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100 Jahre alt

Münzbild eines Bühler Apothekers huldigt dem Großherzogtum Baden

Das Archiv des Stadtgeschichtlichen Instituts Bühl ist um eine Kuriosität reicher: das Badische Wappen als Münzbild. Angefertigt hat es ein Apotheker aus Bühl.

Krone, Greifen, Schild und Lorbeer: Ausschnitt aus einem rund 100 Jahre alten Münzbild, das der Bühler Apotheker Wilhelm Ewald angefertigt hatte. Foto: Joachim Eiermann

Zwei Greife aus Messing, mythische Mischwesen aus Adler und Löwe, halten den Schild, der mit Münzen des Großherzogtums bestückt ist.

Kupfer- und Silbergeld bilden die Umrisse. Zur Entstehung des Münzbildes, das nun Teil des Bestands des Stadtgeschichtlichen Instituts Bühl ist, ist nichts überliefert.

Doch sein Urheber ist bekannt: Karl Friedrich Wilhelm Ewald war Bühler Apotheker und ein Schwager des Kunstmalers Albert Wenk. Der kleine Wilhelm wurde am 14. April 1863 in Überlingen am Bodensee geboren.

Ewald hatte in Lübeck gelebt, ehe er 1889 nach Bühl kam. In jenem Jahr heiratete er die Kaufmannstochter Pauline Emma Eugenie Wenk und erwarb die Stadtapotheke von Julius Boffinger.

Diese übernahm von 1920 an Sohn Max, das dritte von vier Kindern. Wilhelm Ewald starb im Alter von 74 Jahren am 31. Oktober 1937 in Bühl. Die Apotheke in der Hauptstraße 67 (später Kern) existierte bis 1991. Dann wurde das Gebäude, in dem er fast fünf Jahrzehnte gelebt und gearbeitet hatte, abgerissen.

Münzen des Bildes stammen aus dem 19. Jahrhundert

Wann er sich seinem badischen Münzbild gewidmet hatte, darüber können Michael Rumpf und Marco Müller vom Stadtgeschichtlichen Institut heute nur spekulieren.

Die verwendeten Halb-, Ein-, Drei- und Sechskreuzer-Stücke stammen aus dem 19. Jahrhundert, ab 1872 wurde im Großherzogtum im Zuge der deutschen Reichsgründung mit Mark und Pfennig bezahlt.

Die mit Messingstreifen aufgelöteten Münzen waren also schon wertlos geworden, als Wilhelm noch ein Kind war. Entweder wurden sie von seiner Familie aufbewahrt und hatten ihm vielleicht als „Spielgeld“ gedient oder stammen aus der Familie seiner Frau oder einer ganz anderen Quelle.

Interessant in diesem Zusammenhang: Die Stadt Bühl ließ 1871 nach dem Ende des Deutsch-Französischen Kriegs, dem Beispiel des Großherzogtums folgend, einen eigenen Friedenskreuzer als Gedenkmünze prägen. Davon findet sich jedoch kein Exemplar im Bild.

Ob Ewald in seiner Gesinnung dem Badischen Hause nahestand, davon hat das Stadtgeschichtliche Institut keine weitere Kenntnis. Dass er auf den zweiten Vornamen Friedrich getauft wurde, taugt dafür nur bedingt als Indiz, das ikonenhafte Münzbild jedoch umso mehr.

Bühler Münzbild zum Regierungsjubiläum des Großherzogs entstanden?

Die großen Feierlichkeiten zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Friedrich I. als Großherzog von Baden könnten einen Anlass für diese Arbeit gebildet haben.

Oder hatte sich Ewald aus Verdruss ans Werk gemacht, als der letzte Großherzog Friedrich II. 1918 nach der Niederlage des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg abdanken musste und Baden zur Republik wurde? Damals war er 55 Jahre alt.

Das gut erhaltene Bild stand jedenfalls längere Zeit auf einem Speicher, bis sich eine Schwiegerenkelin dieses kuriosen Erbstücks annahm.

Die rote Stoffbespannung war unschön geworden; sie ersetzte diese durch dunkelgrünen Samt und ließ zudem einen neuen Holzrahmen anfertigen. Kunsthandwerklich akkurat gefertigt ist das zentrale Motiv: die badischen Greifen links und rechts des Schildes.

Sehr filigran gearbeitet ist auch die Krone, die mit einem kleinen roten Stück Stoff gefüllt ist. Ob Ewald selbst oder jemand anderer die Messingarbeiten ausgeführt hat, bleibt ebenso ein Rätsel.

Aus stadtgeschichtlicher Sicht ist das Exponat von besonderer Bedeutung, zeigt es doch, wie stark ein Bürger, der sich in Bühl niedergelassen hatte, mit den badischen Farben identifizierte.

Rot und Gold standen bis 1952 für den deutschen Südweststaat und gerieten auch danach nicht in Vergessenheit: Landauf, landab flattert die badische Fahne vielerorts weiterhin im Wind.

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