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Lange Menschenkette über die Felder

Lautstarker Protest gegen Stellenabbau bei Bosch in Bühl

Aus Protest gegen einen möglichen Stellenabbau bildeten Bosch-Mitarbeiter eine lange Menschenkette über die Felder vor dem Standort Bühl. Arbeitnehmervertreter und Standortleitung bestätigten konstruktive Gespräche über eine Jobsicherung.

Direkt vor dem Werk: Die Bosch-Mitarbeiter bildeten eine Menschenkette, die quer über die Felder bis zum neuen Betriebsgebäude an der B3 reichte. Foto: Andreas Bühler

Ein Meer von roten Mützen und roten Fahnen und deutliche Worte zum geplanten Stellenabbau: Zahlreiche Mitarbeiter machten mobil und folgen dem Aufruf der IG Metall zum lautstarken Protest vor dem Werkstor am Bosch-Standort Bühl. Per Megaphon fordern Vertreter des Betriebsrats lautstark die Einhaltung der Standortvereinbarung zur Beschäftigungssicherung.

„Eins sag ich dir, die Jobs bleiben hier“, lautete ein Motto gegen mögliche Verlagerungen nach Osteuropa. „Die Kundgebung hier ist wichtig, denn wir führen Gespräche mit der Geschäftsleitung“, erklärte Betriebsratsvorsitzender Klaus Lorenz gegenüber dem ABB. Dies bestätigte Ulrich Vogel, der als Standortleiter von „durchaus konstruktiven vertraulichen Gesprächen“ sprach.

Der Standortleiter zeigte sich zuversichtlich, „denn wir prüfen auch, ob wir neue Techniken für zukunftsträchtige Automobilkomponenten hier in Bühl fertigen können.“ Ausführliche Beratungen seien auf jeden Fall notwendig, weil weltweit im dritten Jahr in Folge die Nachfrage zurückgehe.

Es gebe deutliche Überkapazitäten auf dem Automobilsektor. Die Perspektiven seien unter dem Strich nicht schlecht. In Bühl und Bühlertal, dem Sitz des Bosch-Zweigs Electrical Drives, arbeiten rund 4.000 Mitarbeiter und fertigen wichtige elektrische Komponenten für den weltweiten Markt.

„Ich gehe davon aus, dass die Ausstattung mit Antriebsmotoren und vor allem wichtige Komponenten im thermoelektrischen Bereich bei den modernen Antrieben zunehmen werden. Das sind deutliche Chancen für mehr Beschäftigung hier vor Ort“, blickte der Standortleiter in die Zukunft.

„Es ist kurz gesprungen und dient der Sache nicht, wenn bei einem kurzfristigen Einbruch qualifizierte Mitarbeiter abgebaut werden, die beim Anziehen der Konjunktur wieder händeringend gesucht werden“, stellte ein Bosch-Mitarbeiter bei der Kundgebung im Gespräch mit der Redaktion fest.

Die Stimmung unter den Bosch-Mitarbeitern in Bühl sei deutlich angespannt, wie man unschwer an der großen Zahl der Teilnehmer erkennen könne. Kurz nach Beginn der Kundgebung reihten sich die Teilnehmer zu einer mit zahlreichen Plakaten gespickten Menschenkette , die sich quer über das nahe liegende Feld hin zum neuen Betriebsgebäude an der B3 erstreckte.

Die Vertreter von IG Metall und Betriebsrat gaben auf der Kundgebung immer wieder zu verstehen, dass sie eine coronabedingte Nachfrageflaute als notwendigen Grund für umfassende Verlagerungen von Arbeitsplätzen ins Ausland als vorgeschoben betrachten.

„Es geht vor allem um neue Antriebstechniken, um die Bewältigung der fortschreitenden Digitalisierung, welche die Arbeitswelt verändern. Wir müssen Wege finden, wie wir hier Menschen weiter qualifizieren und dadurch Beschäftigung halten können. Denn wenn die zurückgeht, fehlt das Geld im Haushalt der Stadt sowie bei der Nachfrage in den Geschäften und den anderen Betrieben“, ergänzte ein Mitarbeiter, der seit 43 Jahren für Bosch arbeitet.

Er geht davon aus, dass die Geschäftsleitung zu ihrem Wort, das sie bei der Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung gab, stehen werde. Es sei höchst problematisch, wenn Beschäftigungsverhältnisse im fortgeschrittenen Alter gekappt würden. „Ganz abgesehen von den Lebensmodellen kompletter Familien, die durch einen Abbau zerstört werden“, gibt Gewerkschaftssektretärin Nevin Akar von der IG Metall Offenburg zu bedenken.

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