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Erster Tätigkeitsbericht im Gemeinderat

Rathaus Bühl: Neue Frauenbeauftragte fordert Dienstvereinbarung gegen sexuelle Belästigung

Die neue Frauenbeauftragte fordert mehr Chancengleichheit im Bühler Rathaus. Gleichzeitig will sie mehr Frauen für Kommunalpolitik begeistern und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bekämpfen.

Zu viele Männer: Die neue Bühler Frauenbeauftragte Marie Kämpf will mehr Frauen im Gemeinderat. Das erklärte sie dem Gemeinderat in ihrem Tätigkeitsbericht. Foto: Ulrich Coenen

Es ist der erste Tätigkeitsbericht der neuen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. Marie Kämpf stellt dem Bühler Gemeinderat in einer Powerpoint-Präsentation vor, wie sie sich in den vergangenen sieben Monaten seit ihrer offiziellen Vorstellung in der Stadtverwaltung und in ihre Themen eingearbeitet hat.

Kämpf erklärt dem Kommunalparlament und Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW), was im Rathaus besser werden muss. Sie fordert eine regelmäßigere Beteiligung an Personalauswahlverfahren, um die berufliche Chancengleichheit voranbringen und die gleiche Teilhabe in Positionen zu verbessern. Gleichzeitig regt sie Personalentwicklungsverfahren und Qualifizierungsprogramme für Frauen in Führungspositionen an. Ein weiteres wichtiges Thema für Kämpf ist eine Dienstvereinbarung im Hinblick auf sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

Als wichtige Veranstaltungen in Bühl nennt Kämpf, die Frauenwirtschaftstage bei USM in Kooperation mit städtischen Wirtschaftsförderung. Auf dem Programm stehen ebenfalls der Workshop „Überzeugend auftreten und argumentieren“ am 30. November und der Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. Auch die „Orange the World Aktion“ des Frauen-Serviceclubs Zonta nennt sie. Infotreffen für Interessierte gibt es am 18. und 19. Oktober.

Frauenbeauftragte will mehr Frauen für Kommunalpolitik begeistern

Grundsätzlich will Marie Kämpf Netzwerke ausbauen und Beratungsangebote erweitern. Sie plant ebenfalls Prävention und Workshops zum Thema häusliche Gewalt und möchte entsprechende Handlungsstrategien entwickeln. Wichtig ist es aus Kämpfs Sicht, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern. „Wenn ich mich hier so umschaue...“, sagt sie, während sie ihren Blick durch den meist mit Männern besetzten Gemeinderat im Friedrichsbau schweifen ließ. Kämpf bereitet mit Blick darauf ein Programm vor, das sich an interessierte Frauen richtet.

Die Reaktionen auf die Präsentation sind rundweg positiv. Oberbürgermeister Schnurr spricht von einem „sehr engagierten Vortrag“. Vor allem Kämpfs Ankündigung, mehr Frauen für Kommunalpolitik begeistern zu wollen, stößt auf großes Interesse.

Das hört sich nach viel Arbeit an.
Georg Feuerer, Fraktionsvorsitzender CDU

„Das hört sich nach viel Arbeit an“, urteilt Georg Feuerer (CDU) im Hinblick auf den ausführlichen Vortrag mit breitem Themenspektrum. „In der Kommunalpolitik würden uns mehr Frauen gut zu Gesicht stehen. Wir werden Sie unterstützen.“ Yvonne Zick (FW) nennt Netzwerken ein bedeutendes Thema. Mehr Frauen in der Kommunalpolitik sei eine wichtige Aufgabe, die sicher von allen Stadträten und Fraktionen unterstützt würde.

Beate Gässler (GAL) lobt den „lebhaften Bericht“. Kämpf habe sich in ihren Aufgabenbereich gut eingearbeitet. „Wir wünschen Ihnen engagiertes Anpacken“, sagt Gässler.

Gewalt gegen Frauen: FDP-Gemeinderat kritisiert Istanbul-Konvention

Lutz Jäckel (FDP) dankt für den „tollen Vortrag“, kritisiert aber die Istanbul-Konvention, also das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Dabei geht es ihm nicht um die Inhalte, sondern um den Namen. „Weil Frauen in der Türkei sehr leiden“, meint Jäckel. „Auch bei uns gibt es Nachholbedarf.“ Er wisse das, weil seine Ehefrau im Frauenhaus tätig war.

Timo Gretz (SPD) spricht ebenfalls das Thema häusliche Gewalt an. Es habe allein in Baden-Württemberg im Jahr 2020 13.800 Fälle gegeben. „Das ist eine beachtliche Zahl“, konstatiert Gretz. „Da muss unbedingt etwas gemacht werden.“ Gretz berichtet, dass die Polizei an einem aufwendigen Gefährdungsmanagement arbeite.

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