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Forschungsprojekt

Junge Leute in Bühl-Weitenung wollen in Wohngemeinschaften leben

Ein Forschungsprojekt der Hochschule Kehl befragt Bürger im Bühler Stadtteil Weitenung nach ihrer Wohnsituation. Das Ergebnis soll in die Planung eines Neubaugebiets einfließen.

Weitenung Pfarrkirche
Weitenung ist Bühls zweitgrößter Stadtteil. Im Dorf leben rund 2.000 Menschen. Das Foto zeigt im Hintergrund die katholische Pfarrkirche Heilig Blut.  Foto: Ulrich Coenen

Die Zukunft Weitenungs steht im Blickpunkt. Studenten der Hochschule Kehl haben ein Konzept für eine „moderne und zeitgerechte Quartiersentwicklung“ in Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Daniel Fritz (CDU) erarbeitet. Dabei geht es vor allem um das geplante Baugebiet Brachfeld am östlichen Dorfrand. Es umfasst rund 3,5 Hektar.

Tom Rohleder als Leiter der Arbeitsgruppe stellte das abgeschlossene Forschungsprojekt gemeinsam mit seinen Kommilitoninnen im Gemeinderat vor. Fritz, der gleichzeitig Mitglied des Gemeinderates ist, führte ins Thema ein. „Wie kann die Bebauung der Zukunft aussehen?“, fragte er. „Wir haben die Bürger befragt, um festzustellen, ob die im Ortschaftsrat entwickelten Ideen richtig sind.“

Fritz sieht vor allem zwei Zielgruppen. Das sind einerseits die jungen Leute zwischen 18 und 30 Jahren, auf der anderen Seite die Über-55-Jährigen. „Für diese Menschen besteht in Weitenung aktuell ein Wohnbedarf, den wir nicht abbilden können“, meinte der Ortsvorsteher. Die Alten ziehen weg, weil sie keine seniorengerechten, barrierefreien Wohnungen finden. „Durch die Untersuchung der Hochschule sind viele Dinge bestätigt worden, die wir vermutet haben“, erklärte Fritz. Das bestätigte Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW). „Es handelt sich um wichtige Erkenntnisse, die wir bei der Erschließung des Baugebiets Brachfeld berücksichtigen können.“

Die Studentinnen und Studenten haben die Weitenunger befragt. Dabei kam heraus, dass in der jüngeren Zielgruppe 60 Prozent zur Nachbarschaftshilfe bereit sind. Sie können sich auch Gemeinschaftsräume wie Bad, Garten oder Waschräume vorstellen. Auch verschiedene Wohnformen sind gewünscht. Wohngemeinschaften und Mehrgenerationenwohnen wurden genannt. Vor allem aber sind Zwei- bis Dreizimmerwohnungen gesucht.

Die Weitenunger wollen ihren Nachbarn helfen

In der älteren Zielgruppe sind 80 Prozent bereit, aktiv Nachbarschaftshilfe zu leisten und anzunehmen. Gemeinschaftsräume sind ebenfalls vorstellbar. Genannt wurden unter anderem Garten und Waschräume. Großes Interesse besteht an Service-Wohnungen, weil viele Menschen im Alter nicht durch Angehörige gepflegt werden.

Die jüngere Zielgruppe forderte in der Umfrage einen Ausbau des ÖPNV mit einer anderen Taktung und günstigeren Preisen. Auch ein Spätbus wurde angeregt. Neben Car-Sharing wird ein Ausbau der Fahrradwege, bezahlbarer Wohnraum und ein Supermarkt in Weitenung gefordert.

In der älteren Zielgruppe sprachen sich einige Teilnehmer gegen ein Neubaugebiet aus. Sie wollen Baulücken nutzen. Ein besseres Betreuungsangebot, ein Supermarkt und ein besseres gastronomisches Angebot wurden ebenfalls genannt.

Georg Feuerer (CDU) fand die Umfrageergebnisse nicht überraschend. Sie seien typisch für Dörfer. Er setzte aber ein Fragezeichen hinter Mehrfamilienhäuser. „Das ist ein weiter Begriff“, meinte er. „Sind die dann noch dorftypisch?“

Wir haben nach verschiedenen Wohnformen gefragt.
Daniel Fritz
Ortsvorsteher (CDU)

„Wir haben lediglich nach verschiedenen Wohnformen gefragt“, sagte Fritz. „Ob ein Haus drei- oder fünfstöckig ist, war nicht Thema. Es ging in der Umfrage um die gemeinsame Nutzung von Räumen und gemeinsames Wohnen.“

Ländlicher Raum braucht individuelle Mobilität

„Wir haben Dinge erfahren, die wir auf jeder Einwohnerversammlung hören“, konstatierte Karl Ehinger (FW). Auch Lutz Jäckel (FDP) meinte: „Das ist keine Überraschung. Wir bewegen uns eindeutig im ländlichen Raum. Individuelle Mobilität ist hier notwendig. Erfreulich ist, wie viele Menschen zur Nachbarschaftshilfe bereits sind.“

Ludwig Löschner (GAL) bezeichnete die Citylinie als große Errungenschaft. „Wir müssen da dranbleiben, um sie zu verbessern“, sagte er. „Doch werden die Bürger sie bei einer besseren Vertaktung auch mehr nutzen. Ich wünsche mir mehr Nutzer.“

Barbara Becker (SPD) stellte im Hinblick auf die im Bühler Gemeinderat häufig geführte Flachdach-Debatte fest: „Den Streit der 1930er Jahre müssen wir nicht wieder aufmachen.“ Flachdächer seien als Dachterrassen, zur Begrünung und für Photovoltaik geeignet. Becker ging auf alternative Wohnformen ein. Ihr Sohn könne sich so etwas vorstellen. „Es gibt Leute, die wollen beispielsweise gemeinsam einen alten Bauernhof bewohnen“, berichtete sie. „Dafür müssen Möglichkeiten geschaffen werden.“

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