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Furore mit „Palim!Palim!“

Ehemaliger Bühler Digitalisierungsbeauftragter: Mit offener Software zu mehr Datensicherheit

Er hat mit der offenen Kommunikationsplattform „Palim!Palim“ bundesweit Furore gemacht. Jetzt kehrt Eduard Itrich dem Bühler Rathaus den Rücken. Der bisherige Digitalisierungsbeauftragt arbeitet an einem europäischen Cloudprojekt zur Datensicherheit mit.

Neuer Arbeitsplatz: Eduard Itrich arbeitet jetzt am technischen Unterbau eines europäischen Cloudprojekts. Foto: Ulrich Coenen

Die Stadt Bühl ist auf der Suche nach einem neuen Digitalisierungsbeauftragten. Eduard Itrich hat das Rathaus zum Ende der vergangenen Woche verlassen. Der Mathematiker arbeitet jetzt für die Open Source Business Alliance (OSBA), den Bundesverband für digitale Souveränität mit Sitz in Stuttgart.

Für die Stadt ist das ein herber Verlust, wie Bürgermeister Wolfgang Jokerst bestätigt. Itrich hatte seine Stelle als Digitalisierungsbeauftragter zum 1. September 2019 angetreten und war ein knappes Jahr später zum Leiter der sieben Köpfe zählenden Abteilung DIGIT ernannt worden.

Das Wort „Glücksfall“ sei eher noch untertrieben, meint Jokerst: „Er war absolut unser Wegbereiter bei der Digitalisierung und hat uns klar gemacht, dass das nicht einfach eine Übertragung analoger auf digitale Vorgänge ist, sondern eine grundlegende Veränderung der Verwaltungsarbeit. Das ist eine echte Transformation.“

Itrich entwickelte Kommunikationsplattform Palim! Palim!

Auch nach außen setzte Itrich Zeichen. Das beste Beispiel dafür ist die von ihm entwickelte offene Kommunikationsplattform „Palim! Palim!“, die bundesweit Schlagzeilen machte und es auch in die ARD-Tagesthemen schaffte. Für ihn selbst sei das ein Höhepunkt gewesen, und er freue sich über die anhaltende Resonanz, sagt Itrich - weil es das Thema spiegle, das ihn umtreibt: den unabhängigen Umgang mit Daten, die Nutzung offener Software, die auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werde.

Genau das ist der Kern seiner neuen Arbeit. Er ist Teil des Projekts Sovereign Cloud Stack (SCS), das sich dem technischen Unterbau des europäischen Cloudprojekts Gaia-X widmet. Dessen Ziel ist eine offene Plattform, die Rechenzentren in die Lage versetzen soll, als Gegenmodell zu den großen Anbietern wie Amazon, Microsoft oder Google offene und unabhängige Lösungen anzubieten. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die öffentliche Hand zu 100 Prozent auf offene Software setzen sollte. Nur so entgeht sie der Abhängigkeit von den Interessen Dritter.“

Wie abhängig mache man sich von einzelnen Anbietern, wenn die digitale Infrastruktur ausgelagert, alle Dienste bei externen Anbietern angesiedelt seien, fragt Itrich und fügt eine Frage an: „Sollte der Staat eine solch kritische Infrastruktur nicht selbst leisten?“ Die Antwort gibt er selbst, indem er auf die wirtschaftlichen und politischen Einflussmöglichkeiten der großen Anbieter verweist.

Itrichs Stelle soll schnell neu besetzt werden

Den von ihm vorgegebenen Kurs wolle die Stadtverwaltung beibehalten, kündigte Jokerst an. Itrich habe in den vergangenen Wochen noch intensiv beraten, welche Schritte unbedingt gegangen werden müssten: „Das war ihm wichtig.“ Die Stelle soll rasch neu besetzt werden. Er erwartet eine sehr schwierige Kandidatensuche: „Der Markt ist leergefegt, in Deutschland fehlen nach jüngsten Meldungen 86.000 IT-Fachleute.“ Die Stelle soll auf den gängigen Portalen ausgeschrieben werden, es gebe aber auch - noch nicht konkretisierte - Überlegungen einer gezielten Ansprache.

Es sei in den vergangenen Monaten auch klar geworden, „dass wir uns beim Thema Digitalisierung breiter aufstellen müssen“, sagt Jokerst. Gerade in der Corona-Pandemie habe das Thema rasant an Dynamik gewonnen; die Schulen seien dafür nur ein Beispiel. Deshalb suche man nicht nur einen neuen Digitalisierungsbeauftragten und Abteilungsleiter DIGIT, es solle auch die Stelle Digitales Rathaus geschaffen werden.

Diese soll als Scharnier zwischen der Abteilung und den anderen Abteilungen der Verwaltungen dienen und die Prozesse absprechen. Der Bürgermeister nennt vier wichtige Punkte, die alle hochaktuell seien: die verwaltungsinternen Prozesse sollen vorangetrieben werden („papierloses Büro“), Verwaltungsleistungen für die Bürger sollen online erledigt werden können, die Schulen solle bei der Digitalisierung unterstützt werden und schließlich: „Wir müssen uns bei Datensouveränität und -sicherheit besser aufstellen.“ Die Botschaft von Eduard Itrich ist in Bühl gehört worden.

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