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Kundgebungen am Sonntag im Regen

Schnee-Demo: Corona-Kritiker und Gegendemonstranten mischen lautstark Ottersweier auf

Neben Maskenpflicht und Impfen: Bei der Veranstaltung in Ottersweier hat vor allem die Positionierung der Gemeinde im Vorfeld die Redebeiträge beherrscht. Trillerpfeifen, Rasseln und Megaphone kamen durch die Gegendemonstranten zum Einsatz.

Kundgebung und „Spaziergang“: Mit diffamierenden Parolen zogen die Corona-Kritiker in Richtung Ortsmitte. Foto: Stefanie Prinz

Bei einer Kundgebung in Ottersweier haben nach Polizeiangaben rund 120 bis 150 Menschen unter dem Motto „Nein zur Einschränkung unserer Grund- und Freiheitsrechte/Ja zum Ende der Pandemie“ demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 200 Menschen, die an der zweiten sogenannten „Schnee-Demo“ teilnahmen. Ihnen standen am Sonntagmittag in der Ortsmitte zwischen 100 und 150 Gegendemonstranten der Gruppierung „Nein zu Querdenken“ entgegen.

Neben Maskenpflicht, Impfungen und PCR-Tests nahm in den Redebeiträgen vor der Wallfahrtskirche Maria Linden vor allem die Reaktion auf eine Stellungnahme von Bürgermeister Jürgen Pfetzer und dem Gemeinderat breiten Raum ein, die die Demonstration im Vorfeld, wie berichtet, scharf kritisiert hatten.

Rund 150 Demonstranten in der Ortsmitte

Dies wiesen die Redner um Marco Kurz, den Gründer des rechtsgerichteten „Frauenbündnis Kandel“ und von „Widerstand Offenburg“, sowie die Anmelderin der Versammlung, Sandra Bruckner, zurück und sprachen ihrerseits von „Hass und Hetze gegen Andersdenkende“: Der Gemeinde liege nichts an einem „Mitspracherecht der Bevölkerung“. Sie fühle sich „verfolgt, diffamiert und beleidigt“, so Bruckner. Kurz rief indes zur „Abberufung“ des Bürgermeisters auf.

Vor der Pfarrkirche: Nach Angaben der Veranstalter kamen hier etwa 150 „Anti-Querdenker“ zusammen, laut Polizei waren es ungefähr 100. Foto: Katrin König-Derki

Im Anschluss zogen die Demonstranten durch die Hauptstraße in die Dorfmitte, wo sich zeitgleich rund 150 Personen zusammengefunden hatten, um ein Zeichen gegen Querdenker respektive „gegen rechts“ zu setzen. Theo Kaufmann von den „Anti-Querdenkern“ Bühl moderierte die Kundgebung; auch „Omas gegen rechts“ aus Kandel waren angereist. „Oma“ Inge Heimer sagte, dass die Corona-Auflagen konzipiert worden seien, damit die Bevölkerung so wenig Schaden wie möglich erleide.

Die Querdenker verlangten, dass sich nur die Risikogruppen einschränkten, „damit sie, die Minderheit, leben können wie bisher“. Sie merkten zudem nicht, dass sie von „faschistoiden Demokratiefeinden“ wie Marco Kurz unterwandert worden seien, der nun durch Ottersweier ziehe. Der sei in Kandel bestens bekannt – für seine Hetz- und Hasstiraden gegen Flüchtlinge, Regierung und die Politik an sich. „Die Querdenkerszene ist ein El Dorado für seine Umsturz-Fantasien.“

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse führen zu neuen Thesen

Ben Decker, ein junger Mann aus Achern, widmete sich dem Begriff „Freiheit“: Wenn die eigene Freiheit anderen schade, werde sie zur Unterdrückung, sagte er auch mit Blick auf Maskenverweigerer. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse führten zu neuen Thesen, die den „Faktencheck“ bestehen müssten, sagte die Bühler SPD-Gemeinderätin Barbara Becker.

Die These „Impfen ist unnatürlich“ halte dem Check nicht stand, wie sie im Detail belegte. „Wir befinden uns in der ersten Pandemie der Weltgeschichte, die dank der Impfung nicht durch das Aussterben der Risikogruppen beendet werden muss. Aber wir müssen das wollen!“

Sie gehen Hand in Hand mit den Rechten.
Hans-Peter Behrens, Landtagsabgeordneter

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans-Peter Behrens beschrieb die Ziele der Politik: zu vermeiden, dass das Gesundheitssystem kollabiere, und die Zahl der Toten möglichst gering zu halten. Den Querdenkern warf er eine „selektive Wahrnehmung“ und mangelnde Solidarität vor. Und: „Sie gehen Hand in Hand mit den Rechten!“ Emile Yadjo-Scheuerer von der SPD Ottersweier lobte Anzahl und Vielfalt der Teilnehmer.

Als die Demonstranten um Kurz vorbeizogen, wurden sie mit heftigem Protest bedacht: Trillerpfeifen, Rasseln und Megaphone kamen zum Einsatz. Auf eine zuvor angekündigte Zwischenkundgebung an dieser Stelle verzichteten die Demonstranten. Für den Zug ging es weiter durch Eisenbahn- und Mooslandstraße, zunächst begleitet von Musik aus einem mobilen Lautsprecher und einzelnen Balkon-Zuschauern, zurück in Richtung Wallfahrtskirche ging es dann beinahe still.

Ottersweier hält zusammen mit Maske und Abstand
Plakate auf der Strecke

Auf öffentlichen und den meisten privaten Flächen entlang der Strecke waren Plakate nach dem Motto „Ottersweier hält zusammen mit Maske und Abstand“ angebracht worden, für deren Aufstellung die Gemeinde geworben hatte. Auch für die nächsten zehn Sonntage haben die Organisatoren Demos geplant.

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