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Jahresrückblick - April bis Juni

Jobs bei Schaeffler und Bosch bedroht: Kein gutes Jahr für die Autostadt Bühl – und jetzt?

Bühls große Arbeitgeber Schaeffler und Bosch stecken seit dem Dieselskandal in der Krise. Viele Jobs sind bedroht. Die reiche Stadt Bühl kann sich längst nicht mehr alles leisten.

In der Krise: Schaeffler ist der größte Arbeitgeber der Stadt Bühl. Bei den Automobilzuliefern sind zahlreiche Jobs bedroht. Foto: Ulrich Coenen

Für die beiden größten Bühler Arbeitgeber war es kein gutes Jahr. Schaeffler und Bosch stecken seit dem Dieselskandal tief in der Krise. Bei den beiden Automobilzuliefern sind zahlreiche Jobs bedroht, alleine 1.000 bei Bosch. Bei Schaeffler sollen ebenfalls mehrere hundert Stellen abgebaut werden.

Die schlechten Nachrichten häuften sich bereits 2019, zunächst bei Schaeffler. Damals musste Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) nach dem Einbruch der Gewerbesteuer um zehn Millionen Euro eine Haushaltssperre verhängen. Für die wohlhabende Stadt war klar, dass die fetten Jahre, in denen man sich alles leisten kann, vorbei sind.

Die Nachricht, dass der Bau des neuen Entwicklungszentrums für Elektromobilität in Bühl verschoben wird, kam im Mai 2019 dennoch völlig überraschend. 60 Millionen Euro wollte das Unternehmen in das Prestigeprojekt investieren. In dem Neubau sollte mit der Elektromobilität die Forschung für die Zukunft einen Platz finden. Gerade deshalb saß der Schock in Bühl tief und die Angst um die Jobs wuchs.

Die Stimmung hat sich in diesem Jahr weiter eingetrübt. Die Vertrauensleute der IG Metall (IGM) bei Schaeffler forderten im Februar mehr Solidarität. „Die Belegschaften werden standortübergreifend gegeneinander ausgespielt“, erklärte Werner Schmitt, der gleichzeitig Betriebsrat ist, im Hinblick auf drohende Verlagerungen nach Osteuropa damals gegenüber dieser Zeitung. „Während auf der einen Seite Stellen abgebaut werden, holt die Unternehmensleitung jetzt Leiharbeiter ins Haus“, berichtete David Springmann, Vertrauenskörperleiter und Sprecher des Gremiums.

Aufhebungsverträge bei Schaeffler in der Kritik

Auch die mit finanziellen Anreizen versüßten Aufhebungsverträge, mit denen der Konzern 340 Stellen in Bühl abbauen wollte, standen in der Kritik. „Die Personalgespräche mit den Vorgesetzten, die ihre Mitarbeiter aus diesem Anlass ansprechen, verlaufen zum Teil sehr kontrovers“, kommentierte Schmitt das sogenannte „Freiwilligkeitsprogramm“. Immerhin wurden zum Jahresende die reduzierten Pläne für das Entwicklungszentrum wieder aus der Schublade geholt. Wann gebaut wird, bleibt aber offen.

Im Juli ging der Ärger weiter. Schaeffler-Angestellte in Bühl erhalten angeblich zu wenig Geld. Das Defizit soll im Vergleich zu anderen Unternehmen der Automobilbranche, für die es einen Flächentarifvertrag gibt, in Einzelfällen bis zu 20.000 Euro pro Jahr ausmachen. Ein Infoblatt des Betriebsrates nannte insgesamt 1.918 Angestellte, die betroffen sind. Petra Wolf, Pressesprecherin bei Schaeffler in Bühl, wies alle Vorwürfe zurück. Maja Reusch, zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Offenburg, stellte fest, dass die Grundgehälter bei Schaeffler historisch bedingt in vielen Fällen deutlich unter dem Flächentarifvertrag liegen.

Es wird aber nicht einfach und es wird weh tun.
Maja Reusch, 2. Bevollmächtigte IG Metall

Dann krachte es auch bei Bosch. Eine Betriebsversammlung endete im Juli im Eklat und musste abgebrochen werden. Auf einer Pressekonferenz am 6. Oktober wurde es offiziell. Der Doppelstandort Bühl/Bühlertal, an dem 3.800 Menschen arbeiten, will nach Auskunft des kaufmännischen Werkleiters Ulrich Vogel insgesamt 1.000 Stellen abbauen. Das entspricht 700 Vollzeitjobs.

Fensterheber-Motoren sollen in Serbien gebaut werden

Gehen sollen 330 Mitarbeiter im Werk Bühl, 50 in Zentralfunktionen und weitere 330 in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung. Von diesen sind alleine 240 in der Entwicklung beschäftigt. Gleichzeitig gab Vogel eine Garantie für den Standort Bühl/Bühlertal ab, der aber kleiner und innovativer werden solle. Jobs, die in Bühl und Bühlertal verschwinden, werden nach Osteuropa verlagert.

Dies gilt sowohl für die Fertigung der Fensterheber-Motoren, die nach Serbien gehen soll, als auch für die Entwicklung. IGM und Betriebsrat kündigten Widerstand an. „Wir sind nicht bereit, die Zeche für Fehlentscheidungen des Managements zu tragen“, sagte Betriebsratsvorsitzender Klaus Lorenz.

Am Ende eines „spannenden Jahres“ zieht Maja Reusch Bilanz. „Die Transformation ist in der Region angekommen“, stellt sie im Gespräch mit dieser Redaktion fest. Grundsätzlich sieht die IGM-Funktionärin Bühl gut aufgestellt. „Es wird aber nicht einfach und mitunter auch weh tun“, befürchtet sie. Im Vergleich sieht sie die Entwicklung bei Schaeffler positiver als bei Bosch. Bei der Verlegung der Scheibenwischer-Motoren nach Osteuropa gehe es ausschließlich darum, kostengünstiger, und nicht besser, zu produzieren.

„Insgesamt schaue ich optimistisch in die Zukunft“, meint Reusch. „Für den einzelnen Mitarbeiter kann die Situation aber schwierig werden. Die Unternehmen müssen mehr in Fortbildung investieren.“

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