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Gemeindewald ein Zuschussgeschäft

Forstwirtschaftsjahr 2024 bringt Verluste für Ottersweier

Nach Zwischenhoch rechnet der Kreisforstbezirk Bühl im kommenden Jahr nicht mit schwarzen Zahlen. Zusätzlich macht der Borkenkäfer Sorge.

Totholz als Grundlage für neuen Lebensraum: Die Gemeinde Ottersweier beteiligt sich neuen Bundesprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“.
Totholz als Grundlage für neuen Lebensraum: Die Gemeinde Ottersweier beteiligt sich neuen Bundesprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“. Foto: Joachim Eiermann

Borkenkäfer-Schwemme, einbrechende Holzpreise, defizitäre Waldwirtschaft: Der Forst bereitet dem Gemeinderat Ottersweier derzeit wenig Freude. Wenn Leiter des Kreisforstbezirks Bühl, Clemens Erbacher, über den Buchdrucker spricht, graben sich Sorgenfalten in seine Stirn.

Mit bangem Blick schaut er auf 2024, wenn der Schädling im Frühjahr wieder ausschwärmen wird, um sich in geschwächte Bäume zu bohren, denen er den Rest gibt. Insbesondere Fichten.

Borkenkäfer vermehren sich weiter

In diesem Sommer habe sich der Borkenkäfer im Gemeindewald Ottersweier wieder massenhaft vermehrt, informierte Erbacher in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die befallenen Bäume seien rasch aus dem Wald entfernt worden, um die weitere Ausbreitung zu begrenzen.

2021 sah es noch anders aus, damals war nur wenig Käferholz angefallen. Doch die Hoffnung, dass die Population allgemein rückläufig sei, trog. Im Folgejahr hätten eine große Hitze und eine anhaltende Dürre dem Käfer in die Hände gespielt und für ein Niveau wie 2019 und 2020 gesorgt. „Die Populationsdynamik hängt wesentlich von der Witterung ab.“

Die Populationsdynamik hängt wesentlich von der Witterung ab.
Clemens Erbacher
Leiter des Kreisforstbezirks Bühl

Das Forstwirtschaftsjahr 2022 schloss die Gemeinde Ottersweier – trotz der Borkenkäfer-Attacke – mit einem Gewinn von knapp 69.000 Euro ab. Das aus der Sicht des Gemeindekämmerers erfreuliche Ergebnis sei den seinerzeit guten Holzpreisen geschuldet, von denen auch der hiesige Forst mit seinem Sortiment profitiert habe, so Erbacher. „Dass sich der Markt so positiv entwickelt, das hatten wir im Herbst 2021, als der Wirtschaftsplan mit einem Defizit aufgestellt wurde, noch nicht absehen können.“

Der Kreisforstbezirk Bühl rechnet mit einem Verlust von 59.000 Euro für 2024

Für 2024 sieht es weniger rosig aus. „Aktuell ist der Holzmarkt im Sinkflug“, schildert der Forstdirektor. Die gewerbliche Nachfrage, etwa nach Nadelholz, sei sehr verhalten. Entsprechend weist der Wirtschaftsplan 2024, den Erbacher dem Gemeinderat zur Abstimmung vorlegte, unter dem Strich eine rote Zahl aus.

So stehen prognostizierten Erlösen von rund 345.000 Euro, Ausgaben von 404.000 Euro inklusive Abschreibungen und Umlagen entgegen. Das ergibt ein Minus von 59.000 Euro. „Zusammen mit dem Verlust im laufenden Jahr frisst das Defizit 2024 den Gewinn von 2022 auf“, sagt Bürgermeister Jürgen Pfetzer (CDU).

Teuerster Einzelposten ist der Aufwand für die Holzernte mit 129.000 Euro bei erwarteten Holzerlösen von 205.000 Euro. Knapp 50.000 Euro wollen die Förster in die Kulturpflege investieren, weitere 8.000 Euro in den Waldschutz, für beides winken Zuschüsse in der Summe von 9.000 Euro. Fast 23.000 Euro gehen für die Bestandspflege und den Waldschutz drauf. Die Unterhaltung der Waldwege lässt sich Ottersweier 22.000 Euro kosten.

Der Gemeinderat stimmte dem Forstwirtschaftsplan und einem Holzeinschlag von 3.370 Festmetern zu. Festgelegt wurden auch die Brennholzpreise, die um rund fünf Euro pro Festmeter ansteigen: in einer Spanne von 53 Euro für Nadelholz aus dem Bergwald bis zu 80 Euro für reine Buche aus dem Auenwald. Selbstwerber zahlen künftig sieben bis 17 Euro für ein Ster (ein Kubikmeter) Nadelholz und neun bis 22 Euro für Laubholz.

Ottersweier wird sich am Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ beteiligen

Nachträglich beschlossen wurde die Beteiligung der Gemeinde am Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“. Dessen Ziel ist es, die Wälder gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen. Der Bund stellt Waldbesitzern zur Wahrung lebenswichtiger Ökosystem-Leistungen bis 2033 einen jährlichen Förderbetrag zur Verfügung. Im Wirtschaftsplan des Gemeindewalds 2024 sind 55.100 Euro als Einnahme eingepreist.

Voraussetzung ist, dass die Gemeinde zwölf Kriterien zur Klimaanpassung erfüllt. Dazu zählt unter anderem: heimische Baumarten zu verwenden, eine größere Baumartendiversität zu erzielen, die Bodenverdichtung zu begrenzen und Habitat-Bäume auszuweisen, also mehr Totholz als Grundlage für neuen Lebensraum zu schaffen. In einem Zeitraum von 20 Jahren dürfen fünf Prozent der Waldfläche nicht bewirtschaftet werden.

Der Gemeinderat stellte vorläufig ein Alt- und Totholzkonzept zurück, das gemeinsam mit dem Bühler Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz ausgearbeitet wurde. Es beruht auf einem dauerhaften Nutzungsverzicht kleinerer Bestände und Baumgruppen in Wirtschaftswäldern, um Ökopunkte zu generieren. Eine gleichzeitige Umsetzung beider Programme hätte sich auf 55 Hektar Gemeindewald ausgewirkt. Der Nutzungsverzicht läge dann bei 300 Festmetern Holz pro Jahr, fast zehn Prozent des üblichen Einschlags.

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