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Minischlachthof wird eingerichtet

Jäger im Raum Bühl müssen Wild in Kammer zerlegen

Das geschossene Wild dürfen die Jäger wegen der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest derzeit nicht mehr im Bühler Schlachthof zerlegen, hat das Kreisveterinäramt angeordnet. Als ein schwieriges Unterfangen erwies sich die Organisation einer ersatzweisen mobilen Wildkammer.

Standort für Mini-Schlachthof: Das Wildfleisch aus der Jagd soll bis spätestens Anfang August in einem Container mit Kühlzelle auf diesem Geländestreifen nahe der Kläranlage Vimbuch verarbeitet werden. Foto: Joachim Eiermann

Die Afrikanische Schweinepest ist in der Region zwar noch nicht aufgetreten, lastet aber dennoch auf der Jagd. So gestattet das Kreisveterinäramt den Jägern nicht mehr, ihr geschossenes Wild in einem Nebenraum des Bühler Schlachthofs zu zerlegen.

Damit soll verhindert werden, dass der Erreger von Wild- auf Nutzschweine überspringen könnte.

Ersatzweise eine mobile Wildkammer für die Jägerschaft zu organisieren, erwies sich als schwieriges Unterfangen.

Kühlzelle im XXL-Format

Doch bis Ende Juli oder spätestens Anfang August soll eine solche Einrichtung zur Verfügung stehen, hofft der städtische Forstabteilungsleiter Martin Damm. Dann werde es Jägern aus 15 Bühler Revieren möglich sein, in einem speziell ausgestatteten Kühlhäuschen das Fleisch von Schwarz-, Rot- oder Rehwild aufzubereiten. Profitieren werden vornehmlich jene Waidmänner, denen dafür bislang keine eigenen oder nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Die Lücke füllt eine XXL-Kühlzelle mit sogenanntem Zerwirkraum des Spezialherstellers Feldmeier aus dem Emsland. Installiert wird der rund 7,50 lange und 2,50 Meter breite Mini-Schlachthof in Containerbauweise am Rad- und Wirtschaftsweg zwischen Bühl und Vimbuch nahe der L85 in Höhe des Klärwerks.

Direkt nebenan befindet sich in einer Einzelgarage die „Wildverwahrstelle“ des Veterinäramts – auch diese entstand vor dem Hintergrund eines möglichen Ausbruchs der Tierseuche.

Die Nachfrage ist enorm

„Wir rechnen mit bis zu 400 Stück Wild jährlich, die in der Wildkammer zerlegt werden“, wagt Damm eine grobe Schätzung. Die Nachfrage nach einer solchen Einrichtung sei jedenfalls enorm. Darin könne das Fleisch gemäß den hohen Hygiene-Anforderungen etwa 24 bis 36 Stunden zur Reifung abhängen, danach wird das Wildbret portioniert und gekühlt.

Ein Jäger, der von Beruf Metzger ist, stehe für die Leitung des Mini-Schlachthofs bereit und könne im Bedarfsfall Anleitung geben oder seine Dienste zur Verfügung stellen.

Zuschuss vom Land

Die Kosten für Strom, Wasser und Abschreibung werden kostendeckend umgelegt. Vorgesehen sind eine jährliche Pauschale pro Jagdpächter sowie Einzelgebühren pro Nutzung.

Die Anschaffung und Installation der mehr als 50.000 Euro teuren Wildkammer finanziert die Bühler Jagdgenossenschaft aus Eigenmitteln sowie einem Zuschuss des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz von circa 22.000 Euro.

Titel des Förderprogramms: „Verbesserung der jagdlichen Infrastruktur und der Wildbret-Vermarktung“.

Gewinn für alle Seiten

Der Forstabteilungsleiter spricht von einer Win-win-Strategie im dreifachen Sinne. Nur wenn ein Jäger über ausreichend Verarbeitungs- und Absatzkapazitäten verfüge, werde er auch bereit sein, vermehrt zu schießen. Ihm werde mit der Wildkammer ein Hemmnis genommen.

Davon profitierten wiederum die Grundstückseigentümer durch einen Rückgang von Wildschäden. „Und letztlich gewinnt auch der Konsument“, erläutert der Forstabteilungsleiter. So lasse sich im Mini-Schlachthof das Fleisch sogleich an Ort und Stelle für den Endverbraucher vakuumieren.

Es gibt Jägerinnen

Die Jagd in den Wäldern rund um Bühl ist, am Rande bemerkt, durchaus kein ausschließlich männliches Hobby mehr. Martin Damm antwortet auf die Gender-Frage: „Ja, es gibt auch Jägerinnen.“ Bei den aktuellen Vertragspartnern der Stadt Bühl, den Jagdpächtern, handele es sich jedoch weiterhin ausschließlich um Männer.

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