Skip to main content

Parallelgesellschaften verhindern

Integrationsbeauftragte berichtet dem Bühler Gemeinderat über ihre Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten

Die Zahl der Flüchtlinge nimmt wieder zu. Allein in diesem Jahr werden in Bühl weitere 35 Neuankömmlinge erwartet. Im nächsten Jahr sollen es bis zu 80 Menschen sein.

Integration ist das Ziel: Larissa Mohr unterrichtet in Bühl einen Orientierungskurs. Im Mittelpunkt stehen deutsche Politik, Geschichte und Kultur. Das Foto wurde im November 2020 aufgenommen. Foto: Ulrich Coenen

Was war trotz Corona möglich und notwendig? Diese Frage hat Bürgermeister Wolfgang Jokerst (Grüne) in der Sitzung des Gemeinderats formuliert. Die Integrationsarbeit fällt in das Dezernat des Ersten Beigeordneten, so dass der Bericht der Integrationsbeauftragten Lisa Horcher für ihn einen besonderen Stellenwert hat. Nach wie vor leben 187 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften.

„Ziel ist es, eine strukturierte Integrationsarbeit für alle Menschen mit Migrationshintergrund und eine Willkommens- und Anerkennungskultur in Bühl aufzubauen“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Am Aufbau der Strukturen arbeitet die Stadt seit 2015. Wie das in der Praxis aussieht, schilderte Horcher.

In den vergangenen Wochen seien drei Flüchtlingsfamilien in Bühl angekommen. „Das war mit einem hohen Aufwand verbunden“, sagte Horcher. „Die Familien wurden nur vier Tage vorher angekündigt und mussten am Flugplatz abgeholt werden. Es gab viel zu organisieren. Tafel und Kleiderkammer haben uns bei der Erstausstattung unterstützt.“

Spielgruppe für Flüchtlingskinder im Schülerhort

Es gibt aber auch längerfristige Probleme. Nach Auskunft von Horcher sind die Kitaplätze knapp. Aus diesem Grund wurde für die Flüchtlingskinder eine Spielgruppe im Schülerhort gegründet. Die soll ab Januar stattfinden.

Die Integrationsbeauftragte stellte die Eckpunkte ihre Arbeit vor. Das ist vor allem die sprachliche Integration, zu der neben den Integrationskursen auch Alphabetisierungskurse gehören. Die Kinder sollen frühzeitig an das deutsche Bildungssystem in den Kitas und Schulen herangeführt werden.

Für die Erwachsenen gibt es eine berufliche Integration. Für die gesellschaftliche Integration sorgen verschiedene Einrichtungen wie die Interkulturelle Woche oder das Café International.

Besonders wichtig ist aus Horchers Sicht der Unterstützerkreis, der aus 67 Mitgliedern und fünf Arbeitsgruppen (Sprache, Arbeit, gesellschaftliche Integration, Wohnen, Patenschaften) besteht. Wegen der Pandemie mussten zahlreiche Veranstaltungen auf online umgestellt werden. Dazu gehört auch die Hausaufgabenhilfe für Kinder.

Integrationsarbeit tut uns als Stadt und Gesellschaft gut.
Hubert Schnurr, Oberbürgermeister

Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) sprach von einer „tollen Arbeit“. „Diese tut uns als Stadt und Gesellschaft gut“, meinte er. Georg Feuerer (CDU) stellte fest, dass es in Zeiten der Pandemie schwer sei, gute Integration zu leisten. Vor diesem Hintergrund sei das Engagement von Lisa Horcher besonders zu würdigen.

„Seit sechs Jahren sind wir mit der Flüchtlingsprobelmatik konfrontiert“, sagte Peter Hirn (SPD). „Wir leisten in Bühl enorm viel und bieten tolle Projekte.“ Johannes Moosheimer (FW) fand es gut, dass die Unterschiede zwischen den Kulturen bei der Integrationsarbeit aufgearbeitet werden.

Auf seine Frage nach der Zahl der Flüchtlinge, die Bühl mittelfristig aufnehmen müsse, antwortete Martin Bürkle, der zuständige Fachbereichsleiter Bürgerservice – Sicherheit – Recht im Rathaus, dass er in diesem Jahr noch mit 35 Neuankömmlingen rechnet. Im nächsten Jahr habe die Stadt 73 bis 80 Flüchtlinge unterzubringen.

Walter Seifermann (GAL) merkte an, dass Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. „Diese ist in Deutschland viele Jahre sträflich vernachlässigt worden“, stellte er fest. Das habe zu Problemen geführt.

„Aber was wären wir ohne Pizza, Döner und Gyros?“, fragte Seifermann. Karl Ehinger (FW) lobte das starke Engagement und die wichtigen Projekte der Integrationsbeauftragten. „Tun wir das nicht, besteht die Gefahr von Parallelgesellschaften mit entsprechendem sozialen Sprengstoff“, warnte er.

Lutz Jäckel (FDP) hob vor allem die zahlreichen Kooperationen hervor, die die Integrationsbeauftragte eingegangen ist. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen und Einrichtungen sei sehr wichtig. „Je früher wir mit der Integrationsarbeit beginnen, umso besser“, urteilte Jäckel und fand nur ein passendes Wort. „Weitermachen!“

nach oben Zurück zum Seitenanfang