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Entscheidung im Gemeinderat

Senioren freuen sich schon jetzt: Ab dem Herbst rollen Rikschas durch Bühl

Menschen, die dazu selbstständig nicht mehr in der Lage sind, wieder zu einem bisschen Mobilität zu verhelfen, das ist das Ziel des Projekts „Radeln ohne Alter“. Im Herbst soll es in Bühl starten. Ganz unumstritten ist die Sache aber nicht.

So kann es aussehen: Bühler Ehrenamtliche wollen ab dem Herbst vor allem Seniorinnen und Senioren per Rikscha Ausfahrten ermöglichen. Foto: Nadine Weigel/dpa

Ab dem Herbst sollen zwei Rikschas durch Bühl rollen. Der Gemeinderat hat bei sechs Enthaltungen und einer Gegenstimme die notwendigen Gelder für das Projekt „Radeln ohne Alter“ bewilligt. Das Vorhaben wird mit 17.000 Euro aus dem Nachhaltigkeitsfonds gefördert. Wie Bürgermeister Wolfgang Jokerst berichtete, werde dieser Betrag noch deutlich reduziert werden, da inzwischen auch Sponsorengelder zugesagt seien.

Das Geld wird benötigt für den Kauf zweier mit einem Hilfsmotor ausgestatteter Rikschas, deren Gesamtwert bei 22.000 Euro liegt; das Land schießt 5.000 Euro zu. „Radeln ohne Alter“ ist ein Projekt, das engagierte Bühler Bürgerinnen und Bürger initiiert haben.

Organisatorisch soll es dem Seniorenbüro zugeordnet werden, da dadurch zum einen keine Vereinsgründung nötig werde und zum anderen die Ehrenamtlichen versichert seien, sagte Jokerst im Vorfeld der Sitzung: „Das ist nicht unwesentlich.“

Das Ziel ist es, kostenlose Rikscha-Fahrten für Menschen zu ermöglichen, die selbst nicht mehr in die Pedale treten können. Sie sollen auf diese Weise ihre Umgebung erkunden, soziale Kontakte knüpfen und Geschichten austauschen können, erläuterte der städtische Klimaschutzmanager Martin Andreas. „Damit fördert das Projekt das mentale und körperliche Wohlergehen sowie die Inklusion der mobilitätseingeschränkten Bevölkerung“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung an den Gemeinderat.

Das Interesse bei Senioren ist groß

Das Interesse sei groß, sagte Jokerst: „Wir sind in den Senioreneinrichtungen auf große Resonanz gestoßen.“ Das Veronikaheim, das Schwarzwaldwohnstift sowie das Erich-Burger-Heim wollten teilnehmen. Auch auf der Seite der Ehrenamtlichen, die die Rikschas steuern, sei die Bereitschaft zur Mitwirkung hoch: Bei einem ersten Treffen hätten 15 Personen ihr Interesse bekundet, für Ausfahrten bereitzustehen, so Andreas.

Lutz Jäckel (FDP) berichtete, dass Ende des vergangenen Jahres eine Bürgerin auf ihn zugekommen sei und von dem tollen Projekt geschwärmt habe. Schnell sei er ebenfalls davon infiziert gewesen. Er sprach von einer Möglichkeit, die ältere Generation, die in der Corona-Zeit abgehängt worden sei, wieder ein Stück weit zurück ins gesellschaftliche Leben zu führen: „Es ist ein kleiner Beitrag mit vielleicht großer Auswirkung.“

Natürlich brauche es Vorbereitung und Schulungen. Regelmäßige Wartungen seien verpflichtend. Es gebe auch Gespräche mit dem Ziel, dass Fahrradhändler die technische Seite abdeckten.

Zur Finanzierung durch die Stadt gab es kritische Töne

Quer durch die Fraktionen war von einer guten Sache die Rede. Das Aber kam von den Freien Wählern. Karl Ehinger erinnerte an das Haushaltsdefizit von mehr als sieben Millionen Euro. Das Rikscha-Angebot sei sicher eine Freiwilligkeitsleistung, in den neun anderen Kommunen in Baden-Württemberg mit „Radeln ohne Alter“ finanziere das nicht die Stadt.

Der Begriff Nachhaltigkeit wird oft inflationär verwendet.
Karl Ehinger, Freie Wähler

Dass der Nachhaltigkeitsfonds genutzt werde, sei zumindest diskutabel: „Der Begriff Nachhaltigkeit wird oft inflationär verwendet. Da versteht man anderes drunter, als Rikschas zu finanzieren.“

Jokerst hielt dem entgegen, dass der Nachhaltigkeitsfonds eben den Zweck habe, Projekte zu fördern, nicht Pflichtaufgaben zu finanzieren. Zudem zählten Dinge wie soziale Inklusion und Gesundheit sehr wohl zur Nachhaltigkeit.

FW-Antrag abgelehnt

Johannes Moosheimer legte für die FW nach: „Es gibt auch andere Projekte und Themen für den Fonds, die noch nicht genehmigt sind. Wir könnten das Geld auch anders verwenden.“ Die Idee sei grundsätzlich gut, müsse aber nicht aus der Stadtkasse bezahlt werden. Er beantragte, zunächst nur eine Rikscha anzuschaffen und die Resonanz abzuwarten. Das wurde bei sechs Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.

Eine gute Geschichte soll man nicht zerreden, sondern machen.
Georg Feuerer CDU-Fraktionsvorsitzender

Die große Mehrheit sah es wie Georg Feuerer (CDU): „Eine gute Geschichte soll man nicht zerreden, sondern machen.“ Peter Hirn (SPD) sah es als „Herausforderung an uns alle, weitere Sponsoren zu finden“, Walter Seifermann (GAL) sprach von einer „interessanten Sache für Fahrer und Gefahren“.

Johannes van Daalen (CDU) brachte die Information ein, dass solche Rikschas in seiner holländischen Heimat günstiger zu haben seien und Peter Teichmann (GAL) erweiterte spontan den Kreis der interessierten Fahrer: „In der Vorlage waren es 15 Fahrer, jetzt sind es 16.“

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