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Stadt und Weltladen arbeiten zusammen

Faire Woche in Bühl: Massentierhaltung und Fleischkonsum stehen in der Kritik

Stadt Bühl und Weltladen starten am 10. September in die „Faire Woche“. Wichtigste Veranstaltung ist das Theaterstück „Alles Fleisch“ der Berliner Compagnie.

Der Weltladen steht für fairen Handel in Bühl: Monika Krippl zeigt Bürgermeister Wolfgang Jokerst (Mitte) und dem städtischen Klimaschutzmanager Martin Andreas ihre Produkte. Foto: Ulrich Coenen

Bereits vor zwei Jahren hat Bühl den Klimanotstand ausgerufen. Außerdem ist die Kommune Fairtraide-Stadt. Der Anglizismus steht für fairen Handel, bei dem die Erzeuger in Entwicklungsländern einen angemessenen Preis für ihre Waren erhalten.

„Dieses Label ist uns wichtig“, erklärt Bürgermeister Wolfgang Jokerst (Grüne). „Als Stadt wollen wir damit einen Beitrag für eine gerechte Welt leisten.“ Bühl beteiligt sich deshalb in Zusammenarbeit mit dem Weltladen an der „Fairen Woche“, die vom 10. bis zum 24. September dauert.

Der Erste Beigeordnete betont den hohen Anspruch der Stadt nach dem Ausrufen des Klimanotstands. „Das schreiben wir uns auf die lokale Agenda“, sagt er. „Gerade Bildungsarbeit ist für den fairen Handel und den Klimaschutz wichtig. Wir müssen dafür ein Bewusstsein bei den Bürgerinnen und Bürgern schaffen, damit diese sinnvoll handeln können.“

Mit einem solchen Bildungsangebot begleitet die Stadt die „Faire Woche“ mit zwei Veranstaltungen, für die die Steuerungsgruppe der Fairtraide-Stadt Bühl verantwortlich ist. Der gehört auch Monika Krippl vom Weltladen in der Bühler Eisenbahnstraße an, der sich an der Aktionswoche ebenfalls beteiligt.

„Alles Fleisch“ auf der Bühne des Bühler Bürgerhauses Neuer Markt

Das alternative Tourneetheater „Berliner Compagnie“ gastiert am Mittwoch, 15. September, um 20 Uhr im Bürgerhaus Neuer Markt. „Alles Fleisch“ heißt das Stück. Im Mittelpunkt steht die Familie Schwarte, die in einer Kleinstadt lebt.

Philipp ist Chef eines Fleischkonzerns, sein Bruder ist Amtstierarzt und sitzt zwischen allen Stühlen. Seine Frau engagiert sich im Weltladen und Tochter Lisa ist Tierrechtlerin. Deren Freundin Hanna ist eine Linke, die die Arbeitsverhältnisse im Schwarte-Konzern anprangert. Karten im Vorverkauf gibt es dafür im Bürgerhaus.

Der Fleischkonsum beeinflusst die Klimabilanz.
Martin Andreas, Klimaschutzmanager

Für Martin Andreas, den Leiter des Referats Klima und Umwelt im Rathaus, ist das Theaterstück ein wichtiger Beitrag, „weil es Zusammenhänge deutlich macht“. „Der Fleischkonsum beeinflusst die Klimabilanz“, stellt der Klimaschutzmanager fest und verweist unter anderem auf die Fleischimporte aus dem globalen Süden.

60 Kilogramm Fleisch verbrauche jeder Bundesbürger pro Kopf und Jahr. Das sei ein großer CO2-Fußabdruck. Beim Rind seien es 14 Kilo CO2 pro Kilo Fleisch, beim Apfel nur 250 Gramm. Andreas warnt auch vor dem Methanausstoß der 1,5 Milliarden Rinder auf der Erde, der die 25-fache Wirkung der gleichen Menge CO2 habe. Der dadurch entstehende Schaden sei größer als der des Reisesektors.

In deutschen Schlachthöfen liegt vieles im Argen

Die Diskussion um die Massentierhaltung passt nach Ansicht von Monika Krippl vom Weltladen „wunderbar“ zur Fairen Woche. Sie forderte menschenwürdige Arbeitsbedingungen, nicht nur im globalen Süden. „Covid hat gezeigt, dass auch in unseren Schlachthöfen vieles im Argen liegt“, meint sie.

Wir unterstützten den regionalen Aspekt und fördern kleine Strukturen.
Monika Krippl, Weltladen „wunderbar“

Die Aktion richte sich aber ausdrücklich nicht gegen die hiesigen Bauern und Metzger. „Im Gegenteil“, erklärt Krippl. „Wir unterstützten den regionalen Aspekt und fördern kleine Strukturen.“

Die zweite Veranstaltung im Rahmen der Fairen Woche ist ein Vortrag von Christina Alf, Bildungsreferentin der Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, am Dienstag, 21. September, um 19.30 Uhr im Katholischen Gemeindehaus in der Wiedigstraße. Sie berichtet über alternative Wirtschaftsformen in Indien, Bolivien und den Philippinen.

„Und ob Frauen das können“ lautet der Titel des Vortrags. Der Zugang zu Finanzdienstleistungen soll Frauen unterstützen und unabhängiger machen. „Langfristig ist das eine Möglichkeit zur Emanzipation“, meint Krippl.

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