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Komplexes Thema einfach erklärt

PFC im Landkreis Rastatt: 85-seitige Broschüre mit Wissen für die breite Bevölkerung

Die Stoffe in Boden und Wasser sind potenziell krebserregend. Umso wichtiger ist in Sachen PFC eine gründliche Information. Doch das Thema ist sehr komplex, die Wissensvermittlung schwierig. Patricia Klatt ließ das nicht ruhen.

Wasserwerk bei Balzhofen: Um einer etwaigen Belastung des Trinkwassers mit PFC vorzubeugen, soll in der Umgebung der mit den Chemikalien stark belastete Boden abgetragen werden. Das Projekt steht kurz vor der Umsetzung. Foto: Bernhard Margull

Das Thema ist maximal komplex, was seine Vermittler vor schwierige Aufgaben stellt. Denn die Frage der PFC-Belastung von Boden und Wasser in Mittelbaden ist keines, das sich als Nischenthema für Experten einordnen lässt: Wenn Trinkwasser und Ackerfrüchte belastet sind, muss das Wissen darum und um die Gegenmaßnahmen auch bei den Verbrauchern ankommen.

Dieser Gedanke hat Patricia Klatt nicht erst umgetrieben, seit sie vor zwei Jahren in Bühl in einem Workshop des Umweltbundesamtes und der Arcadis GmbH saß, zu dessen Themen auch die Wissensvermittlung an die betroffene Bevölkerung zählte.

Der Workshop ließ in der Biologin aber eine Idee reifen, die jetzt Wirklichkeit geworden ist: Patricia Klatt hat eine 85-seitige Broschüre „PFAS/PFC in Mittelbaden. Globale Umweltgifte werden zum regionalen Problem“ geschrieben. Die Wissenschaftsjournalistin ist seit Jahren intensiv mit der Materie beschäftigt und war auch an einem 2020 von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichneten BNN-Dossier zum Thema PFC beteiligt.

„Die Stabsstelle PFC am Regierungspräsidium Karlsruhe, das Umweltbundesamt, das Bundesumweltministerium oder das Bundesinstitut für Risikobewertung haben auf ihren Internetseiten viele richtig gute Informationen zu dem PFC-Skandal hier und auch zu dem allgemeinen Hintergrund“, sagt Klatt. Sie habe aber auch die Erfahrung gemacht, „dass es oft eine Hemmschwelle gibt, sich bei den Behörden zu informieren“.

Ihre Broschüre verstehe sie als ein weiteres Angebot, bunt und einfacher gehalten: „Und wer mehr wissen will, kann die Infos, die in den Fußnoten direkt verlinkt sind, anklicken. So kann jeder selbst entscheiden, wie intensiv er sich informieren möchte.“ Klatt war es wichtig, dass auch PFAS in Konsumgütern eine Rolle spielen sollten: „Die wenigsten Menschen sind sich darüber bewusst, dass PFAS quasi überall sind.“

Glückstreffer aus den USA

Monatelange habe sie an der Arbeit geschrieben und dabei auch viel Unterstützung erhalten. Der mittlerweile verstorbene Landrat Toni Huber habe die Idee sofort unterstützt, das Landratsamt und die PFC-Geschäftsstelle seien ebenso hilfreich gewesen wie die Trinkwasser-Versorger der Region, die sich etwa die Mühe gemacht hätten, Fakten und Zahlen zusammenzutragen.

Das Bundesumweltministerium habe „super-geduldig die Regularien gegengelesen und freigegeben“, da sich sich die EU-weiten Vorgaben für die PFAS „in einem atemberaubenden Tempo immer wieder ändern“. Als Glückstreffer bezeichnet sie die Erlaubnis, die in den USA entwickelte „PFASTox Database“ verwenden zu dürfen.

Die von Wissenschaftlern aus Universitäten und gemeinnützigen Organisationen erarbeitete Zusammenstellung von Publikationen wird ständig aktualisiert, gibt einen breiten Überblick und ermöglicht eine „schnelle Identifizierung von aufkommenden Trends, Datenlücken und Evidenzclustern“.

Veröffentlicht hat Klatt als freie Autorin die Broschüre zum freien Download auf ihrer Homepage www.pfas-dilemma.info, das Landratsamt Rastatt und die Stadt Bühl haben sie verlinkt. Experten vom Umweltbundesamt und dem Bundesinstitut für Risikobewertung loben „eine tolle Übersetzung von wissenschaftlichen Fakten und gesetzlichen Maßnahmen für den betroffenen Bürger, der schnell die Übersicht zu dem Thema verlieren kann“, und der Stuttgarter Umwelt-Staatssekretär André Baumann (Bündnis 90/Grüne) lobte bei seinem Besuch in Rastatt der Autorin gegenüber die Arbeit als sehr gelungen.

Reiner Söhlmann von der PFC-Geschäftsstelle im Landratsamt sprach gegenüber der Redaktion von „einem sehr guten Überblick über die gesamte Problematik im Landkreis Rastatt mit all seinen Facetten und Wechselwirkungen, die zu beachten sind“. Für Menschen, die nicht täglich mit dieser Stoffgruppe zu tun hätten, „ist die schwierige und wissenschaftliche Thematik in einer verständlichen und lesbaren Sprache aufgearbeitet“.

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