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Informationsmarathon zur Zukunft

Kampf um Bosch-Standort Bühl: Betriebsrat bringt Geschäftsleitung und Arbeitnehmer zusammen

Es ist ein Jahrestag - und zwar ein eher trauriger: Der Betriebsrat des Bosch-Standort Bühl/Bühlertal hat am Mittwoch die Geschäftsleitung dazu verdonnert, aktuelle Informationen zur Zukunft zu nennen. Die Info-Runde davor liegt genau ein Jahr zurück.

Die Bühler Bosch-Mitarbeiter vor der Kundgebung im Sommer 2020. Das Thema Standort-Perspektiven bleibt aktuell. (Archivfoto) Foto: Bernhard Margull

Die Verhandlungen über die Zukunft des Bosch-Standorts Bühl/Bühlertal dauern an. Seit einem Jahr diskutieren Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertreter über mögliche Änderungen. Jetzt hat das Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in drei Betriebsversammlungen über den Stand der Verhandlungen informiert - drei deshalb, weil alle drei Schichten einbezogen werden sollten, wie der Betriebsratsvorsitzende Klaus Lorenz auf Anfrage der Redaktion erklärt.

Ende Juli des vergangenen Jahres hatte der ABB Pläne öffentlich gemacht, wonach der Doppelstandort von einem erheblichen Personalabbau betroffen sein könnte. Die Rede war von bis zu 1.700 Arbeitsplätzen, die nach Serbien verlagert werden sollten.

In der Folge protestierten bei einem Sternmarsch Bosch-Beschäftigte gegen diese Pläne, auch Mitarbeiter von Schaeffler und Kaba Dorma schlossen sich an. Eine gemeinsame Kundgebung beim Bürgerhaus Neuer Markt folgte.

Wir stehen zum Standort Bühl/Bühlertal.
Ulrich Vogel, Kaufmännischer Werkleiter

Dass ein Jahr später noch keine Ergebnisse verkündet werden können, zeigt wohl auch, was auf dem Spiel steht, von „großen Herausforderungen in den Verhandlungen“ spricht der kaufmännische Werkleiter Ulrich Vogel. Er versicherte: „Wir stehen zum Standort Bühl/Bühlertal. Er bleibt ein wichtiger Entwicklungs-, Industrialisierungs- und Fertigungsstandort für den Bosch Geschäftsbereich Electrical Drives. Auch in Zukunft ist er Hauptsitz des Geschäftsbereichs Electrical Drives und weltweites Kompetenz- und Ausbildungszentrum.“

Betriebsversammlungen für alle drei Schichten

In den Betriebsversammlungen am Mittwoch - die letzte fand in der Nacht zum Donnerstag statt - habe die Firmenleitung versichert, dass die Standortvereinbarung weiterhin Gültigkeit habe, sagte Firmensprecherin Simone Pfauz. Das heißt: „Es wird bis Ende 2025 keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“ Gleichzeitig müsse aber auch klar sein, dass sich der Standort verändern müsse, er müsse wieder wettbewerbsfähiger und innovativer und damit zukunftsfähig werden.

Bühl und Bühlertal blieben aber auf jeden Fall der Hauptsitz des Geschäftsbereichs Electrical Drives, und sowohl Entwicklung als auch Produktion sollen hier angesiedelt bleiben. Allerdings solle der Standort kleiner werden. Aktuell werde über eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl um 700 Vollzeitstellen nachgedacht. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, die Verhandlungen dauerten an.

Pfauz versicherte, dass dieser bis 2025 geplante Stellenabbau sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen solle. „Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern haben wir das Ziel, den Standort zukunfts- und wettbewerbsfähig aufzustellen und attraktiver Arbeitgeber in der Region zu bleiben“, sagte Vogel.

Bisher jüngste Information der Firmenseite vor genau einem Jahr

Für Betriebsratschef Klaus Lorenz und sein Team ist es eigentlich ein trauriger Jahrestag. Denn letztmals in Sachen Bühler Bosch-Standort äußerte sich die Firmenseite am 21. Juli 2020. Deshalb habe man nun die zuständigen Vertreter des Unternehmens „gezwungen, dass sie sagen, was Sache ist.“

Wir fordern eine Zukunft und Perspektiven für den Bosch-Standort Bühl/Bühlertal.
Klaus Lorenz, Betriebsratschef

Der Kern der Botschaft der Arbeitnehmervertretung ist klar: „Wir fordern eine Zukunft und Perspektiven für den Bosch-Standort Bühl/Bühlertal.“ Und deshalb holte der Betriebsrat die Entscheider auch wieder an den Tisch - wie gesagt zu einem echten Info-Marathon.

Diskussionen halten seit Monaten an

Diverse Gedankenspiele des Weltkonzerns mit Blick auf Bühl/Bühlertal sorgen seit Monaten für Diskussionen in der Belegschaft und halten Arbeitnehmervertretung samt Gewerkschaft auf Trab. Ein Thema war die bereits genannte Idee, Arbeitsplätze nach Serbien zu verlagern. Aktuell ein Trend bei großen Unternehmen, die verstärkt mit Standorten auf dem Balkan liebäugeln. Bei

Bosch ging es damals um den Bereich CA (Comfort Actuators), zu dem Kleinmotoren wie Fensterheber, Sitzversteller oder Scheibenwischermotoren zählen. „Das ist seit 60 Jahren das Brot und- Butter-Geschäft unseres Standorts“, sagte der Betriebsratsvorsitzende in diesem Zusammenhang vor genau einem Jahr gegenüber der Redaktion.

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