Skip to main content

Bürgermeister nimmt Stellung

Früher Kurhotel, seit acht Jahren Ruine: Wie geht es mit "Hundseck" weiter?

Das Kurhaus Hundseck ist spätestens seit dem Teilabriss im Jahr 2012 ein Dauerbrenner der Kommunalpolitik. Eine Lösung für die hässliche Ruine an der Schwarzwaldhochstraße zeichnet sich nicht ab.

Der Abriss des ehemaligen Kurhauses Hundseck begann am 20. November 2012. Die Probleme sind seitdem nicht kleiner geworden. Foto: Ulrich Coenen

Zeichnet sich endlich eine Lösung für die hässliche Ruine an der Schwarzwaldhochstraße ab? Unser Redaktionsmitglied Ulrich Coenen sprach mit dem Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer.

Gibt es seit der geplatzten Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Baden-Baden am 5. Dezember eine neue Entwicklung?

Pfetzer: Eigentlich nicht, wir warten. Die Zwangsversteigerung wurde auf Betreiben des Landkreises Rastatt und der Stadt Bühl, die im Rahmen unserer Verwaltungsgemeinschaft zuständige Baurechtsbehörde ist, als Gläubiger ausgesetzt. Es gilt nun eine Frist von sechs Monaten, in der die Gläubiger einen Fortsetzungsantrag stellen müssen. Die Zwischenzeit will ich nutzen, um Lösungen zu finden, die wir in den letzten Jahren nicht gefunden haben. Wir müssen abwarten, was in dieser Hinsicht passiert.

Wir kommen an die Eigentümer nicht ran

Kann die Gemeinde Ottersweier überhaupt irgendetwas bewirken? Oder haben Sie nur das Pech, dass diese Ruine auf Ihrer Gemarkung liegt und müssen mit dem Schandfleck leben?

Pfetzer: Wir sind größtenteils nur Vermittler. Wir sind nicht Eigentümer und kommen an die Eigentümer leider auch nicht ran. Diese werden überhaupt nicht tätig, weder am Grundstück noch am Gebäude. Sie lassen alles verrotten und sind für uns nicht erreichbar. Es ist schlichtweg unmöglich, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Sie fühlen sich auch nicht bemüßigt, in Kaufverhandlungen mit Interessenten einzusteigen. Zumindest schlägt bei uns niemand auf. Diese völlige Untätigkeit macht es so schwierig. Schwierige Eigentumsverhältnisse gibt es auch bei anderen Grundstücken, weil sich die Eigentümer nicht immer gleich einig sind, wie es weitergehen soll. Normalerweise findet man aber eine Lösung und dann geht es weiter. Hundseck ist bedauerlicherweise ein sehr spezieller Fall.

Wie ein Damoklesschwert

Was macht die Situation so schwierig?

Pfetzer: Das Grundbuch ist durch die Eintragung vieler Rechte und Gläubiger völlig verpfuscht. Es sind viele Verfahrensbeteiligte eingetragen, mit denen sich ein potenzieller Käufer herumschlagen müsste. Das größte Problem ist aber die Auflassungsvormerkung aus dem Jahr 2008. Die beiden türkischen Eigentümer haben Hundseck damals an zwei Landsleute verkauft, der Kaufpreis floss, aber der Eigentumswechsel wurde nicht vollzogen. Die Einforderung dieser Vormerkung schwebt wie ein Damoklesschwert über einem möglichen Käufer.

Jürgen Pfetzer ist Bürgermeister der Gemeinde Ottersweier. Foto: Ulrich Coenen

Was tut die Gemeinde konkret, um den Gordischen Knoten zu durchschlagen?

Pfetzer: Wir führen seit mehr als einem Jahr hinter den Kulissen intensive Gespräche, über die ich aber öffentlich nicht sprechen kann, um diese kleine Hoffnung nicht zu zerstören. Es ist sehr mühsam.

Rückgabe an Natur ist unwahrscheinlichste Variante

Was wäre Ihr Wunsch für Hundseck?

Pfetzer: Die Rückgabe des Grundstücks an die Natur, die beispielsweise auch die BNN in Kommentaren gefordert haben, ist die unwahrscheinlichste Variante. Niemand wird Hundseck für teures Geld kaufen, die Ruine abreißen und entsorgen, um dort grüne Wiese zu machen. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wer Hundseck kauft, wird dort etwas Neues machen wollen.

Könnte das Land Hundseck nicht kaufen und das Gelände der Natur zurückgeben?

Pfetzer: Auch das kann ich mir nicht vorstellen. Dann müsste das Land noch viele andere Objekte, nicht nur an der Schwarzwaldhochstraße, kaufen.

Das Heft des Handelns in der Hand

Wie könnte eine Lösung für Hundseck aussehen?

Pfetzer: Dass die Restgebäude abgerissen werden müssen, ist klar. An dieser Stelle gibt es seit dem 19. Jahrhundert ein Gasthaus. Wieso also sollte dort nichts Neues entstehen? Das muss nicht unbedingt in der Größenordnung des ehemaligen Kurhauses sein. Diese Auffassung der Gemeinde teile ich auch jedem potenziellen Investor mit. Die Gemeinde wird jeden ernsthaften Interessenten, der zum Beispiel in Richtung Tourismus mit Hotel, Pension, Gastronomie oder auch mit Ferienwohnungen tätig werden will, begleiten. Wir sind bereit, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. So haben wir das Heft des Handelns in der Hand. Gemeinsam mit dem Investor können wir festlegen, welche Nutzung wir da oben realisieren. Das dient auch einem Investor als Sicherheit. Das hat außerdem den großen Vorteil, dass der Eigentümer bei einer möglichen späteren Nutzungsänderung die erneute Zustimmung der Gemeinde braucht. So kann nichts entstehen, was dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zuwiderläuft.

Lösung nur mit gutem Willen aller

Nun liegt das ehemalige Kurhaus Hundseck im Außenbereich, wo eine Bebauung eigentlich nicht erwünscht ist.

Pfetzer: Alle beteiligten Behörden von Landkreis über Regierungspräsidium bis hin zu den Landesministerien haben uns zugesagt, dass man einem ernsthaften Investor keine Steine in den Weg legen wird. Im Regionalplan sind auf Hundseck Einrichtungen für Tourismus zulässig. Eine Nachfolgebebauung für das Kurhaus Hundseck ist mit gutem Willen aller zu beteiligenden Behörden möglich. Die Fachbehörden warten gemeinsam mit uns auf einen ernsthaften Investor. Ich habe die Regierungspräsidentin um Unterstützung gebeten, damit sie in diesem Fall alle beteiligten Abteilungen ihres Hauses an einen Tisch holt. Davon gehe ich felsenfest aus.

Wie geht es jetzt weiter?

Pfetzer. Dieses Interview wird sicherlich nicht der letzte Beitrag über Hundseck sein, der in dieser Zeitung erscheint. Garantiert nicht.

nach oben Zurück zum Seitenanfang