dinge an. Zum einen müsste gesichert sein, dass der Platz bis zum Winzerfesttermin fertig ist und zum anderen können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen, ob das Winzerfest aufgrund der Coronapandemie stattfinden kann.

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