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Angst um Arbeitsplatz

Benz-Werke in Rastatt und Gaggenau: Angestellte sorgen sich wegen Corona-Krise

Viele Mitarbeiter der Mercedes-Benz-Werke in Gaggenau und Rastatt sorgen sich angesichts der Corona-Krise um ihren Arbeitsplatz. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die IG Metall Gaggenau und Betriebsräte des Benz-Werks Gaggenau jetzt vorgestellt haben.

Sorgen um die Zukunft: Die Themen Kurzarbeit und Lohneinbußen beschäftigen laut einer Umfrage die Mitglieder der IG Metall sehr. Unser Foto zeigt das Verwaltungsgebäude des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau. Foto: Körner

Wenn Thomas Krieg, seit 1977 im Unternehmen und inzwischen erfahrener Betriebsrat, auf die jüngsten drei Monate im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau zurückschaut, sagt er: „Das hat alles Frühere getoppt.“ Durch die Corona-Pandemie bedingt, stand die Produktion runde vier Wochen still, „aber im Hintergrund ist alles heiß gelaufen.“

Ziel aller Beteiligten war es, sämtliche Bereiche im Werk in dieser Zeit so hinzubekommen, dass die Mitarbeiter unter den veränderten Bedingungen und mit dem bestmöglichen Schutz wieder ihre Arbeit aufnehmen konnten. „Das galt für die Bänder und die Büros, es galt für die Umkleideräume und die Kantine und für vieles mehr“, machte er in einer Pressekonferenz der IG Metall die Dimension der Aufgabe in kurzer Zeit deutlich.

Doch die Bemühungen haben sich gelohnt: Es wird, unter den Bedingungen von Kurzarbeit, bekanntlich wieder produziert, „und vieles, was in Gaggenau gemacht worden ist, hat den Weg bis ins Berliner Arbeitsministerium gefunden“ (Krieg). Auch die Belegschaft hat, laut einer Umfrage der IG Metall, dem Betriebsrat gute Arbeit attestiert.

Umfrage unter Gewerkschaftern der Mercedes-Benz-Werke

In dieser Umfrage der Gewerkschaft im Mai unter ihren Mitgliedern zu verschiedenen Themen kamen rund 80 Prozent aller Antworten aus den beiden Benz-Werken Gaggenau und Rastatt, gab Bodo Seiler von der IG Metall bekannt. Danach haben 61 Prozent Angst, dass sich die Arbeitsbedingungen durch Corona verschlechtern.

59 Prozent machen sich mit Blick auf die Kurzarbeit Sorgen um die finanzielle Lage. Fast jeder Zweite – immerhin 46 Prozent – hat trotz Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung, wie es sie bei Daimler gibt, Sorge um den Arbeitsplatz.

Kurzarbeit in Corona-Krise steigt weiter

Die Benz-Betriebsräte Thomas Krieg und Otto Heck brachten die Sorgen und die Unsicherheit der Belegschaft auf den Punkt: „Die Ergebnisse waren vorher schon nicht gut. Jetzt kommt Corona. Wie geht es weiter?“

Laut Claudia Peter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall, ist die Tendenz eindeutig, dass die jetzt schon hohe Quote an Kurzarbeit im Zuständigkeitsbereich noch weiter anwachsen wird; aktuell befinden sich rund 17.500 Beschäftigte in Kurzarbeit. Ein Betrieb falle besonders negativ auf, da er bislang die tariflich gebotene Aufzahlung zum Kurzarbeitsgeld nicht auszahle.

Die Ausbildungszahlen gehen in diesem Jahr zurück, soviel ist laut IG Metall jetzt schon klar, auch wenn noch keine Zahlen vorliegen. Vor allem Mittelständler wollen Ausbildungsplätze abbauen, hieß es. Unter vielen negativen Nachrichten gibt es aber auch eine frohe Botschaft: Bei der Firma Logistik Schmitt (Bietigheim) steht inzwischen ein Tarifvertrag kurz vor dem Abschluss.

Claudia Peter sieht auch eine „Entzauberung von Homeoffice“: Homeoffice und Kinderbetreuung zusammen sei ein Problem, „da stöhnen viele.“ Das Konjunkturpaket der Bundesregierung sei zwar insgesamt ein großer und guter Wurf, doch sei der enorme Stellenwert der Automobilindustrie darin nicht angemessen berücksichtigt worden, kritisierte Peter wie auch die beiden Daimler-Betriebsräte. „Solidarität gewinnt“ heißt eine Kampagne der IG Metall in den Betrieben unter anderem zu den Themen Beschäftigungs- und Einkommenssicherung sowie Arbeitsschutz.

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