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Abholservice kommt gut an

Mediathek in Bühl fördert mit neuen Angeboten die Lust am Lesen

Ein gutes Buch wird in der Corona-Zeit wieder stärker geschätzt. Das spiegelt auch die Statistik der Bühler Mediathek. Stellt sich nur die Frage: Wie kommt das Buch zum Kunden, wenn die Mediathek geschlossen bleiben muss?

Mit neuen Angeboten durchs Corona-Jahr: Marietta Ernst (links) und Julia Huber präsentieren in der Bühler Mediathek das neu eingerichtete Regal „Grünes Leben“. Foto: Wilfried Lienhard

Ein Licht in der Finsternis und ein Vergnügen in der Einsamkeit: So hat Mosche Ibn-Esra, ein andalusischer Dichter und Philosoph des 11. und 12. Jahrhunderts, das Buch charakterisiert.

Wie richtig er damit lag, können Marietta Ernst, die kommissarische Leiterin der Bühler Mediathek, und Julia Huber, im Rathaus die Abteilungsleiterin Kultur – Sport – Generationenarbeit, bestätigen.

„Die Menschen verbringen in der Pandemie mehr Zeit zu Hause, und dadurch ist das Interesse am Buch größer geworden“, sagt Ernst.

Bühler Mediathek erweitert Online-Service

Das Team der Mediathek will dem gerecht werden hat daher in den vergangenen Monaten einige Veränderungen vorgenommen. Anmeldungen sind seit Mitte Januar vollständig auf digitalem Weg möglich, der Online-Benutzerkatalog wurde komplett überarbeitet, und seit drei Wochen bietet die Mediathek ihre Version von „Click&Collect“ an.

Die Kunden suchen online die gewünschten Bücher oder andere Medien aus, bestellen sie über ein im Online-Katalog hinterlegtes Formular, per E-Mail oder telefonisch und bekommen dann einen Zeitpunkt mitgeteilt, zu dem sie ihre Bestellung abholen können: „Pro Kunde sind zehn Minuten reserviert“, informiert Ernst.

Abholzeiten sind dienstags und mittwochs zwischen 10 und 14 Uhr sowie donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr. Auf diese Weise sollen Kontakte zwischen Kunden vor dem Haus vermieden werden.

„Das hat bislang auch reibungslos geklappt und wird vom ersten Tag an sehr gut angenommen“, freut sich Huber – so gut, dass die Taktung bereits erhöht werden musste, um mehr Abholzeiten anbieten zu können.

Zahlen zeugen von großem Interesse

Das große Interesse lässt sich auch an den Zahlen aus dem vergangenen Jahr ablesen. Rund 500 Neuanmeldungen waren zu verzeichnen, was dem Vorjahresniveau entspricht – allerdings war die Mediathek von Mitte März bis Mitte Mai komplett geschlossen, und Mitte Dezember musste die Tür wieder verriegelt werden.

Entsprechend reduzierte sich die Öffnungszeit gegenüber dem Vorjahr um etwa 17 Prozent auf 920 Stunden. Die Zahl der entliehenen Medien sank im Verhältnis weniger stark, sie ging um etwas mehr als sechs Prozent auf 150.000 zurück.

Stark gestiegen ist laut Ernst die Online-Nutzung: „Im Jahr 2020 hatten wir 35.000 Ausleihen in der Onleihe, rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Onleihe-Nutzer hatten wir 977, was einer Steigerung von 15 Prozent entspricht.“

Die nackten Zahlen allein dokumentieren nicht den Aufwand, den das Team der Mediathek dafür betrieben hat. Schwierig, spannend und herausfordernd: So charakterisieren Julia Huber und Marietta Ernst die zurückliegenden Monate.

Wir hatten im Januar außergewöhnlich viele Neuanmeldungen.
Julia Huber Abteilungsleiterin Kultur

Als Mitte Mai der Betrieb nach dem ersten Lockdown wieder beginnen konnte – zunächst mit maximal zwölf, später dann 20 Besuchern gleichzeitig –, waren Einlasskontrollen und eine Einbahnstraßenregelung entwickelt worden.

Die Überarbeitung des Online-Katalogs, die Hilfestellung bei Problemen mit der Handhabung von E-Books, der Abholservice und die Umsetzung immer neuer Corona-Vorgaben – es gab reichlich Arbeit. Dies wurde und wird mit einer hohen Nachfrage belohnt: „Wir hatten im Januar außergewöhnlich viele Neuanmeldungen“, berichtet Huber.

Reiseführer zu deutschen Zielen besonders gefragt

Manche Entwicklung spiegelt sehr direkt die Corona-Zeit: Gesellschaftsspiele waren eine Zeit lang begehrt, und besonders hoch war die Nachfrage nach Reiseführern zu Zielen in Deutschland: „Da hatten wir auch Nachrüstbedarf. Wir haben das Angebot erweitert und werden das weiter tun“, sagt Huber.

Auch an anderer Stelle wurde das Angebot aktualisiert: „Wir haben bei den Krimis ausgemistet und neu bestückt“, berichtet Ernst. Es sei eine zentrale Anforderung an eine Mediathek, stets auf dem Laufenden zu sein, auszusortieren und neu einzukaufen, ergänzt Huber, der dafür zur Verfügung stehende Etat sei unverändert geblieben.

So sind viele Corona-Folgen gemeistert worden (seit Mitte Januar gehört dazu auch die Kurzarbeit in der Bildungseinrichtung), und es ist nicht ausgeschlossen, dass manche Ausnahmeregelung weiter Gültigkeit hat, wenn die Einschränkungen wegfallen.

Der Abholservice beispielsweise bedeute Mehrarbeit für das Team der Mediathek, das die Bestellungen zusammentragen muss, aber es sei denkbar, dieses Angebot auch weiterhin zu machen, sind sich Huber und Ernst einig.

Dass der Abholservice so gut laufen, „lässt uns positiv nach vorne blicken“, sagt die kommissarische Leiterin – sie hofft aber, dass die Mediathek „irgendwann mal wieder öffnen und Aufenthalt anbieten kann“.

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