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Bus statt Bahn?

Haltestelle wäre zu teuer: S-Bahn fährt weiter an Ottersweier vorbei

Schlechte Nachricht für Ottersweier: Eine S-Bahn-Haltestelle ist wohl praktisch unerschwinglich. Landratsamts-Dezernent Mario Mohr machte im Gemeinderat aber Hoffnung auf eine Verbesserung der Bus-Anbindung.

Eine S-Bahn-Haltestelle für Ottersweier wurde zuletzt an der Gemarkungsgrenze zu Bühl auf Höhe von Hatzenweier geprüft. Doch die Kosten wären nicht förderfähig und lägen im zweistelligen Millionenbereich. Foto: Michaela Gabriel

Von 1845 bis 1989 hatte Ottersweier einen Bahnhof. Er musste dem Ausbau und Neubau der Strecke Karlsruhe-Basel weichen, auf der heute Züge mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde unterwegs sind. Ottersweier bekam neue Gleise und Lärmschutzwände, noch bevor das Konzept der Stadtbahn erfunden wurde.

Auch auf den Gleisen für Regionalzüge und S-Bahnen wird inzwischen bis zu 160 Stundenkilometer schnell gefahren. Das ist einer der Gründe, warum ein S-Bahn-Haltepunkt in Ottersweier deutlich mehr als zehn Millionen Euro kosten würde.

Das äußerste Gleis auf der Ostseite müsste über mehrere hundert Meter verzogen werden, um einen Sicherheitsabstand zum Hauptgleis zu schaffen, erklärte Mario Mohr den Räten. Dazu kämen neue Brücken und Unterführungen, Lärmschutzwände sowie Betriebs- und Sicherheitstechnik.

Eine Kosten-Nutzen-Rechnung würde nicht so ausfallen, dass die Kriterien für eine Förderung erfüllt wären, so Mohr. Die Gemeinde müsste den Bau alleine finanzieren. Er sieht deshalb in der Frage eines Stadtbahnhaltes „mehrere rote Ampeln” und bat die Gemeinderäte, das so zu akzeptieren. Endgültige Gewissheit über Machbarkeit und Potential würde eine neue Analyse bringen. Die Kosten allein dafür lägen bei rund 50.000 Euro.

Kampf für eine Haltestelle seit 20 Jahren

Dass Ottersweier und Sasbach als einzige Gemeinden zwischen Achern und Baden-Baden keine Stadtbahn-Haltestelle haben, ließ Bürgermeister Jürgen Pfetzer (CDU) in den letzten 20 Jahren immer wieder aktiv werden. Zuletzt bekundete er das Interesse Ottersweiers 2017, als die Rede von neuen Haltepunkten der S-Bahn nach der Inbetriebnahme des Rastatter Tunnels war.

Seit 2018 nahm er an Besprechungen mit Vertretern anderer interessierten Kommunen, des Landratsamtes, der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und der Deutschen Bahn teil. „Die Hoffnungen haben sich leider zerschlagen”, sagte er jetzt dem Gemeinderat. Denn aus Platzgründen käme als Standort käme nur eine Stelle auf Bühler Gemarkung bei der Unterführung nach Hatzenweier infrage. Gleichzeitig verfolge Bühl das Ziel, in den Bußmatten einen Stadtbahnhalt zu bekommen. Beide Haltepunkte wären jedoch betrieblich nicht möglich.

Dass Ottersweier eine Entwicklung verschlafen habe, sei widerlegt, kommentierte Linus Maier (CDU). Die Prüfungen seien immer zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kosten zu hoch und der betriebswirtschaftliche Nutzen zu gering seien.

Busfahren als Alternative?

Von „unüberwindbaren Hindernissen” sprach Dieter Kohler (FWV). Bedauerlich nannte Herta Finkbeiner-Schilling (SPD) die Situation. Nico Paulus von den Grünen ist sich sicher, dass auch Menschen aus Achern, Sasbach und Lauf eine Haltestelle der S-Bahn in Ottersweier ansteuern würden. Doch mit einem zweistelligen Millionenbetrag könne man viele andere Dinge machen.

Der Landkreis müsste sich stärker um eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs kümmern, merkte Maier noch an. Dem pflichtete Paulus bei, und Finkbeiner-Schilling warb fürs Busfahren. Eine Einbindung von Ottersweier in die Citylinie der Stadt Bühl müsste man neu angehen. In dieser Frage hatte Dezernent Mohr gute Nachrichten: Der Landkreis habe einen Antrag auf Aufnahme mehrerer Buslinien rund um Ottersweier in das Förderprogramm „Regiobuslinien” eingereicht. Sollte dies im April bewilligt werden, könnten sich schon ab Mai die Takte des ÖPNV deutlich verbessern.

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