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Wasserversorger sind auf Ernstfall vorbereitet

PFC-Grenzwerte werden im Sinzheimer Trinkwasser eingehalten

Die Wasserversorger sind auf den Ernstfall vorbereitet. Die PFC-Werte im Sinzheimer Trinkwasser sind aber noch sehr niedrig.

Wasserwerk im Großen Bruch: Die PFC-Werte werden hier nicht überschritten. Foto: Vollmer

Von Patricia Klatt

Als Trinkwasserversorger im PFC-Land ist man gut beraten, die Vorsorgemaßnahmen angesichts der PFC-Belastung offen und transparent zu kommunizieren, um das Vertrauen der Wasserkunden nicht zu verlieren. Das sehen die Gemeindewerke Sinzheim (GWS) ebenso.

Und so nahm sich der Wassermeister Bruno Vollmer viel Zeit, um die Fragen des ABB zu beantworten. „Noch gibt es kein PFC-Problem für das Sinzheimer Trinkwasser und auch die durch das Umweltbundesamt im vergangenen Dezember abgesenkten Werte werden eingehalten“, betont Vollmer gleich zu Beginn.

Aber man könne ja wohl schlecht warten, bis die Chemikalien die Brunnen erreicht hätten und erst dann mit den Vorsorgemaßnahmen beginnen. Das Trinkwasser gewinnt die GWS zu 92 Prozent aus zwei Tiefbrunnen Im großen Bruch und zu einem kleinen Teil aus Quellen am Fremersberg.

Umkehrosmose-Anlage filtert nebenbei auch PFC heraus

„Ein geringes PFC-Hintergrundflimmern gibt es auch ohne irgendwelche Bodenbelastungen überall, diese PFC werden gegebenenfalls durch die Niederdruckumkehrosmose-Anlage heraus gefiltert, die vor fast zwei Jahren eigentlich zur Wasserenthärtung installiert wurde“, erklärt Vollmer.

Mit der Anlage schlage man also sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. 40 Prozent des Wassers läuft gegenwärtig zur Enthärtung über die Umkehrosmose und wird dann mit dem ungefilterten Wasser gemischt, die gemessenen Werte für 22 PFC sind da alle im Nanogramm-Bereich.

„Wenn die PFC-Fahne die Tiefbrunnen erreichen würde, könnte man den Anteil an gefiltertem Wasser erhöhen“, ergänzt der Wassermeister. Im worst-case würde man die Tiefbrunnen runter und das Wasserwerk Kummerstung hochfahren, das nicht im Einzugsbereich der belasteten landwirtschaftlichen Flächen liegt. Anhand des Grundwassermodells kann man sagen, dass sich die PFC-Fahne zwar auf die Sinzheimer Brunnen zu bewegt, aber ob die Wasserschichten der beiden Brunnen in 65 Meter Tiefe überhaupt betroffen sein werden, ist offen.

Investitionen von möglicherweise bis zu 600.000 Euro

Auch das wird fortlaufend kontrolliert. „Dafür haben wir haben einen Vorfeld-Tiefen-Messpegel in genügend großem Abstand zu den Tiefbrunnen vorgeschaltet“, erklärt Vollmer. Bis jetzt habe man rund 200.000 Euro investiert, bei weiteren Maßnahmen werde sich das aber möglicherweise auf 600.000 Euro erhöhen.

Die beiden Tiefbrunnen geben jedenfalls eine gewisse Sicherheit und liefern ganz nebenbei auch die Daten für die Verfeinerung des Grundwassermodells, denn „das Wissen über die PFC in den tiefen Wasserschichten ist sehr schlecht, weil es zu wenige Messstellen gibt“, so Vollmer.

Es sind seitens der Gemeinde auch bereits zwei weitere Tiefenbohrungen in 35 und 60 Meter Tiefe genehmigt und im Mai fertig gestellt worden. Sie sind ebenfalls in das PFC-Monitoring Programm aufgenommen und werden vierteljährlich beprobt, die ersten Ergebnisse sollen noch im Juli vorliegen.

Was bei der PFC-Bewältigung gut und schlecht lief

Bei der Frage, was denn in seinen Augen hinsichtlich der PFC-Belastung gut und was weniger gut gelaufen sei, muss Bruno Vollmer nicht lange überlegen. Der größte Fortschritt seit 2014 sei es, dass sich alle Wasserversorger vernetzt hätten und in regelmäßigem Austausch miteinander stehen würden.

Auch die Einrichtung der PFC-Geschäftsstelle mit Reiner Söhlmann als kompetentem Gesprächspartner und das Grundwassermodell seien positiv zu bewerten. Eher negativ sieht der Wassermeister allerdings, dass man 2014 versäumt habe, den Boden in den PFC-Hot-Spots abzudecken oder auszutauschen, um zu verhindern, dass die PFC ins Grund- und damit auch ins Trinkwasser gelangen . Dabei sei es nach EU-Richtlinien Aufgabe des Landes, das Grundwasser zu schützen, lässt Vollmer keinen Zweifel.

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