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Nach langem Leerstand

Im Adler in Ottersweier kehrt bald wieder Leben ein

Das Trauerspiel in der Ottersweierer Ortsmitte hat ein Ende: Für das Restaurant Adler hat sich nach eineinhalb Jahren Leerstand ein neuer Pächter gefunden. Künftig ist Slowfood angesagt.

Neuer Anfang: Der „Adler“ in Ottersweier hat einen neuen Pächter. Die Goldentaler Nelvaia GmbH setzt in dem zuletzt eineinhalb Jahre leerstehenden Gebäudeensemble auf Slowfood. Foto: Bernhard Margull

Überraschung in Ottersweier: Das Restaurant Adler hat wieder einen Pächter. Nach mehr als eineinhalb Jahren Leerstand soll das Gasthaus in der Ortsmitte im November wieder geöffnet werden.

Übernommen wird es von der Goldentaler Nelvaia GmbH. Das Ende August dieses Jahres ins Handelsregister beim Amtsgericht Mannheim eingetragene Unternehmen hat seinen Sitz in Baden-Baden und verfügt laut Eintrag über ein Stammkapital von 25.000 Euro. Gegenstand des Unternehmens ist „der Betrieb einer Schank- und Speisegaststätte“.

Geschäftsführerin Vanja Mayer bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass im September der Pachtvertrag unterzeichnet worden sei. Zunächst müsse noch der Renovierungsbedarf geklärt werden. Die entsprechenden Arbeiten sollen so abgeschlossen werden, dass Anfang oder Mitte November eine „stille Eröffnung“ möglich sei. Anfang Dezember wolle man dann auch verstärkt in die Werbung gehen.

Slowfood in Ottersweier: Produkte sollen aus der Region kommen

Die neuen Pächter bringen einschlägige Erfahrung mit. Vanja Mayer ist zwar Bau-Ingenieurin, zuvor hatte sie jedoch in ihrer Heimat, der bulgarischen Hauptstadt Sofia, eine Ausbildung zur Hotel- und Gastronomie-Fachkraft absolviert. Ihr Geschäftspartner Nelko Yordanov arbeite bereits zwei Jahrzehnte lang in der Branche, die meiste Zeit davon in England.

Auch die Köche, die zum Team zählen, seien international erfahren: „Sie haben schon auf drei verschiedenen Kontinenten gearbeitet“, sagt die Geschäftsführerin.

In Ottersweier setzen sie auf „moderne europäische Küche“ und den Slowfood-Gedanken: „Wir wollen unsere Produkte von Erzeugern aus der Region beziehen.“ Das gelte für die gesamte Palette vom Fleisch über Gemüse bis zum Obst.

Der Adler ist groß genug, um mit Corona-Auflagen zu funktionieren

Kennengelernt hätten sich Mayer und Yordanov vor 22 Jahren bei einem großen Projekt in einem gastronomischen Betrieb in einem bulgarischen Kurort: „Ich war für die bauliche Seite zuständig, er für die gastronomische.“ Damals hätten sie sich schon gesagt, dass sie eines Tages zusammenarbeiten wollten.

Der Adler in Ottersweier sei dafür das ideale Haus, sagte Mayer, die seit acht Jahren in Baden-Baden wohnt. Das Wagnis, in der Corona-Krise und mit ungewissen Aussichten ein Restaurant zu eröffnen, sei ihr bewusst.

Doch der Adler sei groß genug, um auch mit den aktuell geltenden Auflagen betrieben werden zu können. Sollte es wieder zu einer Zwangsschließung der Gaststätten kommen, werde ein Lieferservice aufgebaut, beschreit die Geschäftsführerin den Plan B.

Vorheriger Pächter des Adler hatte seine Zusage zurückgezogen

Der Adler war seit dem 1. März 2019 geschlossen, nachdem ein neuer Pächter seine bereits gemachte Zusage wieder zurückgezogen hatte; zuvor war fast eineinhalb Jahre vergeblich nach einem Interessenten gesucht worden.

Dass wieder Bewegung in das Gasthaus kommt, beobachtet der Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer mit großem Wohlgefallen: „Wir freuen uns riesig, dass sich hier etwas tut. Immerhin stand der Adler seit März des vergangenen Jahres leer.“

Noch im Februar hatte Pfetzer von einem Trauerspiel gesprochen: „Der Leerstand in der Dorfmitte tut richtig weh, zumal der Eigentümer mit bewundernswertem unternehmerischem Risiko und wir mit Fördermitteln aus dem Landessanierungsprogramm den Erhalt des halb verfallenen Adler-Areals erst möglich gemacht haben.“ 2006 wurde die Gaststätte in der ehemaligen Raiffeisenhalle und dem benachbarten Altbau eröffnet.

In Gesprächen mit ihm sei die Schließung immer wieder bedauert worden, sagte Pfetzer. Die häufig gestellte Frage aber, wann das Gasthaus wieder öffnen werde, habe er nicht beantworten können und an die Eigentümer verweisen müssen.

Dass bald wieder neues Leben im Adler herrscht, freue ihn nicht nur wegen dessen zentraler Lage, das Gebäudeensemble sei auch ein „Leuchtturmprojekt“ im Landessanierungsprogramm gewesen: „Es ist schön, wenn das Flaggschiff in der Ortsmitte wieder Fahrt aufnimmt.“

Wir wollen unsere Produkte von Erzeugern aus der Region beziehen.
Vanja Mayer Geschäftsführerin

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