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Trockene Sommer lassen Quellen versiegen

Gemeinderat Bühl diskutiert: Klimawandel gefährdet Trinkwasserversorgung am Oberrhein

Der Klimawandel gefährdet die Trinkwasserversorgung am Oberrhein. Die Quellen im Schwarzwald geben im trockenen Sommer zu wenig Wasser, der Grundwasserspiegel sinkt teilweise. Der Zweckverband Wasserversorgung Bühl und Umgebung sucht Lösungen.

Das Quellwasser wird knapp: (von links) Stadtwerke-Geschäftsführer Reiner Liebich, OB Hubert Schnurr und Stadtwerke-Geschäftsführer Rüdiger Höche kontrollierten im Sommer 2018 den Hochbehälter Rappenberg. Damit wächst die Bedeutung des Grundwassers. Foto: Ulrich Coenen

Es ist ein Horrorszenario: Wird das Trinkwasser im Oberrheingraben wegen des Klimawandels knapp? Der Oberrhein ist mit rund 45 Milliarden Kubikmeter einer der bedeutendsten Trinkwasserspeicher Europas, dennoch machen sich die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Bühl Sorgen.

Aus diesem Grund beschäftigte sich der Bühler Gemeinderat mit einem Strukturgutachten des Zweckverbands Wasserversorgung Bühl und Umgebung, in dem dieses Thema aufgegriffen wird.

Dem Zweckverband gehören neben der Stadt Bühl auch die Gemeinden Ottersweier und Bühlertal an, die sich am 8. beziehungsweise 9. Februar ebenfalls mit dieser Problematik auseinandersetzen werden.

Ein Pfeiler der Wasserversorgung wackelt

„Ich hätte nie gedacht, dass im Rheingraben einmal Wassermangel auftreten könnte,“ meinte Karl Ehinger (FW). „Aber unsere Bevölkerung wächst, und der Wasserbedarf steigt.“ Rüdiger Höche, einer der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke, beruhigte: „Wenn wir alle im Strukturgutachten vorgesehen Maßnahmen umsetzen, sind wir auf der sicheren Seite.“

Wegen der trockenen Sommer wackelt in den vergangenen Jahren mit dem Quellwasser aus dem Gebirge ein wichtiger Pfeiler der Trinkwasserversorgung in der Region. So geben die Quellen in heißen Sommermonaten etwa 30.000 Kubikmeter Wasser, während es in guten Monaten sonst bis zu 75.000 sind. Insgesamt ist die Quellwasserschüttung, die bis zur Mitte des Jahrhunderts die gesamte Bevölkerung versorgt hat, bereits seit Jahren leicht rückläufig.

Damit wächst die Bedeutung der Grundwasservorräte in der Ebene. Doch auch die sind wegen des Klimawandels und der immer länger werdenden Trockenperioden im Sommer nicht mehr so sicher wie früher. Höche berichtete, dass der Grundwasserpegel südlich von Bühl jährlich um 26 Zentimeter falle. „Die Wassermenge, auf der wir sitzen, wird nicht ewig so bleiben“, warnte er.

Wir müssen mit unseren Ressourcen vorsichtiger umgehen.
Rüdiger Höche, Geschäftsführer Stadtwerke Bühl

„Das Strukturgutachten gibt uns die notwendigen Handreichungen“, meinte Peter Hirn (SPD). Im Hinblick auf die starken Niederschläge der vergangenen Wochen fragte er: „Hat es genug geregnet, um den Grundwasserspiegel anzuheben?“ „Eine Schlechtwetterperiode über Ostern hinaus wäre nicht schlecht“, antwortete Höche. „Wir müssen mit unseren Ressourcen vorsichtiger umgehen.“

Konzepte gefordert, um Wasser zu sparen

Ludwig Löschner (GAL) hielt Wassersparen für dringend geboten und ging davon aus, dass der Wasserpreis angesichts der teuren Investitionen in die Infrastruktur steigen werde. Im Hinblick auf die Qualität des Grundwassers warnte er vor Nitrat und Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft. Höche bestätigte, dass der Wasserpreis nach den im Strukturgutachten vorgesehenen Investitionen in die Höhe gehen muss – und zwar um zwei bis fünf Cent pro Kubikmeter. In Sachen Nitrat gab er Entwarnung. Dieses Problem schwinde seit rund 15 Jahren.

„Wasser ist ein Grundnahrungsmittel“, ergänzte Walter Seifermann (GAL). “Wir müssen das Geld in die Hand nehmen, weil der Klimawandel real ist. Wenn uns das Wasser ausgeht, wäre das eine Katastrophe.“

Lutz Jäckel (FDP) konstatierte: „Wasser ist ein kostbares Gut und eigentlich zu billig. Die angedachten Lösungen sind der richtige Weg und dringend erforderlich. Wir brauchen Konzepte, wie wir die Verbraucher zum Wassersparen bringen.“

Stadtwerke suchen vertragliche Lösung

Georg Feuerer (CDU) berichtete, dass der Grundwasserspiegel, den er seit Jahren in seinem Keller messe, noch nicht besorgniserregend sei. Dass Brunnen aus der Mitte der 1960er Jahre ersetzt werden müssten, fand er ebenfalls normal. Im Hinblick auf die geplante Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Am Alten Brunnen (Lichtenau, Rheinmünster) überlegte er, ob eine Fusion sinnvoll sei. „Wir werden vertragliche Lösungen finden“, versprach Höche.

Magret Burget-Behm (CDU) nannte das Trinkwasser, das am besten kontrollierte Lebensmittel und eine wesentliche zivilisatorische Leistung. Johannes Moosheimer (FW) forderte einen sparsamen Umgang mit dem „wichtigen Gut“.

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