Skip to main content

Baden-Baden

Geroldsauer Mühle: Ende Februar ist Testlauf mit drei Tonnen schwerem Wasserrad geplant

Die Idee gab es schon lange: ein Wasserkraftwerk für die Geroldsauer Mühle. Derzeit wird die Anlage gebaut. Läuft alles nach Plan, dreht sich Ende April ein rund drei Tonnen schweres Wasserad am Grobbach schon einmal zur Probe. Ende März oder Anfang April soll das Wasserkraftwerk dann auch Strom erzeugen.

An dieser Stelle am Grobbach wird das Mühlrad der Geroldsauer Mühle aufgebaut - voraussichtlich Ende Februar. Foto: Bernd Kamleitner
An die alte Geroldsauer Mühle kann sich Martin Weingärtner noch genau erinnern. Zumindest an deren Existenz als Gaststätte zu seiner Jugendzeit. „Als kleiner Junge war ich dort bei Festen und Familienfeiern“, erzählt der 55-Jährige. Auf dem Areal der einstigen Getreidemühle, die später als Gaststätte und zuletzt als Hotel betrieben wurde und zunehmend verfiel, ist mit der neuen Geroldsauer Mühle in Regie der Familie Weingärnter ein Magnet entstanden, der um eine Attraktion reicher wird: Das imposante Gebäude aus Tannenholz erhält am Grobbach ein Mühlrad, mit dem aus Wasserkraft Strom erzeugt werden soll.

Damit wird der umweltfreundliche Energiemix für das Gebäude abgerundet wird. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Rad Ende März oder Anfang April zur Stromerzeugung in Betrieb gehen. Die Wasserkraft hat Weingärtner schon als 25-Jährigen fasziniert. Damals nutzte er das bestehende Wasserrecht auf dem Familiengelände der damaligen Sägemühle seines Großvaters und baute am Kanal das wohl erste Wasserkraftwerk in Baden-Baden – alles in eigener Regie.

Aus Steinen der alten Geroldsauer Mühle wurde der Kanal für das Wasserkraftwerk gebaut. Renate und Martin Weingärtner nehmen den Wasserlauf in Augenschein. Foto: Aus Steinen der alten Geroldsauer Mühle wurde der Kanal für das Wasserkraftwerk gebaut. Renate und Martin Weingärtner nehmen den Wasserlauf in Augenschein.

Als 25-Jähriger baute er sein erstes Wasserkraftwerk

„Das war mein erster Schritt in die spätere Selbständigkeit“, blickt er auf das Jahr 1989 zurück. Heute ist die mittlerweile hochmoderne Turbinenanlage Energieerzeuger für die dort mit Hauptsitz ansässige Unternehmensgruppe Weingärtner, und speist überschüssige Energie in das Netz der Stadtwerke.

Mühlrad war von Anfang an die Idee

Der Betrieb der neuen Mühle, die auch als Tor zum Schwarzwald bezeichnet wird, geht inzwischen in das fünfte Jahr. „Ein Mühlrad war schon von Anfang die Idee“, sagt Weingärtner und verweist auf die Tradition auf dem Areal. Derzeit wird das Projekt realisiert und damit geht für ihn ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung.

Ein Magnet an der B500 in Baden-Baden-Geroldsau: die Geroldsauer Mühle. Foto: Bernd Kamleitner

Wasserkraftwerk soll den Grundlaststrom erzeugen

Für die Energieversorgung der Geroldsauer Mühle wird so ein weiteres Zeichen gesetzt. Schon jetzt wird mit einer Fotovoltaikanlage Strom produziert, außerdem ist für das Gebäude eine Luftwärmepumpe im Einsatz. Weil sich das Mühlrad künftig Tag und Nacht drehen wird, kann mit dem so erzeugten Strom die Grundlast für die Mühle mit Wirtshaus, Mühlenmarkt und den vier Doppelzimmer und zwei Suiten abgedeckt werden.

Ein Zeichen setzen

Was an zusätzlichem Strom verbraucht wird, soll als grüne Energie bezogen werden. „Ich kann damit nicht die Welt retten, aber ein Zeichen setzen“, begründet Weingärtner sein Engagement, das er in die Rubrik Vorreiterfunktion einordnet: „Wir müssen alle im Kleinen anfangen!“ Ein Bildschirm soll künftig die Besucher darüber informieren, wie viel Strom gerade aus Wasserkraft und über Fotovoltaik erzeugt und wie der Verbrauch gemanagt wird.

Weitere Optimierungen sind geplant

Wenn sich weitere Stellschrauben ergeben, den Energieverbrauch zu senken, wird auch das angegangen. „Wir wollen weiter optimieren“, verweist Weingärtner auf seine Philosophie.

Wenn alles nach Plan läuft, geht das neue Wasserkraftwerk an der Geroldsauer Mühle Ende März oder Anfang April in Betrieb. Foto: Bernd Kamleitner

Über eine Wehranlage mit Fischtreppe wird das Wasser vom Grobbach abgezweigt und über einen etwa 350 Meter langen offenen Kanal zum so genannten Einlaufbauwerk geleitet. Der Kanal entstand zum Großteil aus alten Steinen der früheren Mühle. Seine Söhne haben sie aus dem alten Bauwerk gesichert und in den Semesterferien im Sommer im neuen Kanal verarbeitet.

Rad hat Durchmesser von 4,20 Meter

Das Wasser wird ein so genanntes oberschlächtiges Wasserrad antreiben, das meistverbaute seiner Art im Schwarzwald. So wurden schon früher Mühlen oder Sägegatter angetrieben. Das rund drei Tonnen schwere Rad mit einem Durchmesser von stolzen 4,20 Meter wird aus Lärchenholz sein, die Speichen aus Eichenholz. „Beim Bau orientieren wir uns an alten Fertigungstechniken“, erläutert Weingärtner.

Spezialist aus Bayern liefert die Teile

Das Mühlrad kommt in Einzelteilen von einem Spezialisten aus Bayern und wird vor Ort zusammengebaut. Bislang liegt das Projekt gut im Zeitplan. Bleibt das so, kann sich das Rad vermutlich Ende Februar schon einmal leer drehen. Spätestens dann ist die Geroldsauer Mühle um eine weitere Attraktion reicher.

nach oben Zurück zum Seitenanfang