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Umsatzrückgang

Modehändler in Karlsruhe und der Ortenau leiden unter der Maskenpflicht

Auch wenn die Geschäfte nach der Corona-Zwangspause wieder geöffnet haben: Richtige Shopping-Laune kommt noch nicht auf. Besonders die Modehändler verzeichnen starke Umsatzeinbrüche. Branchenvertreter aus der Region sagen, dass das auch an den Schutzmasken liegt.

Shopping mit Mundschutz: Besonders Modehändler tun sich weiterhin schwer. Die Lust aufs Einkaufen ist im Zuge der Corona-Krise stark gefallen. Das macht sich vor allem in sogenannten in 1A-Lagen bemerkbar. Foto: dpa

Ein entspannter Einkaufsbummel durch die Innenstadt? Das kann sich derzeit noch nicht jeder vorstellen. Aus Angst vor dem Coronavirus meiden Kunden nach wie vor Menschenansammlungen. Darunter leidet auch der Einzelhandel, insbesondere an Standorten, die sich in normalen Zeiten durch eine hohe Kundenfrequenz auszeichnen.

Das sind die in der Branche sogenannten 1A-Lagen wie die Karlsruher Kaiserstraße. Ausgerechnet dort, wo die Ladenpacht besonders hoch ist, kommt das Geschäft nach der Zwangspause nur langsam wieder in Schwung.

Karlsruher Kaiserstraße wird noch gemieden

In kleineren Städten seien die Umsätze seit der Wiederöffnung besser angelaufen als in Karlsruhe, sagt Jenny Geis, Einzelhandelsexpertin der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Kaiserstraße würde eher als Risiko für Ansteckungen gesehen. In den kleineren Mittelzentren der Region hätten die Kunden hingegen ein besseres Sicherheitsgefühl, so Geis.

Diesen Trend bestätigt auch die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“, die regelmäßig Daten von Modegeschäften in ganz Deutschland erhebt. Im April lag der Umsatz der an der Umfrage teilnehmenden Textilhändler bei einem Rekordminus von 76 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, im Mai noch 29 Prozent darunter. Deutliche Unterschiede zeigten sich dabei je nach Lage. „Statt in die Innenstädte zu fahren, geht es lieber in die Modeläden auf die Grüne Wiese beziehungsweise in Nebenlagen“, stellt die Zeitschrift fest. In den 1A-Lagen sei das Minus deutlich höher ausgefallen.

Ralph Pfeiffer, der zwei Modehäuser in Bühl und Achern betreibt, bezeichnet die Angaben der „Textilwirtschaft“ als realistisch. Zuletzt seien seine Geschäfte wieder etwas besser gelaufen. „Der Pfingstsamstag war bei uns ein überraschend guter Tag“, sagt Pfeiffer. Generell bleibe die Lage jedoch angespannt. „Der Bereich Anlasskleidung ist fast komplett weggefallen. Denn viele Feste und Events wurden abgesagt.“ Kleider und Anzüge für Abifeiern oder Hochzeiten verkaufe er derzeit kaum mehr. Auch Businessmode sei nicht gefragt. „Nur Freizeitkleidung läuft ordentlich“, sagt der Modehändler. „Poloshirts, Halbarmhemden, leichte Jeans.“

Bühler Modehändler: "Maskenpflicht ist der Spaßkiller"

Insgesamt hat der Einzelhandel mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Doch die Modegeschäfte trifft es besonders. „Wir leben von Lustkäufen“, sagt Pfeiffer. „Die Kleiderschränke sind voll. Man kauft ein, weil man etwas Neues will, nicht weil man es unbedingt braucht.“ Und eben diese Lustkäufe seien derzeit das Problem. „Ich höre immer wieder von Kunden: Die Maskenpflicht ist der Spaßkiller“, so Pfeiffer.

Das sieht Steffen Jost genauso. Der Geschäftsführer von Modehäusern in Bruchsal und in der Pfalz sagt: „Die Masken sind unangenehm und sie erschweren die Kommunikation. Darunter leidet die Zuwendung zum Kunden, die Herzlichkeit. Er sieht das Lächeln der Verkäuferin nicht mehr.“

Als Präsident des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) hat Jost einen guten Überblick über die Branche. Er warnt: „Die wirtschaftliche Lage ist sehr ernst. Für viele Unternehmen wird es ein Ritt auf der Rasierklinge, sowohl für große Filialisten als auch für kleinere Einzelhändler.“

Wer es schafft, aus der Krise heil herauszukommen, werde sich erst noch zeigen. „Die Lager sind voll mit Ware, die vor der Schließung geliefert und bezahlt wurde. Aber bald kommt schon die Herbstmode“, erklärt Jost. „Hoher Lagerdruck führt zu Preisdruck, dadurch sinken die Margen.“

Ettlinger-Tor-Center streicht langen Donnerstag

Die Probleme der Modebranche sind auch im Ettlinger-Tor-Center zu spüren. Denn das Karlsruher Einkaufszentrum hat fast die Hälfte seiner 33.000 Quadratmeter Verkaufsfläche an Textilhändler vermietet. Langsam steige die Kundenfrequenz zwar wieder, sagt Centermanagerin Anne Klausmann. „Von Woche zu Woche verzeichnen wir einen Zugewinn.“ Dennoch sei klar, dass die Umsatzrückgänge dieses Jahr nicht mehr aufzuholen seien. „Und es wird sicher auch den ein oder anderen Wechsel eines Mieters geben. Das wird kaum zu vermeiden sein.“

Einkaufszentren wie das Ettlinger-Tor-Center leiden besonders stark unter den Corona-Einschränkungen. Denn dort müssen die Kunden nicht nur in den Geschäften selbst, sondern im gesamten Gebäude eine Maske tragen. Das schrecke manche Kunden ab und hemme die Konsumlaune, so Klausmann. „Aber wir erkennen auch einen Gewöhnungseffekt.“

Ab Juli sollen alle Läden wieder bis 20 Uhr geöffnet haben, kündigt die Center-Managerin an. Derzeit schließen einige bereits um 18 Uhr. „Auf den langen Donnerstag werden wir aber auf absehbare Zeit verzichten“, sagt Klausmann. Donnerstags waren die Geschäfte im Ettlinger-Tor-Center in der Vor-Corona-Zeit immer bis 22 Uhr geöffnet.

Verbandspräsident Steffen Jost würde die Öffnungszeiten hingegen gerne ausweiten. Er fordert die Politik dazu auf, mehr verkaufsoffene Sonntage zuzulassen, um den Einzelhandel in den Innenstädten zu halten. Gewerkschaften und Kirchen sind allerdings dagegen.

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