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Justizminister diskutiert mit Bürgermeistern

Minister Guido Wolf: „Ein Doktor wird für die Schwarzwaldhochstraße nicht reichen“

Der Kurhausruine Hundseck droht der Abriss eines weiteren Flügels. Dies wurde beim Besuch von Justizminister Guido Wolf bekannt. Er diskutierte mit Bürgermeistern über die riesigen Probleme der historischen Höhenhotels an der Schwarzwaldhochstraße.

Schandfleck: Die Kurhausruine Hundseck ist nach dem Teilabriss 2012 erneut einsturzgefährdet. Der Abriss des rechten Fachwerktraktes ist geplant. Foto: Ulrich Coenen

Es regnet in Strömen und die Wolken hängen tief. Das Wetter ist dem Anlass angemessen. Für die Schwarzwaldhochstraße sieht es seit mehreren Jahrzehnten alles anders als gut aus. Das findet auch Hansjörg Willig, der Vorsitzende des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße, der sich seit 2013 für die Kulturlandschaft im Nordschwarzwald und ihre Baudenkmäler engagiert.

Seitdem bemühen sich die 150 Vereinsmitglieder um Gehör in der Politik. Das hat längst nicht immer nach Wunsch geklappt. Am Mittwoch ist Willig aber ein Coup gelungen. Der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) ist auf Einladung des Vereins an die Schwarzwaldhochstraße gereist, um sich bei einer Rundfahrt ein Bild zu machen.

„Wir haben das schlechteste Wetter seit März“, meinte Willig. „Aber irgendwie passt das zum jämmerlichen Zustand der Schwarzwaldhochstraße.“ Für Willig war das Treffen mit dem Justizminister, der auch für Tourismus zuständig ist, ein großer Erfolg. Wolf sagte einen Runden Tisch in Sachen Schwarzwaldhochstraße zu.

Die erste Station an der Kurhausruine Hundseck verdeutlichte die gewaltigen Probleme. Der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) berichtete, dass nach dem Teilabriss des ehemals denkmalgeschützten Gebäudes nun ein weiterer Trakt einsturzgefährdet ist.

Als zuständige Baurechtsbehörde sieht sich die Stadt Bühl zum Handeln gezwungen, weil sich die Eigentümer nach wie vor nicht um die Immobilie kümmern. Schnurr lässt gerade Kostenvoranschläge von Abrissunternehmen einholen. Er rechnet mit Ausgaben in der Größenordnung von rund 140.000 Euro für das Fachwerkgebäude. Der Trakt in Massivbauweise an der Straße nach Hundsbach soll vorerst erhalten bleiben.

Von Journalisten umringt: Justizminister Guido Wolf bei seinem Besuch an der Schwarzwaldhochstraße. Links im Bild: Hansjörg Willig. Foto: Ulrich Coenen

Entnervt und verärgert ist inzwischen Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer (CDU). Hundseck sei ein Mahnmal dafür, wenn sich Eigentümer nicht um ihr Eigentum kümmern. Im Fall Hundseck, das an der Grenze der drei Kommunen Ottersweier, Bühl und Bühlertal liegt, haben sich die drei Gemeinden zusammengeschlossen. „Wir prüfen einen gemeinsamen Bebauungsplan“, berichtete Pfetzer. „Wir wünschen, dass die Behörden uns keine Steine in den Weg legen, wenn wir die schwierigen Eigentumsverhältnisse hier endlich geklärt haben.“

Das ist mehr Intensivstation.
Jürgen Pfetzer, Bürgermeister in Ottersweier

Wolf sprach von einer „offenen Wunde, die man der Heilung zuführen muss“. „Es wird ein schwieriger Heilungsprozess und ein Doktor wird nicht reichen“, so Wolf. „Das ist mehr Intensivstation“, meinte Pfetzer sarkastisch.

Hansjörg Willig wies darauf hin, dass die Situation in der Bühlerhöhe und auf dem Plättig dank der kasachischen Investoren und auf dem Sand, für den die Stiftung Paradiesbau auf Erden zuständig ist, keineswegs einfacher ist. „Die Situation spitzt sich von Jahr zu Jahr zu“, räumte Wolf ein. „Schnelle Lösungen sind nicht möglich. Das Eigentum ist in Deutschland ein hohes Gut. Dennoch können wir gerade in Hundseck den Eingriff in Natur und Landschaft nicht hinnehmen.“

Bei der Abschlussbesprechung in der Max-Grundig-Klinik auf der Bühlerhöhe stellte Willig den umfangreichen Forderungskatalog seines Vereins vor. „Fast wie ein Regierungsprogramm“, konstatierte der Minister. Willig wünschte sich eine Überarbeitung des Entwicklungskonzepts für die Schwarzwaldhochstraße (so genannter Masterplan) aus dem Jahr 2017.

Fast wie ein Regierungsprogramm
Guido Wolf, Justizminister

„Der wurde über Mittel aus dem Leaderprogramm der Regionen Mittelbaden, Ortenau, Freudenstadt und südlicher Schwarzwald/Hochschwarzwald finanziert“, berichtete er. Der Vorsitzende fordert eine touristische Überarbeitung und empfahl ein zeitnahes Verkehrskonzept für die Nationalparkregion. Er fragte ganz konkret nach Fördertöpfen von Land, Bund und EU.

Einladung an den Ministerpräsidenten blieb ungehört

Der Landtagsabgeordnete Tobias Wald erklärte, dass er sich seit vielen Jahren vergeblich bemüht hat, ein Regierungsmitglied zu einem Besuch an der Schwarzwaldhochstraße zu bewegen. Auch die Einladung an Ministerpräsident Winfried Kretschmann sei unerhört geblieben. Um so mehr freute sich Wald, dass der „liebe Guido“ nun angereist sei, um sich die zahlreichen Problemfälle direkt vor Ort anzusehen.

Der Blick auf die Bühlerhöhe von der Terrasse der Max-Grundig-Klinik wurde fast die gesamte Zeit durch tief hängende Wolken versperrt. Die rissen nur ganz kurz auf. „Die jetzigen Eigentümer sind unzugänglich“, klagte Oberbürgermeister Hubert Schnurr. Der Kontakt zum Bühler Rathaus sei inzwischen fast völlig abgebrochen.

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