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Raumluftanlagen an Bühler Schulen und Kitas

Bühl will Schulen und Kitas mit Raumluftanlagen gegen Corona ausstatten

Sie sollen ein bisschen mehr Normalität an Schulen und Kitas bringen: raumlufttechnische Anlagen. Es war ein großes Thema im Gemeinderat der Stadt Bühl.

Testzentrum: An der Bühler Aloys-Schreiber-Schule wurden unterschiedliche Verfahren ausprobiert, wie sich die Luft in den Klassenräumen verbessern lässt. Foto: Jörg Seiler

Wenn echte Praktiker sprechen und das mit Überzeugung und rhetorischer Gewandtheit, dann bekommt eine Sache noch mehr Überzeugungskraft als sie es ohnehin schon hat: So geschehen in der jüngsten Sitzung des Bühler Gemeinderats, als Barbara Becker (SPD) mit Nachdruck berichtete, wie es an vorderster Front so aussieht.

Es ging um den „Neubau von stationären raumlufttechnischen Anlagen in Einrichtungen für Kinder unter zwölf Jahren“. Was in der Verwaltungssprache einigermaßen sperrig daher kommt, ist ein elementarer Baustein für ein bisschen mehr Normalität an Bühler Schulen und Kindertageseinrichtungen.

Barbara Becker weiß definitiv, wovon sie spricht. Sie unterrichtet am Bühler Windeck-Gymnasium, konnte also eindrucksvoll berichten, wie das so ist im Unterricht mit Maske, mit Stoßlüften im Winter, wenn Schüler mit Fensterplätzen danach an den Beinen mollige 30 Grad und oben Minus Zehn haben.

Und mit Blick auf den kommenden Winter, der dringenden Notwendigkeit, etwas zu tun, meinte Becker: „Es ist uns Wurst, was für ein System wir bekommen, Hauptsache, es funktioniert.“ CDU-Fraktionssprecher Georg Feuerer äußerte denn auch nur einen Satz: Den Ausführungen von Frau Becker sei nichts hinzuzufügen.

Vom Bund gibt es nun ein aktualisiertes Förderprogramm, rund 60 Millionen Euro befinden sich in diesem Topf, mit dem der Bau sogenannter raumlufttechnischer (RLT) Anlagen gefördert werden soll.

Der städtische Hochbau-Abteilungschef Gereon Zimmer und sein Kollege Bruno Back erläuterten die Materie – laut Bund trage eine gute RLT-Anlage zur Reduktion des Viren-Anteils in der Raumluft bei. 80 Prozent der anrechenbaren Kosten werden gefördert, für jede Einrichtung müsse ein gesonderter Antrag gestellt werden. Das sei bereits getan, der Eingang bestätigt.

Stadt Bühl sieht Bedarf für RLT-Anlagen in 262 Räumen

Die Stadtverwaltung hat 27 mögliche Objekte ermittelt, es geht um insgesamt 262 Räume an Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen. Bei 30.000 Euro pro Raum summieren sich die Kosten auf knapp 7,9 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt würde gut 2,4 Millionen Euro betragen – läuft alles glatt.

Die Anmeldung erfolgt im Windhundverfahren, wer zuerst kommt, malt zuerst. Einstimmig gab der Bühler Gemeinderat der Verwaltung nun den offiziellen Segen, loszulegen. Angesichts der knappen Zeit wurden bereits wichtige Weichen gestellt.

Das Projekt würde auch eine weitere Stelle in der Hochbauabteilung erfordern. Als nächster Beschlusstermin wurde die Sitzung am 22. September genannt, vielleicht auch früher. Denn angesichts des Windhundverfahrens war der Rat durchaus skeptisch, ob – und wenn ja wie viel – Fördergeld nach Bühl fließt.

Johannes Moosheimer (Freie Wähler) sagte, die stationären Geräte funktionierten gut und fragte, wie schnell das Programm umsetzbar sei. Laut Gereon Zimmer sei ein Zeithorizont von einem Jahr „sehr sportlich“. Lutz Jäckel signalisierte Zustimmung für die FDP, es gebe keine Alternative zu den RLT.

Allerdings sei bei Land und Bund zu viel Zeit verschlafen worden, und es stehe zu befürchten, dass die Anlagen nun nicht lieferbar seien. Karl Ehinger (Freie Wähler) forderte, alle Anstrengungen zu unternehmen, um optimale Bedingungen für die Schüler zu erreichen. Dann erläuterte er in einer kleinen Physikstunde, wie solche Geräte idealerweise arbeiten müssten. Auf Anfrage von Franz Faller (Freie Wähler) erklärte die Verwaltung, die veranschlagten Kosten seien für die Installation. Die Wartung käme obendrauf.

Mobile Geräte als Alternative?

Hans-Jürgen Jacobs (CDU) befürwortete die Anträge, aber „wir bräuchten die Geräte jetzt.“ Er schätzte, dass auf die Stadt ein Eigenanteil von fünf bis sechs Millionen Euro zukomme. Wie es genau aussehe, ist laut OB Hubert Schnurr (Freie Wähler) nicht abzuschätzen.

Auch für Bernd Bross (CDU) war klar, „wir müssen etwas tun“. Bross warf ein, dass aus den 2,4 Millionen Euro Eigenanteil durchaus fünf werden könnten. Der Christdemokrat schlug vor, in Sachen RLT gegebenenfalls die Sitzung vorzuziehen. Ludwig Löschner (GAL) sagte, es seien alle Schüler wichtig, aber es werde nicht für alle reichen. Er forderte flexible Lösungen. Christian Böckeler (FDP) brachte deshalb mobile Geräte ins Spiel. Da, so Bürgermeister Wolfgang Jokers (Grüne) lege das Land ein Programm auf, und die Verwaltung sei dran.

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