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Rollen unter Holzbau montiert

Wie in Unzhurst-Zell vor 200 Jahren eine kleine Kirche auf Reisen ging

Auf Rollen wird die Zeller Kapelle vor 200 Jahren an ihren heutigen Standort gebracht. Wegen unerlaubter Messen gab es auch Ärger mit der Freiburger Kirchenbehörde.

Der Nachfolgebau: 1864 ist die heutige Kapelle entstanden, auf dem Standort, an den die Zeller 1821 ihr hölzernes Kirchlein gebracht hatten. Foto: Stadtgeschichtliches Institut Bühl

Was tun mit der Kapelle? Diese Frage stellen sich die Zeller immer wieder. Der Standort ist problematisch, denn das Wasser setzt ihr zu. Es muss etwas geschehen, so viel ist klar. Nur: Was kann getan werden? Die Zeller denken darüber nach, das Kirchlein anzuheben. Am Ende aber montieren sie Rollen darunter und bringen die Kapelle im Sommer 1821 an einen neuen, trockeneren Standort.

200 Jahre später muss eine zentrale Frage unbeantwortet bleiben: Wo stand die Zeller Kapelle vor ihrem Umzug? Darauf geben die überlieferten Unterlagen keinen Hinweis, allenfalls Spekulationen sind möglich. In einer Urkunde aus dem Jahr 1719 heißt es, sie sei „zu weith oben im Dorf gelegen“.

Ein weiterer Hinweis: Am bisherigen Standort sollte ein Kruzifix errichtet werden. War der Standort vielleicht in der Nähe des Mühlbachs? Das Problem ist jedenfalls nasser Natur, wie es schon 1719 heißt. Das Kirchlein sei ruinös und baufällig geworden, bei Regen sei es „wegen des Gewässers“ kaum zu erreichen.

Am 27. März 1821 schreibt die Gemeinde an das Bezirksamt in Bühl: Bei „jedem vorfallenden Regenwetter“ werde die aus Holz errichtete Kapelle „mit Wasser angefüllt“, und es findet sich dann kein Platz mehr, „wo man den Fuß ins Trockne stellen kann“. Diese „immerwährende Näße darin“ sei sehr ungesund, auch weil im Winter nicht nur jeden Sonn- und Feiertag, „ sondern alle Tage eine gemeinschaftliche Abend-Andacht darin verrichtet wird“.

Gemeinderat beschließt Umzug der Kapelle

Zudem litten die „erst vor kurzer Zeit gefassten Bildnisse.“ Deshalb wünsche die Gemeindeversammlung einhellig, die Kapelle etwas anheben zu dürfen. Schon am nächsten Tag stimmt das Bezirksamt zu, es seien für ein solches Vorhaben keinerlei Hindernisse zu erkennen.

Die Genehmigung wird erteilt. Doch inzwischen reift in Zell ein neuer Gedanke. Eine Gemeindeversammlung am 5. Juni 1821 diskutiert darüber, „ob diese Kapelle nicht gleich auf den schon lange bestimmten Platz“ gebracht werden sollte. Einer Meinung sind die Zeller nicht mehr, aber die Abstimmung bringt doch eine große Mehrheit von 33 zu sechs Stimmen hervor: Der Kapellen-Umzug ist beschlossen. Im gleichen Jahr noch wird er umgesetzt, das hölzerne Kirchlein rollt an ihren neuen Bestimmungsort.

Der geht wohl auf eine Schenkung zurück. 1652 wird erstmals ein Zeller Gotteshaus erwähnt. Das Vimbucher Rüggericht mahnt, sich um die Kapelle zu kümmern, die „ganz ruinös und baufällig“ sei. Ob das auch auf Wasserschäden oder doch eher den Dreißigjährigen Krieg zurückzuführen ist, bleibt unklar. Jedenfalls kauft Margarete Niedhammer, die Witwe des Zeller Müllers, 1719 für 20 Gulden einen Platz mitten im Dorf, um eine neue Kirche bauen zu können, das Areal ist laut Urkunde von 1719 exakt 22 Schritte lang und 20 Schritte breit.

Gefeierte Messen bringen Konflikt mit Freiburger Kirchenbehörde

Die Kapelle erhält einen Altar aus dem Kloster Fremersberg (das in Folge der Säkularisation 1826 endgültig geschlossen wird). Seither wird auch das Rochusfest gefeiert, aus einer einfachen Betstunde wird ein Amt, und auch an weiteren Tagen des Jahres feiert der Unzhurster Pfarrer die Messe; seit dem Frühsommer 1821 ist Zell ein Teil des Unzhurster Kirchspiels.

Diese Messen entzünden fünf Jahrzehnte später einen Konflikt mit der Freiburger Kirchenbehörde. Das Ordinariat stellt im Juli 1871 fest, die Kapelle sei „ursprünglich ein einfacher Oratorium“ gewesen, „in welchem das heilige Meßopfer nicht gefeiert und kein öffentlicher Gottesdienst abgehalten wurde“.

Dass die Zeller eine wöchentliche Messe feierten und „zudem das Sanctissimum in der Kapelle aufbewahrt wird“, geschehe „in unbefugter Weise“. Freiburg verbietet den Zellern vorerst, heilige Messen zu feiern, das Allerheiligste muss die Kirche verlassen. Zehn Jahre mindestens hält dieser Zustand an. 1882 lenkt das Ordinariat ein, betont aber die Freiwilligkeit dieser Entscheidung, was ein Wink mit dem Zaunpfahl ist: Die Genehmigung kann jederzeit wieder kassiert werden.

Die hölzerne Kapelle ist zu dieser Zeit bereits Geschichte, sie ist baufällig geworden und muss ersetzt werden. 1864 entsteht die heutige Kapelle – nach jahrelangen Diskussionen und Streitereien. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

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