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Sprach- und Buchkindergarten

Im evangelischen Kindergarten in Bühl steht Lesen hoch im Kurs

Möglichst früh sollen im Kindergarten der evangelischen Johannes-Gemeinde die Kinder für das Lesen begeistert werden. Dafür ist er mit dem „Gütesiegel Buchkindergarten“ ausgezeichnet worden.

Vorlesestunde: Birgit Kronberg im Kindergarten der evangelischen Johannesgemeinde in Bühl. Foto: Mareike Schnurr

Sprache ist der Schlüssel. Ein Schlüssel, der viele Türen zu öffnen mag: ins Reich der Geschichten, der Fantasie, zur Bildung und damit auch zur Arbeitswelt. Als Erzieherin und Sprachfachkraft im Kindergarten der evangelischen Johannes-Gemeinde in Bühl weiß Birgit Kronberg das sehr gut. Dort werden die Kinder auf besondere Weise möglichst früh für das Lesen begeistert. Das hat nun auch eine Jury festgestellt, die dem Kindergarten das „Gütesiegel Buchkindergarten“ verliehen hat.

Dahinter stehen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Deutsche Bibliotheksverband. 165 Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet waren eingegangen, 74 Einrichtungen haben das Gütesiegel erhalten. In der Region waren es neben dem Bühler Kindergarten auch der Kindergarten Regenbogen in Steinbach und das Scherer Kinder- und Familienzentrum in Baden-Baden. Über die Vergabe entschied eine Fachjury, bestehend aus Fachleuten der unterschiedlichsten Bereiche wie etwa Buchhandlungen, Bibliotheken, Fachjournalisten, Autoren, Hochschuldozenten, Erzieher und Pädagogen. Der Johannes-Kindergarten in Bühl hatte zum ersten Mal an dem zum zweiten Mal ausgelobten Wettbewerb teilgenommen.

Es sollen alle Kinder die gleichen Startchancen haben.
Birgit Kronberg Erzieherin und Sprachfachkraft

Für Birgit Kronberg und Pfarrer Götz Häuser hat das Thema Sprache einen zentralen Stellenwert. Denn es gehe um mehr als „nur“ die Freude am Lesen, an Bildern und Sprache, die geweckt werden könnten; es gehe auch um die Chancengleichheit: „Es sollen alle Kinder die gleichen Startchancen haben, wenn sie in die Schule kommen“, sagt Birgit Kronberg. Bedeutsam ist dies gerade mit dem Blick auf die etwa 40 Prozent an Kindern, bei denen im Johannes-Kindergarten nicht Deutsch als Muttersprache haben.

Deshalb unternimmt der Kindergarten einiges, und nicht erst für das Gütesiegel. Seit neun Jahren nimmt er am Bundesprogramm „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ teil. Der Buchkindergarten erscheint als logische Konsequenz des Sprachkindergartens. Die Kinder sollen Lesen und Vorlesen als Bereicherung erleben. Im gemütlich eingerichteten Lesezimmer ist nach der Mittagspause Vorlesezeit. Bücher jeder Art stünden zur Auswahl, auch solche in Leichter Sprache, die mit einfachen Wörtern, kurzen Sätzen und Bildern arbeitet. Auch dialogisches Lesen sei wichtig, sagt Kronberg, die so die Kinder zum Sprechen animieren möchte.

Für die Schulanfänger steht stets ein Gang zur Mediathek auf dem Programm. Dort lernen sie die Einrichtung kennen; zurück im Kindergarten wird über Lieblingsbücher gesprochen. In diesem Jahr ließ die Corona-Pandemie den Besuch nicht zu. Dafür hat Kronberg das Angebot im Kindergarten noch intensiviert. So hat sie eine Eltern-Kind-Bücherei eingerichtet, die auch solchen Kindern einen Zugang zur Welt der Bücher bieten soll, die diesen zuhause aus welchen Gründen auch immer nicht haben: „Wir wollen die Begeisterung für das Lesen nicht nur so früh wie möglich, sondern auch bei so vielen Kindern wie möglich wecken.“ Über das Internet konnten auch ganze Büchertaschen geordert werden.

Auf dem Weg zum Familienzentrum

Wichtig ist Kronberg und Häuser, dass die Kinder nicht nur passive Konsumenten, sondern aktiv sind: „Sie lernen Fragen zu stellen und Geschichten in der Fantasie weiterzuentwickeln“, sagt Häuser. „Wenn wir gemeinsam Bilderbücher betrachten, werden auch eigene Geschichten entwickelt“, ergänzt Kronberg, und auch Rollenspiele gebe es. Hier hat die Vorstellungskraft freie Bahn, ganz anders als etwa bei Märchen: „Wenn ich die erzähle, muss alles sein wie immer, da darf es keine Abweichung geben.“

Häuser sieht im „Gütesiegel Buchkindergarten“ einen weiteren Schritt in Richtung Familienzentrum. Das ist das Ziel, das die Gemeinde anstrebe. Sie wolle über den Kindergarten hinaus auch Angebote für Eltern und Familien entwickeln: „Dieses Thema beschäftigt uns aktuell sehr.“ Auch beim Lesen, bei der Sprache gehe der Blick nicht nur auf die Kleinen: „Das Vorbild der Eltern ist auch wichtig. Alles, was vorgelebt wird, ob bei der Sprache oder der Musik, ist positiv.“

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