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Hygieneregeln begrenzen die Zahl der Langläufer

Langlaufen während Corona: Herrenwies erlebt Ansturm auf die Loipen

Immer wieder Neuschnee sorgt im Langlauf-Center Herrenwies für einen Ansturm bei den Online-Reservierungen. Doch die Starterzahl im 145 Kilometer weiten Loipennetz ist begrenzt.

Ski und Service: Nach der Annahme der ausgeliehenen Langlaufski legen Mathias Reidel (links) und Mitarbeiter Jürgen Wick Hand an. Nach der Reinigung werden sie desinfiziert. Foto: Andreas Bühler

Es ist wie verflixt. Immer wieder Neuschnee, gespurte Loipen auf einem Netz von nahezu 145 Kilometern und unzählige Buchungen auf dem Online-Portal. Perfekte Bedingungen für die Betreiber des Langlauf-Center Herrenwies, wenn da nicht die Beschränkungen durch Corona wären.

Nach schneelosen Wintern ist das ein Jammer.
Mathias Reidel, Center-Betreiber in Herrenwies

„Wir können deswegen nur die Hälfte der eigentlichen Kapazität auf die Loipe schicken. Das ist nach den schneelosen Wintern ein Jammer. Dafür haben wir hier oben vor allem an den Wochenenden Chaos durch die vielen Ausflügler“, vermisst Mathias Reidel, Betreiber des Langlauf-Centers, ein vernünftiges Winterkonzept entlang der Schwarzwaldhochstraße, die trotz der gesperrten Skilifte Besucher in Massen anzieht.

Perfekte Lage für Wintersport

Nach teils völlig schneelosen Wintern freut Reidel, der zusammen mit seinem Vater die Langlauf-Aktivitäten bereits Anfang der 70er-Jahre startete, die oft perfekten Wintersportbedingungen auf den Loipen und Pisten.

„Vom Wetter her haben wir eine hohe Schneesicherheit“, sagt er, während weiße Flocken rund um die zünftige Holzhütte bei Herrenwies in der Luft tanzen. „Ich gehe davon aus, dass wir nach einer kleinen Warmfront am kommenden Donnerstag erneut Schnee bekommen und dann weitere bis zu drei Wochen hier die Leute auf die Spur schicken können.“

Buchungen nur mit Zeitfenster

Bei aller Glückseligkeit über ausreichend Schnee mit entsprechend zauberhafter Winterkulisse kann Reidel mit seiner Mannschaft von fünf Mitarbeitern nicht in Jubel ausbrechen.

„Wegen Corona haben wir eine Online-Buchung mit Zeitfenstern eingerichtet. Damit es hier nicht zu Menschenansammlungen kommt. Und wir haben den Abstand für Personen vor der Hütte auf zwei Meter ausgeweitet. Somit landen wir bei der möglichen Kapazität gerade mal bei 50 Prozent“, gibt er zu bedenken.

Schlimmer dran seien die Liftbetreiber, die mit wesentlich höheren Fixkosten zu kämpfen hätten. „Wenigstens können die jetzt für einzelne Familien stundenweise öffnen.“

Ein Konzept fehlt

„Wir sehen hier ständig Polizei im Einsatz und mindestens einmal am Tag knattert der Hubschrauber über uns hinweg, um die Lage zu sondieren. Hätten sich die Verantwortlichen vor dem Wintereinbruch zusammengesetzt und gemeinsam ein vernünftiges Konzept erarbeitet, wäre allen unterm Strich viel erspart geblieben“, fasst er zusammen.

Starker Besucherandrang

Der Druck auf das Höhengebiet sei durch die corona-bedingten sozialen Einschränkungen immens.

Wo sollen die denn hin, die raus wollen?
Mathias Reidel, Betreiber des Langlauf-Centers Herrenwies

„Ich leite das Geschäft hier seit rund zehn Jahren. Im vergangenen Jahr gab es keinen Schnee, und wir haben keinen einzigen Betriebstag gehabt. Jetzt schneit es und die Leute können nicht wie gewohnt in die Skigebiete fahren. Wo sollen die denn hin, wenn sie raus wollen?“, fragt sich der 53-Jährige. Der überwiegende Teil der Besucher stamme aus einem weiteren Radius, der sich bis Frankreich und der Schweiz erstrecke.

Ausrüstung ausverkauft

Der Langlauf-Experte bestätigt einen starken Trend zum Lauf auf der Loipe. „Dieser Sport vereint viele angenehme Aspekte und liegt nahe an dem nun allseits beliebten Walken mit Stöcken.“

Wenn nun viele Sportgeschäfte einen regelrechten Run auf die Ausrüstung verzeichneten, sei das kein Wunder, stellt Reidel fest. Das weitgehend eingestellte Alpinskifahren und beschränkte Lieferkapazitäten bei den Langlauf-Herstellern würden die Situation ebenfalls befeuern.

Großer Nachholbedarf

Mit Blick in die touristische Zukunft des Gebietes rund um die Schwarzwaldhochstraße sieht Mathias Reidel großen Nachholbedarf.

„Die Blechlawinen sind hier oben eigentlich nichts Neues. Ich habe Bilder aus den 70er-Jahren, als die Motorisierung so richtig in Schwung war. Daran hat sich eigentlich nicht viel geändert, leider“, gibt er an die Adresse der Kommunalpolitiker in den umliegenden Gemeinden, den drei Landräten und den zahlreichen Gremien der Naturverwaltungen weiter.

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