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Im Schwarzwalddorf Neusatz sind Bauplätze für junge Familien Mangelware

Neusatzer Ortsvorsteher Juchem: „Landschaftsschutz wurde in jede Baulücke hineingedrängt”

Wegen der schwierigen Topografie sind Bauplätze in Schwarzwaldgemeinden rar. Immer wieder müssen junge Menschen ihre Heimat verlassen, weil sie nicht bauen können.

Hans-Wilhelm Juchem (CDU) ist Ortsvorsteher im Bühler Stadtteil Neusatz. Foto: Ulrich Coenen

Hans-Wilhelm Juchem, Ortsvorsteher des Bühler Stadtteils Neusatz, erklärt, was er dagegen unternehmen will.

Im Schwarzwalddorf Neusatz und seinem Ortsteil Waldmatt gibt es wegen der Topografie kaum Bauplätze. Ein dringend gewünschtes Neubaugebiet fehlt komplett. Diese fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten sind immer wieder ein Anlass für Kritik von Ortschaftsräten und Bürgern. Unser Redaktionsmitglied Ulrich Coenen sprach mit Ortsvorsteher Hans-Wilhelm Juchem (CDU) über die schwierige Situation.

Ein Mehrfamilienhaus entsteht auf dem ehemaligen Uhlsche Sägewerkgelände an der Schwarzwaldstraße. Das Grundstück befand sich im Besitz der Stadt, die in Neusatz ansonsten über kein baureifes Gelände verfügt. Foto: Ulrich Coenen

Das vom Ortschaftsrat geforderte Neubaugebiet auf dem Gelände des Mutterhauses Neusatzeck ist gescheitert. Der Bedarf an Bauplätzen im Dorf ist angeblich groß?
Hans-Wilhelm Juchem

Es ist völlig richtig, dass wir einen Bedarf an Bauplätzen haben. Wir sind aber von Landschaftsschutzgebiet umgeben. Dieses wurde, aus welchem Grund auch immer, in fast jede bestehende Baulücke hineingedrängt. Deshalb ist es für Neusatzer, die eigenes Gelände haben, leider kaum möglich zu bauen. Es ist selbstverständlich ein Nachteil, dass wir unsere Baulücken nicht füllen dürfen. Deshalb können die Kinder im großen Garten der Eltern kein Eigenheim errichten.

Die Topografie des Schwarzwalddorfs Neusatz ist schwierig. Wo könnte überhaupt ein Neubaugebiet entstehen?
Juchem

Es gibt praktisch kein größeres öffentliches Grundstück, dass wir kurzfristig bebauen könnten. Das letzte war das ehemalige Uhlsche Sägewerkgelände an der Schwarzwaldstraße. Dort entsteht aktuell ein Mehrfamilienhaus. Die Stadt hat dieses große Grundstück bereits vor Jahren vom früheren Eigentümer erworben. Die bergwärts anschließende große Wiese vor dem Gasthaus Linde liegt bereits im Landschaftsschutzgebiet. Dort sind also keine Neubauten möglich.

Ziehen denn jungen Leute wegen fehlender Perspektiven aus Neusatz weg?
Juchem

Wie man hört, ja. Wenn man wegen Landschaftsschutz oder wegen eines fehlenden Neubaugebiets nicht bauen kann, gibt es wenig Alternativen. Das Neubauprojekt eines auswärtigen Projektentwicklers auf der großen Baulücke in der Drei-Tore-Straße bewegt sich in einem relativ hochpreisigen Segment. Das ist für junge Neusatzer Familien nicht unbedingt geeignet.

Sind denn überhaupt Neubaugebiete in Neusatz und Waldmatt möglich?
Juchem

Wir haben eine Zusage von Oberbürgermeister Hubert Schnurr, dass er unsere Pläne für ein Neubaugebiet unterstützt. In Waldmatt gibt es in der Nähe des Wolfhagwegs mit dem Gewann Schweighof in den Reben eine Option. Weil die Stadt nur Neubaugebiete entwickelt, wenn sie im Besitz des Geländes ist, wurden bereits Gespräche mit den Eigentümern geführt. Durch den Geländekauf will die Kommune verhindern, dass das teuer erschlossene Gebiet nicht komplett bebaut wird und viele Baulücken bleiben.

In Neusatz selbst gibt es also keine Chance?
Juchem

Grundsätzlich schon. Im Bereich des Ralschbach-Rebgebiets befindet sich eine Fläche, die vom Landschaftsschutz ausgenommen ist. Außerdem hat der Ortschafstrat den Wunsch, zwischen dem alten Kirchweg und der Waldmattstraße beim Friedhofparkplatz ein Baugebiet zu erschließen. Das Gelände ist allerdings komplett in privater Hand und vom Landschaftsschutz tangiert. Ralschbach wäre wegen des fehlenden Landschaftsschutzes sicher einfacher zu realisieren.

Welche Haustypen wünschen Sie sich für Neusatz? Das Einfamilienhaus steht wegen des großen Flächenverbrauchs in der Kritik. Ist in Neusatz auch Geschosswohnungsbau denkbar?
Juchem

Neusatz ist ländlich geprägt und liegt außerdem im Gebirge. Geschosswohnungsbau im großen Maßstab kann ich mir hier nicht vorstellen. Das passt nicht in die Landschaft. Wir sollten der dörflichen Umgebung angemessen bauen.

Darf es also nur Einfamilienhäuser geben?
Juchem

Nein. Mehrfamilienhäuser entstehen ja aktuell auf dem ehemaligen Sägewerkgelände Uhl. Die Bauarbeiten für ein weiteres Mehrfamilienhaus in der Drei-Tore-Straße beginnen jetzt. Mehrfamilienhäuser sollten aber den dörflichen Maßstab nicht sprengen.

Im Schlosswinkel errichtet ein privater Investor aktuell ebenfalls Neubauten. Foto: Ulrich Coenen

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