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Rede beim Neujahrsempfang

Jürgen Pfetzer setzt in Ottersweier auf das Miteinander

Den Auftakt des kommunalpolitischen und gesellschaftlichen Jahres ist in Ottersweier der Neujahrsempfang. Bürgermeister Jürgen Pfetzer nutzte ihn, um auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und für ein Umdenken zu werben.

Wie es sich gehört: Wenn das Badnerlied beginnt, erheben sich die Gäste des Ottersweierer Neujahrsempfangs. Foto: Lienhard

Wenn Jürgen Pfetzer zum Rednerpult schreitet, dürfen die Gäste des Neujahrsempfangs eine besondere Rede erwarten. Der Ottersweierer Bürgermeister möchte nicht den Chronisten geben, der längst bekannte Projekte und Entscheidungen auflistet, oder den Ankündiger, der darüber informiert, wie viele Euros in welcher Straße verbuddelt werden. Stattdessen lenkt er den Blick gerne auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen, gerade solche, die ihm nicht behagen.

Bürgermeister Jürgen Pfetzer bei der Neujahrsansprache. Foto: Lienhard

Denkanstöße zur Selbstreflexion

Damit gibt Pfetzer immer wieder Denkanstöße, die dazu dienen können und es wohl auch sollen, das eigene Handeln selbstkritisch zu reflektieren. In der Unzhurster Sport- und Festhalle, in die Pfetzer zu seinem 20. Neujahrsempfang als Ottersweierer Bürgermeister geladen hatte, zitierte er Vorhersagen von Kindern aus dem US-Staat Montana, die 1984 auf Initiative einer Tageszeitung erzählt hatten, wie sie sich das Leben im Jahr 2020 vorstellten. Manches davon sei eingetroffen, anderes glücklicherweise nicht.

Zu Euphorie ist kein Anlass

Insgesamt müsse aber konstatiert werden, „dass die Probleme der Menschheit nicht weniger geworden sind, ganz im Gegenteil“. Zu Euphorie ist demnach kein Anlass, auch wenn die Ottersweierer Original Burg-Windeck-Musikanten unter der Leitung von Friedel Seifert mit „Euphoria“ von Martin Scharnagel das musikalische Programm begonnen hatten.

Die Original Burg-Windeck-Musikanten unter der Leitung von Friedel gaben dem Empfang die musikalische Note. Foto: Lienhard Foto: None

Träumen ist erlaubt

Schön wäre es, gäbe es eine Woche lang nur gute Nachrichten, meinte Pfetzer und textete zur Erheiterung seiner Zuhörer gleich passende Schlagzeilen: „Wie Phönix aus der Asche: Kurhaus Hundseck erstrahlt in neuem Glanz“ oder „Bürgermeister jubelt: Unbekannter spendet drei Millionen Euro für die Sanierung der Sporthalle Ottersweier“. Träumen sei erlaubt, die Wirklichkeit aber sehe anders aus. Pfetzer konstatierte einen schwindenden Zusammenhalt in der Bevölkerung.

Manches macht den Bürgermeister fassungslos

Dass mittlerweile Gaffer und das Blockieren einer Rettungsgasse schärfer bestraft werden müssen, dass Rettungskräfte für mehr Respekt auf die Straße gehen müssen, das macht Pfetzer offensichtlich fassungslos: „Wenn der Gesetzgeber korrigierend und sanktionierend eingreifen muss, weil Gepflogenheiten und Selbstverständlichkeiten des Zusammenlebens nicht mehr funktionieren, läuft dann nicht etwas gewaltig schief in unserer Gesellschaft? Wie krank ist es, Hilfskräfte in Ausübung ihrer Tätigkeit zu bedrohen?“ Wenn in einer Umfrage zwei Drittel der Befragten den Eindruck hätten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt schwach sei, sei das ein Alarmsignal, das man nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen dürfe.

Gemeinsam wurde das symbolische Backwerk angeschnitten, Foto: Lienhard Foto: None

"Empathie prägt unser Umfeld"

Was aber tun? Pfetzer forderte dazu auf, gerade zu Hause Empathie vorzuleben: „Wie wir uns anderen gegenüber verhalten, das prägt unser Umfeld und unsere Kinder.“ Der sprichwörtliche Kitt, der Menschen verbinde, bestehe „aus zwischenmenschlichem Vertrauen und der Entwicklung sozialer Netzwerke, der Identifikation mit dem Gemeinwesen und dem Vertrauen in Institutionen bis hin zu Solidarität, Hilfsbereitschaft und sozialer Teilhabe“.

Viele positive Beispiele in Ottersweier

In Ottersweier gebe es dafür viele Positivbeispiele. Pfetzer erwähnte die „tollen Vereine“, die 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, die Besuchsdienste der Kirchengemeinden, den DRK-Einkaufsservice oder auch das Dorfbott-Projekt in Unzhurst. Er wolle damit zeigen „dass es doch geht, dass man sich erfolgreich im Kleinen gegen eine zunehmende Ellbogenmentalität in unserer Gesellschaft wehren kann“. Das alles falle aber nicht einfach vom Himmel: „Wenn unsere schöne und lebendige Gemeinde nicht zum Museum oder zur reinen Schlafgemeinde verkommen, sondern ein lebendiger Lebensmittelpunkt bleiben soll, dann müssen viele den Hintern hochbekommen und sich aktiv in ein vielfältiges Gemeinwesen mit all seinen Facetten einbringen."

Großen Zuspruch fand der Neujahrsempfang in Unzhurst. Foto: Lienhard Foto: None

Jeder Einzelne ist gefragt

Jeder Einzelne könne dazu beitragen, und so solle man das Jahr nutzen, über den Beitrag nachzudenken, „das bewährte Miteinander in unserer dörflichen Gesellschaft zu stärken“. Und wenn es gelinge, die Mitmenschen als Partner und nicht als Gegner zu begreifen, „wenn wir zuhören und verstehen, dann wird der Begriff Ellbogenmentalität in Ottersweier ein Fremdwort sein“.

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