Skip to main content

Ersatz für ausgefallene Filmnächte

Im Netz geht es per Film in das Bühl von 1960

Erst Sturmwarnung, dann Corona: Die Historischen Filmnächte beim Bühler Stadtmuseum mussten zuletzt zweimal ausfallen. Als Ersatz und pünktlich zur Ausgangssperre hat das Stadtgeschichtliche Institut jetzt eine Filmchronik von 1960 ins Netz gestellt. Sie bietet viele Besonderheiten.

Einzug in die neue Schule: 1960 konnte die heutige Aloys-Schreiber-Schule bezogen werden. Dies ist eines von vielen Themen der Filmchronik. Foto: Stadtgeschichtliches Institut Bühl

Die Historischen Filmnächte des Fördervereins Stadtmuseum/Bühler Menti sind Publikumsmagnete. Hunderte Besucher gehen beim Stadtmuseum in der Schwanenstraße Jahr für Jahr mit auf die Reise in vergangene Bühler Jahrzehnte.

Dass die Veranstaltung sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr ausfallen musste – erst wegen einer Sturmwarnung und dann wegen Corona – mochte Michael Rumpf nicht so einfach akzeptieren: „Wenn die Leute nicht zum Film kommen können, kommt der Film eben zu ihnen“, sagt der Leiter des Stadtgeschichtlichen Instituts.

So kam es zur Idee, eine filmische Chronik des Jahres 1960 via Internet zugänglich zu machen. Unter www.buehl.de/historisches ist der 42-minütige Streifen zu sehen. Dass die Wahl auf 1960 und nicht auf 1970 fiel – bei der Filmnacht werden stets zwei Jahre beleuchtet –, begründet Rumpf ganz einfach: „1960 fand ich am schönsten.“

Der Zwetschgenfestumzug - erstmals in Farbe

Außerdem zeigten die Ausschnitte den wirtschaftlichen Aufschwung jener Jahre: „Da ging ordentlich was ab.“ Und noch etwas mache die Aufnahmen zu etwas Besonderem: Erstmals seien Farbaufnahmen vom Zwetschgenfestumzug zu sehen.

Rumpf sprach einen Text zu den einzelnen Szenen ein, Musikschul-Leiter Bernhard Löffler spielte an der Orgel der Bühler Pfarrkirche St. Peter und Paul die dezente musikalische Begleitung ein, und Rumpfs Sohn Tom machte als Kamera- und Filmfachmann daraus die fertige Jahreschronik.

Sie hat Mehrwert auf verschiedenen Ebenen: In Zeiten einer Ausgangssperre bietet sie ein bisschen Unterhaltung, Bühlern, die noch nicht allzu viele Jahre auf dem Buckel haben oder zugezogen sind, zeigt die Chronik, wie die Stadt einst ausgesehen hat, sie ermöglicht reizvolle Vergleiche zur Gegenwart – und die Älteren erleben manche freudige Überraschung, wenn sie an Dinge ihrer Jugend erinnert werden.

Der Pavillon im Stadtgarten etwa ist bei Generationen von Schülern eine Legende, auch wenn das Treiben dort anderen Kreisen ganz und gar nicht behagte. Das Kopfkino springt an und begleitet die Filmszenen mit eigenen Erinnerungssequenzen. Das gilt nicht minder für die Obstmarkthalle. Die beiden Gebäude stehen dabei gar nicht im Mittelpunkt, sie sind „Randfiguren“.

Der Herr von Welt behält den Hut auch im Auto auf

Dies zeigt aber auch, wie lohnend der Blick zur Seite ist. Vielleicht erkennt sich auch der eine oder die andere wieder beim Einzug in die neue Volksschule, die später den Namen Aloys-Schreiber-Schule bekommen soll. Und immer wieder sind diese Filme ein Fest für Oldtimer-Freunde: Die Einweihung eines weiteren Teilstücks des Zubringers von Bühlertal zur Autobahn bietet eine reich gedeckte Tafel – inklusive eines Schmunzelns: „Der Herr von Welt behält den Hut auch im Auto auf“, kommentiert Michael Rumpf.

Dazu kommen besondere Ereignisse wie das Diözesan-Landjugendtreffen mit Festredner Otto von Habsburg oder die Einweihung der Gaststätte auf der Burg Windeck, die Manfred Fischer nach dem Kauf des gesamten Areals hatte bauen lassen. Und einen kleinen Aha-Effekt gibt es auch noch: 700 Fernsehgeräte waren 1960 im Bereich des Postamts Bühl registriert, doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

„Natürlich fehlt das Zusammenkommen“, sagt Rumpf. Das gemeinsame Diskutieren über die Bilder auf der Leinwand liefere oft weitere Puzzleteile zur Erinnerung. Sehenswert ist die Jahreschronik aber allemal.

Und wer ganz genau hinhört und rasch reagiert, kann ein Buch gewinnen. Beim Einsprechen des Kommentars ist ein Fehler unterlaufen. Wer ihn als Erster per Mail stgi.stadt@buehl.de ans Stadtgeschichtliche Institut meldet, erhält eine Bühler Stadtchronik, verspricht Rumpf.

nach oben Zurück zum Seitenanfang