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Defizit von über einer Million Euro

Defizite von Musikschule und Mediathek sorgen bei Bühler Haushaltsberatungen für Unmut

Bühl ist neuerdings knapp bei Kasse. Bei den Haushaltsberatungen kritisierten die Stadträte Mediathek und Musikschule. Dort ist das Defizit besonders hoch.

Die Zukunft der Mediathek rückte bei den Haushaltsberatungen in Bühl in den Mittelpunkt. Das preisgekrönte Gebäude wurde vor zwei Jahrzehnten eröffnet. Foto: Ulrich Coenen

Die Begeisterung bei Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) und Bürgermeister Wolfgang Jokerst (Grüne) hat sich sichtlich in Grenzen gehalten. Die Stadtkasse ist nach Einbruch der Gewerbesteuer bekanntlich leer und die Stadträte versuchten während der Haushaltsberatungen Löcher zu stopfen.

Mediathek und Musikschule gerieten dabei in ihr Visier. Das Defizit der Musikschule beträgt laut Haushaltsentwurf für das Jahr 2022 rund 662.000 Euro, bei der Mediathek ist es knapp über eine Million Euro.

„Der Zuschussbedarf für die Musikschule steigt“, stellte Walter Seifermann (GAL) im Verwaltungsausschuss fest. „Wir sollten das Defizit in Grenzen halten und nicht aus dem Ruder laufen lassen. Das gilt übrigens auch für Mediathek und Bürgerhaus.“ Klaus Dürk, Leiter des Fachbereichs Bildung – Kultur – Generationen, wies auf die Folgen der Pandemie hin. Im Hinblick auf Corona sei die Musikschule mit einem „blauen Auge“ davongekommen.

Kann sich Bühl die Mediathek in der jetzigen Form noch leisten?

„Wir haben unsere Schüler halten können, obwohl Werbeveranstaltungen wie Tage der offenen Tür nicht möglich waren“, berichtete er. Dürk erklärte, dass mittelfristig fünf hauptamtliche Lehrer in den Ruhestand gehen. In diesem Bereich könne man an der Stellschraube drehen, weil das Personal die wesentlichen Ausgaben ausmache.

Auf Nachfrage konkretisierte Jokerst: Die Stadt könne die festangestellten Lehrer durch neue Tarifkräfte ersetzen oder eben andere Möglichkeiten suchen. Neben Festangestellten beschäftigt die Musikschule Honorarkräfte.

„Können wir uns die Mediathek in der jetzigen Form noch leisten?“, fragte Georg Schultheiß (FW). Er empfahl zusätzliche Nutzungen in das Gebäude zu integrieren, beispielsweise gewerblicher Art. „Der Zuschuss ist sehr mächtig“, meinte er. „Wir müssen uns die Mediathek leisten“, konstatierte Seifermann.

„Ich habe allerdings gehofft, dass wir durch die Selbstverbuchungsanlage für ausgeliehene Medien mindestens eine Stelle einsparen.“ Das sei nicht eingetreten. Die Verwaltung müsse sich über das Personal Gedanken machen. Georg Feuerer (CDU) schlug vor, Räume in der Mediathek für die Schulsozialarbeit zu nutzen. Jeder Quadratmeter koste Geld, meinte er im Hinblick auf die Fläche des Gebäudes. Wegen der Digitalisierung sei der Raumbedarf inzwischen weniger groß.

Personal ist pädagogisch viel stärker gefordert.
Wolfgang Jokerst, Bürgermeister

Jokerst schaltete sich ein: „Wenn gleich drei Fraktionen das wünschen, werden wir im Haushaltsausschuss darstellen, was das Personal der Mediathek tut. Es ist nicht mehr dieselbe Arbeit wie vor zehn Jahren. Das Personal ist pädagogisch viel stärker gefordert. Wenn der Gemeinderat meint, diese Arbeit sei nicht sinnvoll, müssen wir darüber reden.“

Diskussion um Mediathek in Bühl: So argumentieren die Fraktionen

Lutz Jäckel (FDP) betonte: „Die Mediathek ist ein Grundpfeiler unseres Bildungssystems. Wenn wir dort sparen, schneiden wir ganze Bevölkerungsschichten von der Bildung ab.“ Natürlich könne man über Einsparpotenzial nachdenken, beispielsweise im Hinblick auf die Öffnungszeiten.

„Außer dass die Fassade dringend gestrichen werden muss, ist unsere Mediathek ganz wunderbar“, konstatierte Peter Hirn (SPD). „Wir sind froh, dass wir sie haben. Was heißt gewerbliche Nutzung? Soll da vielleicht ein Versicherungsbüro rein? Ich finde solche Vorschläge befremdlich.“

Karl Ehinger (FW) konterte: „Ich bin ein Freund von Büchern, aber die jungen Leute steigen nun einmal auf digitale Medien um. Deshalb brauchen wir in der Mediathek viel weniger Platz für Bücher und können das Gebäude anders nutzen.“

Erneut meldete sich Bürgermeister Jokerst zu Wort: „Das Gebäude heißt nicht Bücherei, sondern Mediathek. Wir werden Ihnen im Ausschuss alles vorstellen, was sich unsere Mediathek auf die Fahnen geschrieben hat.“

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