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Ortsvorsteher drängt auf neue Lärmkartierung

Ein wirksames Mittel gegen den Verkehrslärm in Bühl-Altschweier ist noch nicht gefunden

Der Altschweierer Ortsvorsteher Manfred Müller sieht in der L83 eines der größten Probleme des Stadtteils, erklärt er im Interview.

Viel Verkehr bedeutet viel Lärm: Entlang der L 83 in Altschweier wird darüber schon lange immer wieder geklagt. Ein probates Gegenmittel wurde noch nicht gefunden. Foto: Bernhard Margull

Zubringer, so nennt der Volksmund die L83. Sie „bringt“ die Autofahrer zur Autobahn, und das bedeutet: viel Verkehr. Das wird im Bühler Stadtteil Altschweier als Problem empfunden, weil der motorisierte Verkehr eine erhebliche Lärmbelästigung mit sich bringt.

Manfred Müller Altschweierer Ortsvorsteher Foto: Wilfried Lienhard

Wie ist die aktuelle Situation und welche Mittel sind denkbar, die Abhilfe bringen könnten?

Dazu äußert sich Ortsvorsteher Manfred Müller im Gespräch mit Redakteur Wilfried Lienhard.

Herr Müller, eines der Altschweierer Dauerthemen ist der Verkehrslärm. Wie sehr beschäftigt das die Ortsverwaltung?
Manfred Müller

Tatsächlich gibt es da immer wieder viele Nachfragen. Gerade die Anwohner der L 83 haben ein großes Interesse daran, den Lärm auf der Straße zu reduzieren, vor allem den von zu schnellen und zu lauten Fahrzeugen.

Wie oft wird die Geschwindigkeit kontrolliert?
Müller

Das geschieht eher selten. Die Ergebnisse einer Messung durch das Ordnungsamt hat auch keine großen Ausreißer ans Licht gebracht.

Warum wird der Verkehr auf der L 83 dann als so störend empfunden?
Müller

In der Breite mag es keine Auffälligkeiten geben, die meisten halten sich im oberen Rahmen zwischen 50 und 60 Stundenkilometern. Aber es gibt Spitzen, die sind sehr belastend. Die Anwohner spüren das gerade im Sommer, wenn die Fenster geöffnet sind und ein Auto- oder Motorradfahrer mächtig Gas gibt. Ob das aber durch Kontrollen zu beheben ist, scheint zumindest fraglich.

Wie meinen Sie das?
Müller

Es gibt einige, die rasen. Aber diese zu erwischen, dazu bräuchte es Polizeikontrollen, bei denen man die Verkehrssünder direkt aus dem Verkehr ziehen kann. Das Problem daran: Wenn die Polizei ihre Radargeräte aufbaut, kann man in den nächsten zwei Minuten auf Facebook die Warnung lesen, dass bei der Altschweierer Brücke geblitzt wird. Und wenn es dort nicht steht, kommt es auf einem Radiosender.

Wenn der Lärm ein Problem ist, muss das mit entsprechenden Messungen belegt werden. Wie sieht es damit aus?
Müller

Das ist richtig, und wir haben auch darauf gedrängt, dass die Lärmkartierung neu gemacht wird. Das muss eigentlich alle fünf Jahre gemacht werden. Die Stadt hat es hinausgeschoben, will es jetzt aber wieder aufgreifen. Bis hier jedoch Ergebnisse vorliegen, wird es wohl zwei bis drei Jahre dauern. Die aktuellen Lärmkarten stammen von 2017, also müssten 2022 neue kommen. Dazu muss aber halt erst gemessen werden.

Ist die L 83 das einzige Verkehrslärm-Problem?
Müller

Ja, aber durchgängig von oben bis unten. Die Lärmkarte des Landes teilt sie in drei Abschnitte ein: von der Gemarkungsgrenze bis zum Mattenmühlkreisel, im Bereich Am Bierkeller/Mattenmühle und am Hessensteg. Im ersten Abschnitt liegen etwa 15 Gebäude über den Sanierungswerten, dieser Bereich ist mit höchster Priorität eingestuft.

Verändert hat sich dadurch aber nicht viel.
Müller

Ein aktiver Schallschutz ist dort wohl nicht möglich. Wir können hier keine Lärmschutzwände hinstellen, sonst ginge es quasi durch einen Schlund. Wer direkt an der Straße ist, konnte Fenster erneuern und erhielt dafür eine Förderung. Doch das haben nur wenige wahrgenommen. Unser Wunsch wäre die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30. Das ist wegen der Einstufung als Landesstraße aber nicht möglich. Denkbar wären mehrere stationäre Radarmessgeräte, wie wir es auch im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ angesprochen haben und von denen abwechselnd immer ein anderes aktiv ist. So könnte man die Autofahrer zum Bremsen bringen. Das wurde abgelehnt, weil zu hohe Kosten zu erwarten wären. Es müsste beispielsweise auch eine Stromleitung hingeführt werden.

Die Geschwindigkeit ist das eine, die Zahl der Fahrzeuge das andere. Gibt es belastbare Daten zum Verkehrsaufkommen auf der L 83?
Müller

Leider nicht. Bei der Geschwindigkeitsmessung durch das städtische Ordnungsamt sind die Fahrzeuge zwar gezählt worden, aber nur in einer Richtung und auch an einer Stelle, an der beispielsweise die Abbieger nach Eisental nicht erfasst wurden. Es wurde 24 Stunden lang bergwärts nach der Rathaus-Kreuzung gezählt. Das diente lediglich der internen Statistik und lieferte keine belastbaren Zahlen. Was wir brauchen, ist eine amtliche Messung, deren Ergebnisse auch verwendet werden können. Dazu braucht es ein spezielles Messgerät, die Smiley-Geräte, die mir meine Geschwindigkeit anzeigen, nutzen da nichts.

Bedeutet all dies, dass die L 83 auch künftig eines der zentralen Probleme Altschweiers bleibt?
Müller

Es wäre schön, wenn es anders wäre. Die Straße liegt gewissermaßen auf dem Ort drauf. Es gibt von keinem Privatgelände eine Zufahrt auf die L 83. Deshalb stehen auch die grünen Ortsschilder hier, in dieser Perspektive gelten wir als Weiler. Erst ab dem Bühlertäler Schwimmbad führt die L83 an Haustüren vorbei.

Haben Sie keine Hoffnung auf Besserung?
Müller

Der Zweck der Straße ist es laut Definition, den Verkehr zügig weiterzuleiten. Daran wird das Land festhalten. Unsere Vorstöße auf Tempo 30 waren ebenso erfolglos wie der Versuch, das auf 70 Stundenkilometer beschränkte Teilstück an der Honau entlang auf 50 zu drücken. Aber bei alldem muss auch festgehalten werden, dass wir letztlich fast alle auch Autofahrer sind und so auf eine bestimmte Art zum Problem beitragen.

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