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Keine Zwischenfälle

Querdenker-Demo in Ottersweier verläuft friedlich

Rund 200 Menschen haben am Sonntagabend an der zweiten Querdenker-Demo in Ottersweier teilgenommen. Eine Gegendemo fand derweil vor der Pfarrkirche St. Johannes statt. Beide Veranstaltungen verliefen friedlich.

Querdenker bei der Demo in Ottersweier am Sonntagabend. Weitere acht Protestaktionen sind an den kommenden Sonntagen geplant. Foto: Katrin König-Derki

Eine gewisse Nervosität ist am Sonntagabend kurz vor der zweiten Querdenker-Demo unter dem Motto „Nein zur Einschränkung unserer Grund- und Freiheitsrechte/Ja zum Ende der Pandemie“ spürbar. Polizisten stehen entlang der Hauptstraße; stets in Aktion ist Rolf Fritz, Leiter des Bühler Polizeireviers. Bald kommen Bürgermeister Jürgen Pfetzer und Ordnungsbeamte der Stadt Bühl um Martin Bürkle hinzu.

An der Kirche Maria Linden treffen derweil die Demonstranten ein. Auch Marco Kurz erscheint, der mit Sandra Bruckner zur Veranstaltung aufgerufen hat, ebenso Rechtsanwalt Klaus Harsch aus Rastatt.

Bürkle informiert Kurz, dass Pfarrer Jörg Christian Seburschenich einen Wortgottesdienst vor der Pfarrkirche St. Johannes feiert, wo die Demo endet, und keine Seite die andere „grob stören“ dürfe. Pfetzer, den die Demonstranten unter seiner Maske gar nicht erkannt haben, verlässt Maria Linden kurz vor 19.30 Uhr, um am Gottesdienst teilzunehmen.

200 Menschen nehmen an Demonstration teil

Die Organisatoren Kurz und Bruckner ergreifen das Wort. Bruckner bittet die Demonstranten darum, die Auflagen einzuhalten. 140 Personen, sagt Kurz, seien gekommen (die Zahl wird laut Polizei auf rund 200 steigen, an der Kirche versammeln sich um die 100).

Dann spricht Rechtsanwalt Klaus Harsch. Von Freiheit und Demokratie. Von jenen, die unter dem Lockdown besonders litten: Familien, wo die Gewalt zunehme, junge Leute, Depressive und jene, deren Geschäfte „in Scherben liegen“.

Mit Blick auf Maßnahmen wie die Ausgangssperre sagt er, ob die 2020 erfolgte Änderung des Infektionsschutzgesetzes verfassungsrechtlich überhaupt zulässig sei, sei umstritten.

Kritik am Gemeinderat

Harsch bezeichnet Pfetzer, „der sich heute Abend drückt“, Gemeinderat und Landtagsabgeordnete als „Schweiger“, die „nichts tun, um euch zu befreien“.

Niemand habe etwas gegen Hygienemaßnahmen, sagt er weiter, und fordert unter deren Einhaltung die sofortige Öffnung von Geschäften, Bars und weiteren Orten öffentlichen Lebens.

Plötzlich verlässt er die Corona-Thematik und spricht von „naiven Vorstellungen von Integration“ seitens der deutschen Politik und von Frauen, die sich in Deutschland nicht mehr sicher fühlten, dann verhöhnt er „die Linken“, denen er abspricht, „demokratische und freiheitlich denkende Bürger“ zu sein.

Nur, wenn sie auftauchten, werde Polizeischutz nötig sein. Kurz ergänzt, er wisse nicht, ob die „Antifanten“ mit „der Kirche“ gemeinsame Sache machten. Bürkle sagt später auf ABB-Anfrage, es habe zwei „Störer“ bei der Demo gegeben, die einen Platzverweis erhalten hätten, aber „keine Antifa“.

Beweggründe der Demonstranten sind sehr unterschiedlich

Im Gespräch mit Demonstranten ergibt sich ein differenzierteres Bild, als die Aussagen von Kurz und Harsch suggerieren: Eine Freischaffende berichtet vom Einbruch ihrer Einkünfte und von zwei coronabedingten Selbstmorden in ihrem Umfeld.

Ein Kehler Journalist, der privat teilnimmt, wirft der Politik vor, keine schlüssigen Strategien für den Umgang mit der Pandemie entwickelt zu haben, „im Nebel zu stochern“ und unverhältnismäßige Maßnahmen aufzuerlegen.

Eine Frau sagt, sie werde angefeindet, weil sie die Dinge hinterfrage; Corona scheine eine „Hass-Pandemie“ zu sein.

Eine Querdenkerin aus Bühlertal betont, es gehe ihr allein um die Art und Weise, „wie mit unseren Grundrechten umgegangen wird“. Ein älterer Herr räumt offen ein, „rechts“ zu sein.

Gläubige beten für Corona-Opfer

An der Kirche angelangt, erklingt dort „We shall overcome“. Die Gläubigen stehen mit dem Rücken zur Demo. Gebetet wird hier unter anderem „für alle Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben und erkrankt sind; für alle Angehörigen, die in tiefer Sorge sind; für alle Verstorbenen und für die, die um sie trauern“.

Außerdem „für alle, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben und um ihre Existenz fürchten; für alle, die sich überfordert fühlen“. Vielleicht wäre es ja ein Anfang, der jeweiligen Gegenseite zuzuhören.

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