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Wohnanlage in Bühler Kernstadt

Familien und Senioren unter einem Dach: Interesse an alternativem Wohnen in Bühl ist groß

Familien und Senioren sollen in Bühl unter einem Dach Wohnen. Im Projekt „Gemeinschaftliches Wohnen“ sollen 20 bis 25 Wohneinheiten für alle Generationen in der Bühler Kernstadt entstehen.

Gemeinsames Wohnen: Bernd Radzei vom Seniorenrat Bühl erläuterte bei einer gut besuchten Veranstaltung im Friedrichsbau das Projekt „Gemeinsames Wohnen“. Im Vordergrund: OB Hubert Schnurr. Foto: Ulrich Coenen

Es geht um alternative Wohnformen. Die Resonanz ist in Bühl überraschend gut. Mehr als 40 Bürger sind am Mittwochabend in den Friedrichsbau gekommen. Der Seniorenrat hat eingeladen, um das Projekt „Gemeinschaftliches Wohnen“ vorzustellen. Ziel ist eine Wohnanlage in der Bühler Kernstadt mit 20 bis 25 Wohneinheiten für alle Generationen.

Diese soll neben Wohnungen in verschiedenen Größen für Familien und Singles vor allem auch die unterschiedlichsten Gemeinschaftsräume bereithalten. „Ich bin positiv überrascht über die Zahl der Besucher“, meint Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW). „Daraus kann was werden.“ Das sieht Antje Jessen, stellvertretende Sprecherin des Seniorenrates, ähnlich. Sie spricht von einem großen Interesse für „unsere Idee“.

Bernd Radzei kommt aus der Baubranche und ist Sprecher der Projektgruppe. Er stellt die Arbeitsergebnisse der beiden vergangenen Jahre in einer Power-Point-Präsentation vor. Mit Gemeinschaftlichem Wohnen will der Seniorenrat der Vereinsamung von Menschen entgegenwirken. Das operative Geschäft will das Gremium aber nicht betreiben. „Wir brauchen Partner“, sagt Radzei. Deshalb wird am Ende der Veranstaltung eine Liste durch die Reihen gereicht, in die sich alle Interessenten eintragen können.

Eigenständige Wohnungen mit Gemeinschaftsbereich für Treffen

Gemeinschaftliches Wohnen ist keine WG. Radzei berichtet von komplett eigenständigen Wohnungen und einem zusätzlichen Gemeinschaftsbereich für Treffen und Veranstaltungen, zu dem aber auch Gästezimmer gehören. „Es macht keinen Sinn, ein Gästezimmer für den Sohn in der eigenen Wohnung bereitzuhalten, der vielleicht zweimal im Jahr zu Besuch kommt“, meint Radzei.

Zum Gemeinschaftlichen Wohnen gehört die wechselseitige Unterstützung im Alltag.
Bernd Radzei, Seniorenrat Bühl

Normale Wohnungen seien aktuell für Familien oft zu klein und für Senioren nach dem Auszug der Kinder zu groß. Dem will der Seniorenrat mit seinem neuen Projekt entgegenwirken. „Zum Gemeinschaftlichen Wohnen gehört aber auch die wechselseitige Unterstützung im Alltag“, erklärt Radzei. Als Beispiele nennt er Kinderbetreuung, Einkaufen und Arztbesuche. Ein solches Projekt lasse sich über eine Bauherrengemeinschaft, eine Stiftung oder eine Genossenschaft realisieren.

Der Seniorenrat hat sich eine ganze Reihe solcher Anlagen angeschaut und hält die genossenschaftlich organisierte Lawoge in Landau für vorbildlich. In Bühl will Radzei zunächst den Bedarf klären. Für die Umsetzung setzt er auf die Hilfe der Stadt. Später müsse sich diese Einrichtung nach dem Vorbild von Landau eine Satzung geben, „damit die Bewohner zueinander passen“. „In Landau gibt es eine Warteliste und einen Fragenkatalog für Bewerber“, berichtet er.

Nur wenige junge Familien interessieren sich für Gemeinschaftliches Wohnen

Die Wohnungen können auch nicht vererbt werden. Wenn jemand auszieht oder stirbt, entscheiden die Genossen über seine Nachfolge. „Ich finde die Idee toll“, meint eine Frau in der Diskussionsrunde. „Aber wie soll sich ein solches Projekt bei den Bühler Grundstückspreisen realisieren lassen? Außerdem braucht man ein gutes Miteinander und eine Gesprächskultur für gemeinschaftliches Wohnen.“

Man darf dies nicht mit einer normalen Mietwohnung vergleichen.
Bernd Radzei, Seniorenrat Bühl

Radzei berichtet, dass die Stadt über ein Grundstück verfüge, das „eventuell passt“. Ein anderer Teilnehmer blickt in die Runde und sieht fast ausschließlich Besucher im mittleren Alter oder Rentner. Nur ein einziger junger Mann ist erschienen. „Wie schafft man es, junge Familien einzubinden?“, will er wissen. „Für viele junge Familien ist Wohneigentum nicht finanzierbar“, konstatiert Radzei.

„Da ist gemeinschaftliches Wohnen eine Alternative. Man darf dies aber nicht mit einer normalen Mietwohnung vergleichen.“ Die Projektgruppe sucht weiterhin Mitarbeiter. Auch Interessenten für „Gemeinschaftliches Wohnen“ können sich bei der Stadt oder beim Seniorenrat melden.

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